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Die Rodeo Ranchers sagen «Bye-bye friends»

Seit 1984 gibt es die Rodeo Ranchers. Am Samstag spielte die Band zum letzten Mal auf.

Rudolf Burger
Es begann mit einem Englischkurs und endet mit einem Auftritt im Schlossgut: Die Rodeo Ranchers sagen Goodbye.
Es begann mit einem Englischkurs und endet mit einem Auftritt im Schlossgut: Die Rodeo Ranchers sagen Goodbye.
Susanne Keller

Bis auf den letzten Tisch und Stuhl besetzt ist der Schlossgutsaal in Münsingen. Die Rodeo Ranchers nehmen nach fast 35 Jahren Countrymusik Abschied von ihrem Publikum.

Nicht, dass Ursula Hotz, die Frontfrau und das einzige verbliebene Gründungsmitglied, etwa des Musizierens müde wäre. Nein, Hans Holzherr, den Mann am Banjo und an der Pedal-Steel-Gitarre, zieht es nach Thailand, Andreas Schmid, der Schlagzeuger, möchte künftig andere Projekte verfolgen.

«Neben dem Gitarristen Peter Bieri, dem Bassisten Jürg Aebersold und mir nochmals zwei Leute neu einzuarbeiten – das wollten wir nicht mehr auf uns nehmen», sagt Ursula Hotz.

So endet also in den frühen Morgenstunden des 23. Dezember 2018, was im März 1984 begann. Der Mann, der für die Gründung der Band mindestens mitverantwortlich war, ist nicht Teil der fünfköpfigen Band: Paul Hotz, Ehemann der Frontfrau, erhielt in jungen Jahren von der Tante aus Amerika ein Paar Jeans und eine Schallplatte mit Songs von Johnny Cash.

«Ich habe meine Frau zur Countrymusik gebracht», sagt er, «und sie als Erstes in einen Englischkurs geschickt.» Auch Ehemann Hotz stand gelegentlich auf der Bühne, sagt aber, dass er dafür zu wenig gut Gitarre spiele.

Keine Bratwürste in Gstaad

Rund 1500 Konzerte waren es wohl, zu denen die Rodeo Ranchers in den nicht ganz 35 Jahren aufgespielt haben. «Mein liebstes Festival war die Country Night in Gstaad», sagt Ursula Hotz, «da durfte ich einmal mit Tammy Wynette zusammen auftreten.» Gstaad ist bei den Bands aber auch aus einem anderen Grund beliebt. «Da kommen die Leute wegen der Musik, es gibt nur 3000 Stühle, keine Tische, kein Bier, keine Bratwürste.»

Am Schlusskonzert in Münsingen gibt es Tische, Bier und anderes mehr. Doch der Lärmpegel hält sich während der Songs in Grenzen, es wird applaudiert und gelegentlich im Rhythmus geklatscht. Es ist ein vorwiegend älteres Publikum, darunter viele treue Fans der Band, angereist aus der Ostschweiz, aus dem Berner Jura, aus Solothurn.

Gesichtet werden einige wenige Cowboyhüte, einer davon, «vor zwanzig Jahren für 90 Dollar in Wyoming» erstanden, gehört dem Berner Bronco und Musiker Jimy Hofer. «Es gibt halt Perioden, die zu Ende gehen», sagt er zum Abschied der Rodeo Ranchers, «es ist eine gute Band, nicht spektakulär, abersolid.» Aber eigentlich, meint Hofer, sollte man mit Musizieren nicht aufhören, sondern weitermachen, «bis ins Grab».

Zu den Fans gehört auch Ursula Traffelet aus Oppligen. «Ich bin durch diese Band zur Countrymusik gekommen», sagt sie. Und während es die allermeisten im Saal an ihren Tischen aushalten, gehört sie zu den wenigen, die im Foyer tanzen. Ihre Kollegin, Mary Anne Köppel aus Thun, ist vom Dargebotenen nicht ganz so begeistert.

«Countrymusik ist ein bisschen vorbei», sagt sie. Dass die beste Zeit für Country vorbei sei, ist an diesem Abend zwar verschiedentlich zu hören, würde sich aber am grossen Applaus für Songs wie «Jolene» von Dolly Parton oder «Stand By Your Man» von Tammy Wynette nicht ablesen lassen. «Bei dieser Band ist noch Herzblut dabei», sagt Willi Brauen aus Flamatt, ein mit den Rodeo Ranchers befreundeter Musiker.

«S Änd vo üsere Show»

In der Tat hat die Band eine beeindruckende Karriere hingelegt. 1997 wurde sie im deutschen Sinsheim mit dem European Country Music Award ausgezeichnet. «Ursula Hotz hebt ab in den Countryhimmel», titelte diese Zeitung damals. «Ein Jahr später», sagt die Frontfrau, «haben wir in Sinsheim zum zweiten Mal gewonnen.»

Dennoch, den «Traum, von der Musik leben zu können», habe sie nie gehabt, auch wenn es Auftritte in Frankreich, Deutschland, Italien und – auf Ferienreisen – spontan auch in Saloons in den USA gegeben habe. Die Hälfte der fünfzig US-Bundesstaaten hat Ursula Hotz bereist. «Politisch» will sie sich nicht äussern, sagt aber: «Trump gehört sicher nicht zu meinen Favoriten.»

In Münsingen geht es mittlerweile auf Mitternacht zu. «Bye-bye friends, we got to go, das isch s Änd vo üsere Show», wird auf der Bühne verkündet, und das Publikum antwortet mit langen Standing Ovations. Aber es geht noch bis über Mitternacht weiter, jetzt mit befreundeten Musikern, jetzt mit Rock ’n’ Roll. Und (endlich) wird vorne an der Bühne auch ein bisschen getanzt.

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