Dieser Picasso hat 25'000 Besitzer

Das Zentrum Paul Klee zeigt «Buste de Mousquetaire». Ein Picasso, der einer Internet-Community mit 25'000 Mitglieder gehört.

Ein Musketier im Besitz der vielen: Die 58 mal 28 Zentimeter grosse «Buste de Mousquetaire» (1968).

Ein Musketier im Besitz der vielen: Die 58 mal 28 Zentimeter grosse «Buste de Mousquetaire» (1968).

(Bild: PD)

Michael Feller@mikefelloni

«Einer für alle, alle für einen»: Der Wahlspruch aus «Die drei Musketiere» des französischen Schriftstellers Alexandre Dumas bestärkt Pfadfinder wie Mannschaftssportler in ihrer Eintracht, und er steht – in Latein – unter der Bundeshauskuppel: «Unus pro omnibus, omnes pro uno».

Auch dem bekennenden Kommunisten Pablo Picasso (1881–1973) hatten es die «Drei Musketiere» angetan. Nach der Lektüre des Romans liess ihn die Figur des Musketiers nicht mehr los, und so entstand 1968 das Gemälde «Buste de Mousquetaire».

Es ist nun im Zentrum Paul Klee zu bestaunen. Wobei das Bild allein nicht eben aufsehenerregend ist, trotz rund zwei Millionen Franken Wert. Interessanter ist die Frage, woher es kommt. Denn das Bild hat 25'000 Besitzer.

Anteile à 50 Franken

Vor zwei Jahren startete die Internet-Community Qoqa.ch eine Aktion: Sie bot ihren Mitgliedern die Möglichkeit, einen oder mehrere Anteile à 50 Franken zu erwerben. Innert 48 Stunden kauften 25'000 Personen die 40'000 Anteile, so war das Geld zusammen, und Qoqa kaufte das Gemälde. Seither läuft das Projekt unter dem Namen «PiQasso». Die Besitzerinnen und Besitzer bestimmen mit, wo das Bild ausgestellt wird. Nach Genf und Antibes ist also Bern an der Reihe.

Einerseits ist «PiQasso» eine ausgefuchste Werbestrategie von Qoqa. Die 2005 von Pascal Meyer gegründete Plattform bietet Luxusartikel zum Schnäppchenpreis an: Da passt ein Picasso für 50 Franken wunderbar ins Konzept, auch wenn es nur ein Anteil ist. Insgesamt sind 600'000 Nutzer registriert. Die meisten von ihnen in der Romandie, in der Deutschschweiz ist die Seite weniger bekannt.

Demokratisierung der Kunst

Andererseits schlagen die Schnäppchenjäger mit der Aktion dem Kunstmarkt ein Schnippchen: Während die Werke einiger grosser Namen an Auktionen absurde Sphären erreichen, um danach in privaten Sammlungen der Superreichen zu verschwinden, gehört die «Buste de Mousquetaire» den Leuten. Die Anteilhaber werden dereinst auch entscheiden, ob das Bild wieder verkauft werden soll. Vielleicht mit Gewinn.

Alle für einen, einen für alle. In diesem Sinn darf das Bild im ZPK gratis bestaunt werden. Die Besitzerinnen und Besitzer haben zudem die Möglichkeit, über eine Webcam den Betrachtern beim Betrachten ihres Bildes zuzuschauen.

3.11. bis 22.3., Zentrum Paul Klee, Bern.

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