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Luzern lockt Roberto Benigni bis Oswald Grübel

Noch ist Locarno nicht zu Ende, schon müssen sich Politiker und Manager für das nächste Stelldichein schön machen. Gestern eröffnete das Lucerne Festival mit zwei Bundesräten und der Schweizer Wirtschaftselite.

Das wichtigste Klassikfestival der Schweiz ist eröffnet: Blick ins KKL Luzern. (Archivbild: Lucerne Festival)
Das wichtigste Klassikfestival der Schweiz ist eröffnet: Blick ins KKL Luzern. (Archivbild: Lucerne Festival)

Die Bundesräte Didier Burkhalter und Moritz Leuenberger waren gestern an der Eröffnung des wichtigsten Klassikfestivals der Schweiz dabei, ebenso wie die Wirtschaftsvertreter Rainer E. Gut (Credit Suisse), Fritz Gerber (Roche) oder Oswald Grübel (UBS). Aus der Kultur warteten der italienische Filmregisseur Roberto Benigni, der Schauspieler Bruno Ganz und der Theologe Hans Küng auf.

Nike Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Leiterin des Kunstfestes Weimar, blickte in ihrer Eröffnungsrede auf die Erscheinungen und Wandlungen des Eros, dem Festivalmotto, in den letzten drei Jahrtausenden zurück - von den Griechen über das Christentum und die Aufklärung bis zur «zeitgenössischen Abkühlung des Eros».

«Liebesgeschichten, Liebespaare», so Wagner, «bevölkerten seit ihren Anfängen das musikalische Theater, aber auch Instrumentalmusik und Liederzyklen sind ohne erotische Inspiration nicht denkbar.» Musik sei denn auch zur Darstellung von Emotionen besonders befähigt.

Kult der Körperlichkeit

Heute bestimmt nach Ansicht der Festrednerin Körperlichkeit die musikalische Szene, massiv über Pop und Rock. Aber auch die «hochkulturelle» Ebene erobere sich den Bezug auf Körperlichkeit zurück - über Experimente der Klangkunst und ihren Kult der Wahrnehmung durch Körper und Haut.

Bezüglich «Fidelio» meinte Wagner, darin werde mit den Erregungsstrategien der Musik die Ehe gefeiert: Inbegriff der Gesittung der Triebe, aber - angesichts der Scheidungsraten - vielleicht ein Traum. Doch dürfe man sich dem Traum vom gebändigten Eros ruhig hingeben, er werde einen doch immer zu treffen wissen.

Und das Publikum der Festivaleröffnung gab sich denn auch prompt dem Eros von «Fidelio»-Interpretation hin und feierte die hochkarätige Interpretation. Unter der souveränen Leitung von Claudio Abbado sang der Arnold Schoenberg Chor, spielten das Mahler Chamber Orchestra und das Lucerne Festival Orchestra.

«Fidelio» halbszenisch

Für die Inszenierung der Beethoven-Oper, in der Gattenliebe über Tyrannei und Terror siegt, liess Claudio Abbado der Regisseurin Tatjana Gürbaca freie Hand. Schon ausserhalb des Konzertsaales konfrontierte sie das Publikum mit einer «Klagemauer»: zahlreiche Porträts mit ausgekratzten Augen.

Im Konzertsaal selbst brachte eine grosse Sonnenkugel - inspiriert von Olafur Eliassons Lichtinstallation in der Tate Moderne in London - Licht und Hoffnung ins Dunkel respektive in den Kerker, in dem Leonores Mann Florestan als politischer Häftling interniert ist.

In «Fidelio» gehe es um die Innenperspektive, um Empfindungen, so Tatjana Gürbaca. «Im Kampf mit den eigenen Schatten begegnen die Figuren ihrer inneren Stimme und lernen, ihre Träume zu formulieren.» Dieser Traum aus einer anderen Zeit sei bis heute aktuell, habe bis heute seine Gültigkeit.

SDA/rb

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