Gute Songs, grosses Herz

Soundcheck

Trallamamma kennen ihre amerikanischen Songs aus dem Effeff. Und sie singen und spielen sie mit Hingabe.

<b>Eine Band aus Berner Heroen:</b> Trallamamma in der Wash Bar.

Eine Band aus Berner Heroen: Trallamamma in der Wash Bar.

(Bild: Samuel Mumenthaler)

Eingemachtes wird nicht angeboten am Tresen der Wash Bar, der ersten Bar mit integriertem Waschsalon in der Welle 7. Und doch geht es beim Konzert von Trallamamma ans Eingemachte – jedenfalls emotional.

Wenn Luc Balmer seine Geige schwelgen lässt, verdrückt nicht nur der weibliche Teil des Publikums mehr oder weniger heimlich eine Träne. Auch Gastmusiker Stuwi Aebersold an der Hawaiigitarre kennt keine Gnade. Nicht umsonst nannte man sein Instrument früher in Berner Musikerkreisen «Träne-Schyt».

Sängerin Tanja von Erlach hat eine bemerkenswerte Stimme mit dunkler Blues-Koloratur, und gerade weil sie diese nie forciert, geht ihr Gesang unter die Haut. Bleibt noch der Vierte im Bund: Gitarrist und Sänger Tinu Diem, der Primus inter Pares, der die Band mit stoischer Ruhe zusammenhält und so etwas wie ein wandelndes American Song Book ist.

Trallamamma sind entgegen ihrem Namen keine Italo-Coverband (da sind Mario Capitanios Zia Lisa derzeit ohnehin kaum zu schlagen) und auch keine karibisch angehauchte Ganja-Reggae-Dancefloor-Truppe. Wobei, Drogensongs gibt es durchaus bei Trallamamma, wie die Band schon früh in ihrem ersten Set anmerkt. Allerdings dann grad von der härteren Sorte wie in der Version von Warren Zevons «Carmelita», wo ein Heroinabhängiger nach Wärme sucht.

Trallamamma bringen das Repertoire des anderen Amerika fernab von Nashville-Schmalz und Westernromantik nach Bern, und sie graben tief im Americana-Fundus. Sie interpretieren hierzulande wenig bekannte Songs von Brandi Carlile, Buddy Miller und Tom Waits, spielen «Hound Dog» in einer leicht Reggae-angehauchten Version (also doch!), pfeifen einer «Good Looking» hinterher und trauern der «Jolie Louise» nach.

Folk, Country, Cajun und auch etwas Jazz ergänzen sich hier selbstverständlich und vor allem unaufgeregt. Wer Hektik und Schweissausbrüche sucht, ist definitiv im falschen Lokal.

Gute Songs sind die halbe Miete, und wenn sie so engagiert interpretiert werden wie von dieser kleinen Band mit ihrem grossherzigen Sound, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Kein Wunder, hat sich schon eine noch übersichtliche, aber eingeschworene Fangemeinde gebildet, schliesslich stehen hier ja auch einige Heroen der Berner Musikszene auf der Bühne.

Die Palmarès reichen von Hofer bis Holle und von Crybaby bis Taco. Doch hier zählt offenkundig das Hier und Jetzt, von grossen Tönen und Nostalgie ist nichts auszumachen. Ausser dass die Musik von Trallamamma halt manchmal ans Eingemachte geht.

In der Rubrik «Soundcheck»sind wir in der hiesigen Musikszene unterwegs.

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