Ein Hauch von Nichts

Soundcheck

Auftritte der Berner Band Darkspace sind rar. Interviews geben die Musiker kaum. Am Samstag spielten sie in Neuenburg.

Sorgt für meditative Erlebnisse: Die Band Darkspace.

Sorgt für meditative Erlebnisse: Die Band Darkspace.

(Bild: Martin Burkhalter)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Neuenburg liegt in nächtlichem Nebel. Schwaden ziehen um das alte Fabrikgebäude des Konzertlokals Case à Chocs. Die mystische Stimmung passt gut zu dem, was drinnen auf der Bühne zu erleben sein wird: Eine geheimnis-, ja sagenumwobene Band lädt zum dunklen, galaktischen Trip, zur Erfahrung der dritten Art. Und das ist auch so gemeint. Haben sich Darkspace doch musikalisch dem Nichts, dem Chaos in den unendlichen Weiten des Weltalls verschrieben und damit ein einzigartiges Genre des Metal geschaffen.

In der hiesigen Szene sind Darkspace seit zwanzig Jahren ein Geheimtipp, im Ausland, vor allem in Ost- und Nordeuropa, aber wahre Heroen – geliebt, verehrt und bewundert. Nur weiss kaum jemand etwas über die Band aus dem Länggassquartier. Das Trio bevorzugt das Zwielicht der Anonymität. So sehr, dass es nicht einmal seine Lieder registrieren lässt, damit die Musiker ihre Namen nicht angeben müssen.

Sie nennen sich Wroth, Zorgh und Zhaaral. Interviews geben sie kaum, ihre Auftritte sind rar, obwohl sie sich von Anfragen kaum retten können. Wenn sie aber irgendwo auftauchen, kommen die Leute in Scharen und von überallher. In der Dampfzentrale zur letzten Plattentaufe waren es 300. Darunter Fans etwa aus Moskau, die nur dafür nach Bern gereist waren.

Dass Darkspace etwas ganz Spezielles bieten, sieht man auch an der Reaktion des Publikums. Mit ihren Lederjacken, den tätowierten Armen und den schweren Schuhen wirken die Leute nicht wie stille Zuhörer. Aber als dann die drei Musiker auf die Bühne treten, setzt eine andächtige Stille ein.

Das Konzert dauert 90 Minuten ohne Unterbrüche, ohne Interaktion mit dem Publikum. Wer keine Erfahrung hat mit Metalkonzerten, ist erst einmal eingeschüchtert. Die Musik ist rau und düster, tönt nach einer monströsen Maschine, die sich durch die Nacht wälzt. Auf den harten Klangteppich aus metaltypischen Powerchords folgen undefinierbare Laute, Frequenzgeräusche. Dazwischen ferne Schreie, bis wieder luzide, bluesige Gitarreneriffs die Stimmung aufhellen, den Nebel lichten. Schon bald verschwindet die Abwehrhaltung, plötzlich rauscht man als Zuhörer mit durch dieses Dunkel. Es wird einem kühl und klar im Kopf, ein wohltuender Hauch von diesem Nichts umschwirrt einen, und man wird ganz leicht.

Trotz dem nun zwanzig Jahre andauernden Erfolg wollen die Gitarristen Wroth und Zhaaral und die Bassistin Zorgh nicht voll auf die Musik setzen, wie sie nach dem Konzert erzählen. Sie bleiben berufstätig und wollen kein Müssen in ihr musikalisches Schaffen einfliessen lassen. Sie nähmen sich Zeit, arbeiteten lange an ihren Alben, feilten an Sets. Mit dem Konzert in Neuenburg begann ihre erste Tour in zwanzig Jahren. Die nächste Station ist Tallinn in Estland. In der Schweiz treten sie erst im Juli wieder auf. In der Rubrik «Soundcheck» berichten wir in losen Folgen über Beobachtungen und Phänomene aus der hiesigen Musikszene.

Berner Zeitung

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