Fabers Liebeslieder mit Haltung

Darüber, dass er der Sohn von Pippo Pollina ist, redet der 23-jährige Zürcher Folksänger nicht gern. Lieber über die Weltlage und den anstehenden Auftritt am Gurtenfestival.

«Es zischt an mir vorbei.» Faber ist der Musiker der Stunde.

«Es zischt an mir vorbei.» Faber ist der Musiker der Stunde. Bild: Christian Pfander

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Was geht wohl in diesem Kopf vor? Julian Pollina nimmt die Sonnenbrille auf Geheiss des Fotografen in die Hand, schaut nachdenklich ins Leere. Und man wird den Eindruck nicht los, dass er das alles ein bisschen ver­achtet.

Den Rummel, den Hype, der um ihn gemacht wird, weil er nun sein erstes Album herausbringt. Nun, nachdem er schon Hunderte von Konzerten gespielt hat und Fans in ganz Deutschland hat. Faber, wie sich Julian Pollina als Musiker nennt, sagt das na­türlich nicht. Er macht professionell mit.

«Es ist megaviel, es geht megaschnell. Und es zischt an mir vorbei», sagt er. Er zündet sich auf Aufforderung des Fotografen eine Zigarette an. «Ich werde gebauchpinselt», fügt er an, «es muss mir einfach bewusst sein, dass es zu Hause dann nicht so weitergeht.»

Sein Zuhause ist Zürich, da sind Familie, Freundin, Freunde. Dort nahm die sagenhafte Geschichte ihren Anfang, sie ist nun schon fast eine Legende. Pollina, Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina – worüber der Junior überhaupt nicht sprechen mag –, geht ans Gymnasium.

Aber nicht, um zu studieren. «Ich wusste sowieso, dass ich nicht arbeiten möchte», sagt er. Er singt Italoschlager in Restaurants und auf Hochzeiten, passt irgendwann Sophie Hunger ab, spielt ihr etwas vor, darf mit ihr auf Tour – und erobert Deutschland.

Alte Stimme, junger Typ

«Diese Musik passt nicht in die Schweiz», denkt er damals. Denn Faber macht groovigen Folk, singt dazu auf Deutsch. Unverwechselbar poetische Texte mit dieser unverwechselbar tiefen Stimme. Wie er zu dieser Stimme gekommen ist? «Wenig Schlaf und viel rumschreien.» Er lacht.

Wüsste man nicht, wie Faber aussieht, man würde sich einen lebensweisen Mittfünfziger vorstellen und keinen 23-jährigen Schlacks, der im Gespräch noch nicht ganz gefestigt wirkt.

Nur die Fluchwörter in den Songs deuten auf eine jüngere Generation hin. «Einer von uns beiden war ein Arschloch – und das warst du» und «Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir?», singt er in «Sei ein Faber im Wind». Tiefe Trauer wird da spürbar, die Fluchworte sind unumgänglich. «In meinem Freundeskreis reden alle sehr wüst, man muss doch nicht immer alles beschönigen», sagt Faber.

Obwohl er während des ganzen Gesprächs kein einziges Fluchwort braucht. Stattdessen kommt er immer dann in Fahrt, wenn es um die Gesellschaft geht, um Politik. Liefert ein ganzes Argumentarium fürs Grundeinkommen und findet: «Meinetwegen kann ein Musiker nur Liebeslieder machen, wenn er darin aufgeht, ist doch toll. Doch ich finde es verwerflich, wenn er politisch nicht Stellung bezieht.»

Knie lädiert, Herz intakt

Faber nimmt Stellung. Im Gespräch und auch in seinen Liedern geht er auf die Weltlage ein. Zwischen den Zeilen ist Gesellschaftskritik zu spüren, sei es in «Wem dus heute kannst besorgen» über einen sexuellen Missbrauch. Oder in «Es könnte schöner sein» über die Unentschlossenheit seiner Generation: «Ihr wärt so gerne VIPs bei der Expo in Beijing. Oder lieber Volunteers bei einem Hilfswerk in Benin», heisst es da.

Faber - So soll es sein. Video: Youtube/FABER

Doch Fabers Lieder drehen sich auch oft um die Liebe. Vor ­allem um die unglückliche Liebe, er suhlt sich darin. «Ich lass dich einfach nicht los. Ich will, doch ich kann nicht» singt er verzweifelt in «So soll es sein». «Ich bin sehr romantisch», sagt er nun, «ich bin auch gern pathetisch, ich finde das geil. Ich möchte alles megafest, megaintensiv.» Nun atmet er aus, das sei anstrengend, ja, aber es müsse so sein.

Und welche Teile des Lebens sind die anstrengendsten? «Alle!» Er lacht. «Aber lieber ein gebrochenes Bein als ein gebrochenes Herz», sagt er dann. Faber, muss man wissen, ist kürzlich mit dem Velo gestürzt, jetzt hat er ein lädiertes Knie, hinkt ein bisschen. Angesichts der Weltlage ein Klacks.

Faber: «Sei ein Faber im Wind», Universal, Live: Gurtenfestival, Do, 13. Juli. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.07.2017, 13:30 Uhr

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