«Bitte werdet laut»

Joaquin Phoenix lernte zu ihrem Cellospiel den Tanz als Joker. Nun wurde Hildur Guðnadóttir für die beste Filmmusik mit dem Oscar ausgezeichnet.

Die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir nimmt den Oscar in der Kategorie «Beste Filmmusik» entgegen. Foto: Keystone

Die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir nimmt den Oscar in der Kategorie «Beste Filmmusik» entgegen. Foto: Keystone

Sie ist die erst dritte Frau in der Geschichte der Academy Awards, die mit einem Oscar in dieser Kategorie ausgezeichnet wurde. Hildur Guðnadóttir komponierte die düstere Filmmusik für Todd Phillips’ Psycho-Comicthriller «Joker».

In ihrer Dankesrede sagte die 37-jährige Isländerin: «An alle Mädchen, Frauen, Mütter, an alle Töchter, die in sich drin die Musik sprudeln hören, bitte werdet laut. Wir müssen eure Stimmen hören.»

Die Dankesrede von Hildur Guðnadóttir. Video: Oscars 2020 (Youtube)

Das Wort «sprudeln» beschreibt ganz gut das Geschenk, das Guðnadóttirs Musik für Todd Phillips gewesen sein muss. An einem Drehtag, an dem der Regisseur und Hauptdarsteller Joaquin Phoenix bei einer Szene nicht weiterwussten, spielte Phillips Phoenix auf seinem Handy das neue Stück vor, das ihm Guðnadóttir geschickt hatte. Phoenix begann, sich zu der gefühlvollen Cellomelodie zu bewegen. Und wurde zum Joker, nicht zuletzt dank seiner musikalischen Königsmacherin.

Hildur Guðnadóttir ist klassisch ausgebildete Cellistin, komponierte bereits für die Tate Modern, das British Film Institute, die königlich Schwedische Nationaloper, nahm Soloalben auf und performte mit international bekannten Bands wie The Knife.

Seit dem vergangenen Oktober steht die isländische Musikerin bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag. Deren Präsident, Clemens Trautmann, sagte über ihre Musik: «Kreativität, Intellekt und Vorstellungskraft zeichnen Hildur Guðnadóttir aus.» Sie überschreite Grenzen als Komponistin, Cellistin und Sängerin.

Todd Phillips war auf Guðnadóttir aufmerksam geworden, nachdem er ihre Filmmusik in der Fortsetzung des Drogenthrillers «Sicario» gehört hatte. Und weil bei Guðnadóttir alles immer einen flotteren Schritt zu gehen scheint, lief auch ihre Arbeit für «Joker» ungewöhnlich ab: Phillips gab ihr das Skript schon vor Drehbeginn, und in Guðnadóttirs Kopf entstanden das unheilschwangere, aber vorsichtige «Defeated Clown Theme», mit zartem Orchester im Hintergrund, und das drängendere, aber ebenso dunkle «Joker Theme».

Für ihren «Chernobyl»-Score erhielt Guðnadóttir einen Grammy. Video: Hildur Guðnadóttir (Youtube)

Bei den Grammys im Januar gewann Guðnadóttir den Preis für die beste komponierte Filmmusik für visuelle Medien für die Miniserie «Chernobyl». Und ist damit die erste Frau, die je in dieser Kategorie alleine – und nicht in Zusammenarbeit – ausgezeichnet wurde. 2020 scheint ganz gut zu laufen für Hildur Guðnadóttir.

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