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Die vielseitige Globetrotterin aus Australien

Mit einem rein rus­sischen Programm feiert die australische Dirigentin ­Simone Young ihr Debüt beim Berner Symphonieorchester.

Ausgewiesene Spezialistin: Simone Young ist eine in ganz Europa gefragte Dirigentin. Jetzt gibt sie ihr Debüt in Bern.
Ausgewiesene Spezialistin: Simone Young ist eine in ganz Europa gefragte Dirigentin. Jetzt gibt sie ihr Debüt in Bern.
Klaus Lefebvre/zvg

Simone Youngs letzter Besuch in Bern liegt schon länger zurück. «Vor etwa dreissig Jahren kam ich als junge Rucksacktouristin in die Stadt», erinnert sich die Dirigentin. Mit einem Stipendium in der Tasche war die Australierin, die in ihrer Heimatstadt Sydney Klavier und Komposition studiert hatte, damals gerade erst in Europa angekommen.

Als Dirigentin war sie da längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit nur 24 Jahren sprang sie bereits 1985 an der Oper Sydney für einen kranken Kollegen ein. Ihre Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim an der Berliner Staatsoper Unter den Linden und bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth ebnete ihr dann den Weg zu den Podien bekannter Orchester und zu Häusern wie der Opéra national de Paris, dem Royal Opera House Covent Garden in London oder der Metropolitan Opera New York. In Zürich hat sie gerade Beethovens einzige Oper «Fidelio» dirigiert, nächstes Jahr folgt Wagners «Parsifal».

«Für mich gibt es nur gute und schlechte Dirigenten. Jemanden aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft oder seines Aussehens zu beurteilen, finde ich abstossend.»

Simone Young

Zum Dauerbrennerthema «Frau am Orchesterpult», das im vorigen Jahr auch im Fokus des Lucerne Festival stand, mag sich die ehemalige Intendantin und Generalmusikdirektorin an der Staatsoper Hamburg kaum mehr äussern. Bis 2015 war Young in der Elbestadt zehn Jahre in dieser Doppelfunktion tätig. «Für mich gibt es eigentlich nur gute und schlechte Dirigenten», erklärt sie selbstbewusst. «Irgendjemanden in erster Linie aufgrund seines Geschlechtes, seiner Herkunft oder seines Aussehens zu beurteilen, finde ich abstossend.»

1993, als Young mit Giacomo Puccinis «La Bohème» an der Staatsoper in Wien debütierte, nahmen die Wiener Philharmoniker offiziell noch keine Musikerinnen auf. Die langjährige Harfenistin Anna Lelkes, die bei Fernsehübertragungen der Neujahrskonzerte stets ausgeblendet wurde, erhielt erst vier Jahre später als erste Frau in der Geschichte des Orchesters den vollen Mitgliedsstatus.

Und selbst am Pult der demokratisch organisierten Berliner Philharmoniker, bei denen Young ebenfalls schon eingeladen war, sind bis heute selten Frauen zu sehen. Inzwischen hätten es Dirigentinnen und Musikerinnen allerdings wesentlicher leichter als früher, meint sie. «Die Musikwelt hat sich stark verändert, sie ist offener und internationaler geworden.»

Euphorie und Dramatik

Lieber spricht die ausgewiesene Wagner- und Bruckner-Spezialistin jedoch über ihre Projekte als Gastdirigentin, die sie seit ihrem Abschied aus Hamburg um die ganze Welt führen. «In Bern werde ich wieder mit meinem Lieblingspianisten Louis Lortie auftreten. Wir musizieren seit Jahren zusammen, weil wir uns für ein ähnliches Repertoire begeistern können.

Das Klavierkonzert von Peter Iljitsch Tschaikowsky führen wir jetzt aber zum ersten Mal gemeinsam auf. Das wird eine genussvolle Entdeckungsreise werden.» Schon seit ihren Teenagertagen schwärmt Young für dieses Meisterwerk. «Die Musik ist fantastisch, voller Euphorie und Dramatik. Das Konzert dirigiere ich schon seit mehr als zwanzig Jahren, doch jedes Mal stosse ich wieder auf neue Details.»

Schwelgerische Tondichtung

Auch ihre Vorliebe für Alexander Nikolajewitsch Skrjabin, dessen dritte Sinfonie «Poème divin» in Bern zu hören sein wird, hat Young früh entwickelt. «Zuerst habe ich seine Klavierstücke gespielt, später kam ich dann zu den Sinfonien.

Mit der dritten habe ich mich besonders intensiv auseinandergesetzt.» Das «Poème divin» handelt davon, wie sich der Mensch aus religiösen Zwängen befreit und zu einer gottgleichen Existenz findet. «Es besteht ein bisschen die Gefahr, dass man sich hier im Klangrausch verliert.

Da die musikalischen Strukturen aber sehr klar definiert sind, kann ich eine schlüssige musikdramaturgische Linie durch diese schwelgerische Tondichtung ziehen.» Dem Publikum im Kursaal rät die Dirigentin, beim Zuhören der eigenen Fantasie einfach freien Lauf zu lassen.

Konzerte: Sa, 16. 12., 19.30 Uhr und So, 17. 12., 17 Uhr, Kursaal Bern. Öffentliche Diskussion: «Dirigentinnen?», mit Gästen aus Kultur und Wissenschaft. So, 17. 12., 11 Uhr, Foyer des Stadttheaters, Bern.

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