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Die Never Ending Flitterwochen-Tour

Marty Willson-Piper, Gitarrist der australischen Kultband The Church, gastierte zusammen mit seiner Frau Olivia im Ono.

Samuel Mumenthaler

Dass der Mann auf der Bühne des Ono einst ein Rockstar war, will man zunächst nicht recht glauben. Knapp 20 Leute haben an diesem nasskalten Montagabend den Weg ins Altstadt-Kellerlokal gefunden und werden vom freundlichen Gastgeber mit dem zerknautschten Look persönlich begrüsst.

Doch da ist auch das Paar im Zuschauerraum, ganz nah bei der Bühne: Australier auf Europareise. Als sie erfuhren, dass Marty Willson-Piper in Bern ein Clubkonzert gibt, entschlossen sie sich spontan, dabei zu sein, und flogen extra von Prag ein. Ehrensache also, dass Willson-Piper den Song spielt, für den die beiden – und die anderen Anwesenden – gekommen sind: «Under the Milky Way».

Das Lied brachte der australischen Band The Church im Jahr 1988 den internationalen Durchbruch. Willson-Piper war ihr Gitarrist und sorgte mit seinem Jingle-Jangle-Spiel auf der 12-Saiten-Gitarre für einen prägenden Sound. Ein Sound, der aus der Zeit fiel, so wie sich The Church zwischen die Stühle setzten. Sie waren zu psychedelisch für Popper und zu poppig für Psychedeliker.

Es sind die Spielfreude und der englische Humor, die diesen Abend retten. Marty Willson-Piper stammt ursprünglich aus Liverpool und hat die dortige Gabe mitgenommen, nichts und niemanden ernst zu nehmen, schon gar nicht sich selber. Der Gitarrist erzählt Anekdoten und bezieht das Publikum direkt mit ein: Ob die Schweiz tatsächlich immer noch eine allgemeine Wehrpflicht habe, will er wissen, und wendet sich dann dem Zeitbegriff von Galileo Galilei zu.

Zudem schwärmt der Musikfanatiker, der seit 2013 einen ausufernden Blog betreibt, bewusst uncool von Neil Diamond, Paul McCartney und Peter Frampton, die er trotz ihres Mainstream-Erfolgs als «unterschätzt» einstuft und über deren Alterszipperlein er bestens informiert ist.

«Gibt es eine ‹Switzerland got talent›-Show ?», fragt er dann und wundert sich, dass das Publikum die Frage bejaht. «Wenn Switzerland Talente hat, dann muss das auch für Liechtenstein und San Marino gelten?»

Als Musiker beweist Willson-Piper immer noch Dringlichkeit und Engagement. Er mag ein durchschnittlicher, an Bob Dylan geschulter Sänger sein, doch seine Gitarrenarbeit ist von verblüffender Präzision und seine Songs bleiben clever. Und da ist die Liebe: Der mittlerweile 61-Jährige ist mit seiner talentierten Ehefrau und Violinistin Olivia unterwegs, die ihn auf der Bühne manchmal auch musikalisch in den Schatten stellt.

Das Paar fährt mit dem PW durch Europa, ein paar Gitarren und Geigen im Kofferraum, und macht unterwegs halt in kleinen Lokalen. Eine Art Never Ending Flitterwochen-Tour mit Live-Soundtrack, ein Buskers-Festival aus der Zweierkiste. Nur einmal wirkt Willson-Piper leicht bitter. «Wann hört das endlich auf mit diesem Hip-Hop?», fragt er. «Die ersten Hits hatten sie 1981 – vor vierzig Jahren! Und uns sagten sie damals, dass sie genug vom Uralt-Rock hätten. Dabei waren wir Rocker damals höchstens 15 Jahre dabei.»

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