Zum Hauptinhalt springen

«Das Festival ist eine Sammlung von Ideen»

Der junge Cellist Samuel Justitz ist Initiant und künstlerischer Leiter des Avigdor Classics. Vom 16. bis zum 19. Mai geht das Berner Kammermusikfestival in seine zweite Runde.

Mag den «offenen Geist» in Bern: Samuel Justitz im Progr.
Mag den «offenen Geist» in Bern: Samuel Justitz im Progr.
Christian Pfander

«Solange in Bern nicht jeden Abend ein Kammermusikkonzert stattfindet, hat es noch Platz», sagt er und lacht. Cellist Samuel Justitz ist einer, der der Berner Klassikszene also noch einiges zutraut. Mit seinem Kammermusikfestival Avigdor Classics mischt er dieses Jahr zum dritten Mal als Veranstalter aktiv mit.

In Bern habe er Wurzeln geschlagen, sagt der 30-Jährige, der seit 25 Jahren in der Stadt lebt. Doch sein Berndeutsch ist gefärbt, Samuel Justitz rollt das «r». Das erklärt sich, als er über seine Familie spricht: Die Familie Avigdor, die Verwandtschaft mütterlicherseits, stammt aus dem französischen Sprachraum. Damit wäre auch klar, woher das von ihm initiierte Kammermusikfestival seinen aussergewöhnlichen Namen trägt.

Der Geist einer Grossstadt

Samuel Justitz schloss sein Bachelorstudium auf dem Cello an der Hochschule der Künste Bern ab. Besonders prägend sei danach die Zeit des Masterstudiums gewesen, das er in London absolviert habe. «Die Ausbildung an der Guildhall School of Music and Drama war enorm inspirierend», erinnert er sich.

Justitz schwärmt vom spontanen, unkomplizierten und risikofreudigen Esprit der Grossstadt: «Dort lässt man sich nicht vom bereits vorhandenen Angebot abschrecken, etwas auszuprobieren. Es gibt schliesslich immer noch sehr viele Leute, die man animieren kann.»

Spezielle Konzertformate

Diese Offenheit nahm er mit zurück nach Bern, gemeinsam mit der konkreten Idee, in seiner Heimatstadt ein Kammermusikfestival aufzuziehen. Aber tickt Bern nicht ein bisschen anders als London? Justitz: «Ich finde, in Bern herrscht ein offenerer Geist als beispielsweise in Zürich oder Genf. Hier existieren eine grosse alternative und eine klassische Szene miteinander.» Mit Avigdor Classics wolle er beide Bereiche umspannen, erläutert Justitz.

«Ich würde dasFestival nicht durchführen, wenn wir die Musiker nicht bezahlen könnten.»

Samuel Justitz

«Die Festivalwoche gibt uns diese Chance, auszuprobieren und speziellere Konzertformate zu planen. Das Festival ist eine Sammlung von Ideen.» So erklingen an einem Abend beispielsweise Volkslieder aus Skandinavien in einer kerzenbeleuchteten Krypta, also im kirchlichen Kellergewölbe, während am anderen Abend ein intimes Stubenkonzert stattfindet, wo zur Musik eine Teedegustation geboten wird.

Die Vorteile einer Kleinstadt

Mit der Idee dieses «Thé concertant» sei er einfach mal zur Besitzerin des Längass-Tee-Ladens gegangen, so Justitz, und Katrin Lange habe sich kurzerhand dafür begeistern lassen. Man glaubt ihm sofort, dass er in seiner nonchalanten Art keine Probleme hat, Partner für sein Vorhaben zu gewinnen.

Die Verankerung in Bern sei für das Festival wichtig, führt Justitz weiter aus. So sei ihm beispielsweise auch die Idee der Zusammenarbeit mit lokalen Ensembles wie dem Chor Suppléments Musicaux für das Konzert in der Krypta nahegelegen.

Die Festivalmusikerinnen und -musiker hingegen holt Samuel Justitz aus seinem internationalen Netzwerk nach Bern. Am wichtigsten sei im Grunde, dass die Ensemblemitglieder miteinander harmonierten: «Nebst dem Ziel des hohen musikalischen Niveaus ist mir auch die Stimmung sehr wichtig.

Die intensiven Tage in Bern sollen für die Musizierenden eine schöne Zeit sein.» Auch hierfür kann er sich auf einen grossen Rückhalt in Bern beziehen, denn alle Musikerinnen und Musiker werden privat untergebracht.

Familie für zehn Tage

Während zehn Tagen seien sie also eine grosse Familie: Das organisatorische Kernteam von mittlerweile fünf Personen, die Musizierenden, die Gastfamilien und unzählige freiwillige Hände. Der Löwenanteil der Arbeit wird dabei ehrenamtlich geleistet – aber nicht die Musik. Justitz stellt klar: «Ich würde das Festival nicht durchführen, wenn wir die Musikerinnen und Musiker nicht bezahlen könnten.»

Für seine Planung, die ihn während eines ganzen Jahres vor dem Festival beschäftigt, erhält er nur einen symbolischen Beitrag. Er mache das Avigdor Classics schliesslich nicht, um finanziell davon abhängig zu sein, so Justitz. Aber: «Wenn das Festival dann sein 10-Jahr-Jubiläum feiert, reden wir noch mal darüber.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch