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Bachs Weihnachtsoratorium mit Bär

Der Berner Münster-Kinder- und -Jugendchor tritt mit dem Orchester Les Passions de l’Ame auf.

Sie überzeugen: 80 Kinder interpretieren hoch konzentriert Bach.
Sie überzeugen: 80 Kinder interpretieren hoch konzentriert Bach.
Franziska Rothenbühler

Draussen tobt der Abendverkauf, überfüllte Gassen, gestresste Gesichter. Von drinnen erklingen helle Kinderstimmen: «Jauchzet, frohlocket!», intonieren sie. Der Berner Münster-Kinder- und -Jugendchor bringt gemeinsam mit dem Orchester Les Passions de l’Ame das bachsche Weihnachtsoratorium zur Aufführung. Die Stimmung ist konzentriert, es sind die Endproben.

Über achtzig Kinder stehen im Schiff des Münsters, die kleinsten kaum Schüler, die grössten bereits junge Frauen und Männer, Letztere haben auch den Stimmbruch hinter sich. Immer wieder wiederholen sie auf Geheiss von Chorleiter und Dirigent Johannes Günther einzelne Passagen, ab und zu gähnt eines der Kinder verstohlen. Es ist auch schon spät.

Zweimal wird der Chor gemeinsam mit dem Berner Orchester für alte Musik das Weihnachtsoratorium aufführen. Am Samstag in der Originalversion, die etwa eineinhalb Stunden dauert, am Sonntag als Familienkonzert in einer leicht gekürzten Version und mit einem Sondergast: Kinderbuchautor Lorenz Pauli.

Er tritt mit Bär, einer Handpuppe, auf, lockert die Stimmung auf, führt die kleinen Zuschauerinnen und Zuschauer an das berühmte Werk heran. Lorenz Pauli soll Berührungsängste abbauen. Oder wie Meret Lüthi, die künstlerische Leiterin von Les Passions de l’Ame, sagt: «Bachs Oratorium ist ein Meisterwerk, ich würde es allen gönnen, wenn sie es kennen würden.»

Sie zeichnet für die gekürzte Version verantwortlich. «Der rote Faden des Oratoriums bleibt», sagt sie. Einzelne Passagen, wie etwa eine lange Arie, in der das Jesuskind schlummert, wurden gekürzt. Möglichst sanft, sodass auch Ersthörerinnen und -hörer einen Eindruck des Werks er­halten werden.

Es ist bereits die dritte Zusammenarbeit des Münster-Kinder- und -Jugendchors mit dem Orchester Les Passions de l’Ame. 2015 stand das gemeinsame Programm unter dem Motto «Sternstunde», 2017 hiess es «Magnum mysterium». «Es ist beglückend, mit den Kindern zusammenzuarbeiten», sagt Lüthi, deren Tochter selber auch im Chor singt. Es seien viele Kinder von Musikern im Chor, «das ist unser klingender Nachwuchs».

Tatsächlich klingt der Nachwuchs an der Probe im Münster beeindruckend, auch nach einer zweistündigen Probe noch konzentriert. Das schwierige Oratorium singen alle Chormitglieder auswendig. Während der Jugendchor den ganzen Part singt, machen die Kleineren noch nicht überall mit. Im Kirchenschiff aber stehen oder sitzen sie immer. Müssen stillsitzen – was vielleicht noch fast schwieriger ist als singen.

Weihnachtsoratorium: Sa, 20 Uhr (ungekürzt); So, 17 Uhr (gekürzt, mit Lorenz Pauli), Berner Münster.

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