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Ein Blick in die Zukunft des Rocks

Heute Abend tritt die kultige Elektro-Rock-gruppe The Whip aus Manchester in Freiburg auf. Im musikalischen Handgepäck: das aktuelle Album «X Marks Destination».

Aus Manchester zu kommen ist als Musiker nicht gerade einfach. Es bedeutet, an den Schatten der Vergangenheit gemessen zu werden. Immerhin hat diese trübe Stadt im Norden Englands schon den einen oder anderen Act hervorgebracht, dessen Name um die Welt ging. Dazu zählen das Technoduo Chemi-cal Brothers, die Alternative Rocker The Stone Roses oder der Sänger Morrissey, der erst mit The Smiths und später mit seiner eigenen Band internationale Erfolge feierte. Doch nun hat eine neue Truppe das Zepter in Manchester fest im Griff: The Whip.Vor einigen Jahren wars, als sich die beiden Musiker und Songwriter Bruce Carter und Danny Saville im dunklen Übungsraum im Keller eines muffigen Pubs einsperrten, um zusammen wie besessen neue Musik zu schreiben. Raus aus dem UntergrundSo entstanden in endlos langen Sessions Tracks wie das rockige «Trash», das treibende «Dubsex» und der Dancehit «Blackout». Es war Zeit, sich aus dem Untergrund zu begeben und das Werk der Öffentlichkeit vorzustellen. Auf dem Weg ans Tageslicht stolperten Carter und Saville über Fiona Daniel und Nathan Sudders. Ergo beschloss man, fortan als Quartett auf die Bühne zu treten. The Whip war mehr aus Zufall denn aus einem geheimem Masterplan geboren. Trotzdem sollte es nicht lange dauern, bis die Band ihre Heimatstadt mit ihrer Mischung aus Indie, Elektro, Dance und Rock eroberte. Es schien, als hätten die vier Musiker mit ihrer speziellen Stilmélange geradewegs ins Schwarze getroffen, gab es doch nur wenige andere Orte in England, an denen die musikalische Diversität so sicht- und hörbar ist. Schlendert man nämlich durch Manchester, kommt man an Lokalen vorbei, in denen die neue Indiegeneration gegen ein Entgelt von zwei Bieren auftritt. In der gleichen Strasse finden sich traditionelle Pubs, in denen signierte Bilder von Morrissey und den Stone Roses an den Wänden hängen. Am Rande der Stadt schliesslich säumen leer stehende Industriehallen die Landschaft, in denen Ende der Achtzigerjahre zu den neuartigen Klängen des Acid-House illegale Partys gefeiert wurden. Tom Rowlands und Ed Simons von den Chemical Brothers hatten als Teenager an einem dieser zahlreichen Events unter dem Angst einflössenden Namen «237 Turbo Nutters» aufgelegt. Vielfältige LeichtigkeitKein Wunder also, dass sich in The Whips Musik das Erbe der Stadt mit den vielen Gesichtern widerspiegelt. Und dies mit einer selten zuvor gehörten Leichtigkeit, wie die Formation auf ihrem aktuellen Album «X Marks Destination» beweist. Da paaren sich auf «Sister Siam» melodiöse Popspielereien mit Achtziger- Synthiesound und Acideinflüssen. Das Lied «Sirens» hingegen bewegt sich im Bereich des konventionellen Popsongs mit eindringlichem Gesang und hellen Melodien. Auf «Divebomb» wiederum werden The Whip sehr minimalistisch und technoid, reichern das Ganze aber mit gezielt eingesetzten Gesangsfragmenten an. Mit «X Marks Destination» haben The Whip einen Sound kreiert, der schwer einzuordnen ist und vielleicht gerade deshalb ein Publikum weit über Manchester und Grossbritannien hinaus gefunden hat. Auch hier zu Lande schwärmen Musikfans vom innovativen englischen Quartett: Sein Gig am diesjährigen Jazzfestival in Montreux begeisterte schlicht und einfach. Heute Abend sind The Whip erstmals seit jenem Auftritt wieder in der Schweiz zu Gast.

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