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Meister der schwarzhumorigen Grausamkeit

Der amerikanische Cartoonist Gary Larson hat, nach 24 Jahren Pause, seine Arbeit wieder aufgenommen.

Der schönste Moment des Morgens bestand darin, im «Far Side»-Kalender nachzuschauen, was Gary Larson wieder gezeichnet hatte. Bis jetzt musste man das im bedauernden Imperfekt schreiben, denn der amerikanische Cartoonist hatte am 1. Januar 1995 abrupt entschieden, seine Arbeit einzustellen. Er fühlte sich ausgelaugt und befürchtete, im Friedhof des Mittelmasses zu enden. Er war 44.

Nicht einmal eine eigene Website war ihm die Mühe wert. Dabei hatte er Erfolg gehabt wie kaum ein anderer in seiner Branche. Als junger Zeichner begann Gary Larson für den «San Francisco Chronicle» zu zeichnen, der seine Cartoons unter dem Titel «The Far Side» publizierte. Immer weitere Publikationen wollten diese auch haben. Während 15 Jahren druckten über 1900 Zeitungen Larsons Zeichnungen ab. Über 45 Millionen Bücher und 77 Millionen Kalender hat Larsen verkauft, inklusive Übersetzungen in 17 Sprachen. In der Schweiz publizierte der «Bund» Larsons Cartoons.

Sein Ruhm nahm bizarre Züge an. Weil er so gerne Forscher zeichnete, aus denen der Wahnsinn loderte oder die Dumpfheit, waren seine Cartoons auch bei Wissenschaftern sehr beliebt. Einige von ihnen benannten neu entdeckte Tiere nach ihm: eine Laus, einen Schwan, einen Schmetterling und einen Käfer. Larson, der sich selber als Umweltschützer bezeichnet, fühlte sich geehrt.

Liebhaber des Absurden

Jetzt hat der 69-Jährige, zur allgemeinen Überraschung, eine Websiteinstallieren lassen, in welcher er viele seiner Cartoons wieder publiziert, dazu auch Entwürfe dafür. Auch neue Zeichnungen stellt er in Aussicht. Thefarside.com ging am Dienstag ins Netz und wurde von der angelsächsischen Presse mit Begeisterung aufgenommen.

Larson ist ein Liebhaber des Grotesken, der Absurdität, der schwarzhumorigen Grausamkeit. Da stehen Kühe im Kreis, essen Rindfleisch, und eine sagt: «Hmmm, interessant. Wir schmecken wie Poulet.» Da stehen Sünder in der Hölle, sie machen gerade Pause, und einer sagt bewundernd: «Der Kaffee ist kalt. Sie haben wirklich an alles gedacht.»

Auch bei Wissenschaftern waren Larsons Cartoons sehr beliebt. Einige von ihnen benannten neu entdeckte Tiere nach ihm.

Dicke Buben machen dumme Sachen, Frauen mit Hornbrille verbreiten schlechte Laune, Männer schauen überfordert, Insekten mit Handtasche reden über ihre Nachbarn, eine Schlange kommt nicht mehr aus dem Laufgitter, nachdem sie das Baby gefressen hat. Krokodile besuchen ein Kinderheim, Ratten halten Fallen für Geschenke, Neandertaler sind überfordert. Drei Teufel lesen die Kummerbox ihrer Insassen und lachen sich halb tot. Das alles sieht viel lustiger aus, als es klingt.

Der Amerikaner aus dem ländlichen Tacoma im Bundesstaat Washington ist ein Autodidakt. Statt sich zum Zeichner auszubilden, studierte er an der Universität von Seattle Kommunikation. Diese praktizierte er dann in einer unüblichen Variante. Larson nennt den «morbiden Humor» seiner Eltern und den «paranoiden Humor» seines Bruders als frühe Inspiration. Er liebt Jazz, spielt Gitarre und Banjo. Seine Frau Toni Carmichael, eine Anthropologin, ist seine Managerin. «Sie ist mein Pitbull, aber ein netter», sagt er über sie. Man fragt sich, wie er sie wohl zeichnen würde.

Hier finden Sie noch mehr Cartoons von Gary Larson.

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