«Nicht das Gesicht, die Geschichte zählt»

Seit über 15 Jahren schreibt der Berner Roland Zoss Lieder und Geschichten für Kinder. Und muss sich immer wieder neu erfinden, um dem Zeitgeist gerecht zu werden.

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Martin Bürki@tinubuerki27

Ihre Karriere als Kinderliedermacher begann 1999 mit dem Xenegugeli-Tier ABC, einer Serie, die mittlerweile über 50 Songs umfasst. Am 31. Mai geben Sie nun um 14.30 Uhr in der Französischen Kirche in Bern ein Konzert mit eben jenem Programm. Und dennoch ist es eine Premiere…
Roland Zoss: Ja, das Xenegugeli-Trio tritt erstmals selbst als Veranstalter auf. Sonst lassen wir uns buchen, bringen allenfalls eigene Ausrüstung mit, aber müssen uns nicht um Werbung oder Saalmiete kümmern.

Warum dieser «Schritt in die Selbständigkeit»?
In der Stadt Bern gibt es sonst kaum Kinderkonzertorte. Es gibt Kindertheater oder Märchenstunden zum Beispiel, aber keine Konzerte. Wir haben in der Französischen Kirche diesen schönen Saal gefunden und dachten uns, wir probieren es einfach mal.

Ihr Mut, neue Wege zu beschreiten, zeigt sich auch anhand der ABC-DINO App, die für Smartphones und Tablets verfügbar ist. Wie erleben Sie als alter 68-er den technologischen Fortschritt?
Technologischer Fortschritt ist grundsätzlich gut. Aber ich habe Mühe damit, dass man zu viel zur selben Zeit macht. Man sitzt am Computer, telefoniert und isst vielleicht auch noch. Die Möglichkeiten sind riesig, aber was braucht man wirklich? Von 100 Dingen, die man tun kann, sind vielleicht fünf essentiell. Herauszufinden, welche das sind, ist schwierig. Für Kinder sowieso.

Haben sich denn auch die Kinder entwickelt?
Absolut! Kinder dürfen immer weniger lang Kind sein. Sie werden immer früher gefordert und auf das Erwachsensein getrimmt. Neun- oder Zehnjährige haben früher noch Kinderlieder gehört, heute hören sie in dem Alter schon Erwachsenenmusik.

Das macht Ihre Arbeit nicht gerade einfach…
Ich verdiene immer weniger Geld mit meinen CDs, da ergeht es mir nicht anders als anderen Musikern. Geld verdienen, das geht über Konzerte und Auftritte. Wobei ich das Glück habe, dass sich meine CDs über einen längeren Zeitraum verkaufen. Und nach fünf oder zehn Jahren dann doch noch die Gewinnzone erreichen.

Und die App?
Die schweizerdeutsche und die deutsche Version laufen ordentlich, die anderen Sprachen (französisch, italienisch und englisch) weniger. Mit den aktuellen Einnahmen sind die Kosten bis in 20 Jahren gedeckt (lacht).

Ihre Hoffnung muss ja sein, dass es nicht so lange dauert. Wozu sonst das Ganze? Oder haben Sie den Aufwand schlicht unterschätzt?
Das habe ich. Vor allem die Kosten, bestehende Zeichnungen zu animieren. Ohne Animationen hätte die App nur die Hälfte gekostet. Ich finde, dieses Geschäftsfeld ist total unübersichtlich, so viele ähnliche Apps gibt es. Da habe ich mich wahrlich auf unbekanntes Terrain gewagt.

Stichwort unbekannt: Wie frei können Sie sich in der Öffentlichkeit bewegen?
Es kommt vielleicht ein-, zweimal pro Woche vor, dass mich jemand erkennt. Wenn die Leute realisieren, dass ich der Schöpfer von Jimmy Flitz oder vom Xenegugeli bin, sind sie begeistert. Das ist aber gut so. Als Kind hat es mich auch nicht interessiert, wie Astrid Lindgren aussieht (die Autorin von Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter u.v.m., Anm. d. Red.). Es sind die Geschichten, die zählen, nicht das Gesicht.

Die Musiker, mit denen Sie zusammenarbeiten, können das kaum von sich behaupten. Für die Teile 5 und 6 des Kulturhörspiels mit der Maus Jimmy Flitz, die im September beziehungsweise kommenden Frühling erscheinen, sind dies zum Beispiel Steff la Cheffe (siehe Video unten), Pedro Lenz, Knackeboul oder Anna Murphy von Eluveitie. Wie können Sie diese Musikgrössen jeweils überzeugen?
Indem ich sie oder ihre Manager anrufe und frage. Zu 80 Prozent sagen sie zu. Beim ersten Teil (2007) mit Büne Huber, Marco Rima und Hanery Amman musste ich noch etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten. Für die kommenden Teile sind sogar zwei Personen auf mich zugekommen und haben gesagt, sie wären gerne wieder dabei. Steff la Cheffe ist eine davon. Das zeigt, dass ihr die Arbeit Spass macht.

Mit den neuen Jimmy-Flitz-Teilen und der damit verbundenen Konzerttournee dürften Sie mindestens bis Ende 2016 beschäftigt sein. Und danach? Schliesslich kommen Sie nächstes Jahr ins Rentenalter…
Stimmt, das ist ja schon so weit. Es wird schon speziell sein, wieder jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag zu erhalten. Aber ich werde nie nichts tun können, einfach in der Hängematte liegen. Ich werde nach wie vor auf der Bühne stehen, sei es mit Jimmy Flitz, Xenegugeli oder den Zoss & Bandidos. Mit Kindern zu arbeiten, macht Spass und hält jung.

Steff la Cheffe und ihr Robotersong:


Quelle: Youtube

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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