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Der Trommler hat den Wanderer abgelöst

Das Menuhin Festival als Publikumsmagnet auf dem hohen Level halten – das ist eines der Ziele, die sich Aldo Kropf als neuer Präsident vorge­nommen hat. Als Heimweh-Basler geht er eigenen musikalischen Gepflogenheiten nach.

Aldo Kropf ist bereit fürs 61. Gstaad Menuhin Festival und bereit, die Herausforderungen als neuer Präsident anzugehen. Hier steht er neben dem friedhofseitigen Eingang zur Kirche Saanen.
Aldo Kropf ist bereit fürs 61. Gstaad Menuhin Festival und bereit, die Herausforderungen als neuer Präsident anzugehen. Hier steht er neben dem friedhofseitigen Eingang zur Kirche Saanen.
zvg

Er ist Apotheker. Er trommelt gern. Er unterrichtet Studierende der Pharmazie an der Uni Basel. Er ist Mitglied des FC Basel, FCB-Fan und – versteht sich – ein leidenschaftlicher Heimweh-Basler. Kommt hinzu: Er ist ein guter, aufmerksamer Zuhörer. Im Gespräch und wenn er den Tönen nachhängt. Zum Beispiel an einem Konzert in der Kirche Saanen oder im Gstaader Festivalzelt. Oder wenn Christoph Müller, der Intendant von Gstaad Menuhin Festival & Academy, etwas zu seinen Ideen oder zum neuen Programm sagt.

Parallelen zum Vorgänger

Und mit ihm der neue Präsident, der nun Leonz Blunschi abgelöst hat. Das ist Aldo Kropf, den nicht wenige Parallelen mit seinem Vorgänger verbinden. Auch Leonz Blunschi, der 26 Jahre dem Festival vorstand, kam aus einer anderen Gegend der Schweiz (Einsiedeln) als Hotelier nach Gstaad, wie dies Aldo Kropf als Apotheker tat. Er wurde mit seiner Frau, auch einer ausgebildeten Apothekerin, Inhaber der nach ihnen benannten Top­pharm-Apotheke Dr. Kropf (Top­pharm ist eine Genossenschaft unabhängiger Apotheken; siehe auch Kasten).

Auch er wurde wie sein Vorgänger, der seine Bernerhof-Gäste wandernd auf Entdeckungstouren mitnahm (und das jetzt als 75-Jähriger noch immer tut), Gemeindepräsident von Saanen. Von 2009 bis 2015 verschaffte sich Aldo Kropf für dieses Amt Respekt, weil er oft Lösungen erarbeiten und hinstehen musste, um diese zu erklären.

Beruf und Familie litten

Er erlebte eine ereignisreiche, turbulente Zeit und stand ebenso oft wie souverän im medialen ­Fokus. Ob Pauschalbesteuerung reicher Ausländer, ob Spitalfrage, ob Zweitwohnungsinitiative oder finanzielle Sanierung der Bergbahnen: Er war gefordert – und kam mit dem 70-Prozent-Pensum an seine Grenzen. Beruf und Familie litten darunter. Nicht zuletzt deswegen verkündete Kropf Anfang 2015, er wolle frühzeitig Ende Oktober 2015 und nicht erst bei Legislaturende 2016 zurücktreten.

Und jetzt sitzt er also da, im Besprechungszimmer des Festivalbüros an der Belairstrasse 2 eingangs Gstaads – gespannt auf die 61. Festivalausgabe und die Herausforderungen, die ihn und sein Team in Zukunft erwarten. «Ich bin schon vor zwei oder drei Jahren von Leonz Blunschi ange­sprochen worden, ob ich nicht ­seine Nachfolge antreten wolle», sagt Kropf. «Es war mir klar, dass ich das nicht machen kann, so­lange ich auch noch Gemeindepräsident bin. Das hatte aber mit meinem vorzeitigen Rücktritt nichts zu tun. Ich musste mich auch sonst entlasten. Jetzt habe ich mehr Luft, um das Präsidium des Gstaad Menuhin Festival zu übernehmen.»

Seine grundsätzliche Überlegung lautete: «Es ist gut, wenn jemand aus der Region Präsident wird, der auch noch gut vernetzt ist.» Dazu hat er mit 65 Jahren ein ideales Alter mit einem reichen Kompetenz- und Erfahrungsschatz erreicht, um dieser Aufgabe gerecht zu werden.

«Das tolle Niveau halten»

«Ich habe aber das Präsidium nicht übernommen, weil ich eine spezielle Affinität zur klassischen Musik habe. Klar, höre ich gern Konzerte. Aber was das Musikalische betrifft, kann und will ich nicht mitreden. Das ist die Sache unseres Programmverantwortlichen Christoph Müller. Meine Aufgabe ist es, diesen bedeutendsten Grossanlass im Saanenland, der für uns alle lebens­notwendig ist, für die Zukunft ­sichern zu helfen.»

Mit seiner Dauer von gut sechs Wochen «bringt das Gstaad Menuhin Festival viele Leute ins Saanenland. Es wäre schlimm und natürlich unvorstellbar, wenn es weg­brechen würde. Wir haben ein tolles Niveau mit dem Festival erreicht. Das wollen wir halten.» Da sieht er den geplanten Kulturbau Les Arts Gstaad als Chance fürs Festival – «wenn er kommt».

Krisenmanagement ist also grad nicht gefragt. Obwohl Kropf darin Erfahrung hat. Nicht nur als ehemaliges Gemeindeoberhaupt. Schon vor rund 10 Jahren sass er im Verwaltungsrat des Tennis­turniers, als es darum ging, dieses zu retten. Was gelang.

Die grösste Krise des Gstaad Menuhin Fes­tivals geht zurück auf die Jahr­tausendwende, als der damalige neue Intendant und Yehudi-Menuhin-Nachfolger Gidon Kremer fast alles umkrempeln wollte und ökonomisch ein Debakel drohte. Weil Leonz Blunschi damals selbst finanziell bürgte und mit Christoph Müller ein junger Intendant mit überzeugenden Ideen gewonnen werden konnte, erhielt das Festival frischen Wind und neuen Boden unter den Füssen.

«Nicht immer so einfach»

Heute geht es darum, die Finanzierung zu sichern und die Sponsoren, Gönner und Mäzene zu halten. «Das ist nicht immer so einfach», sagt Kropf. Die Verträge mit den Sponsoren sind zeitlich ­limitiert und müssen immer wieder verhandelt werden. Mit Stiftungen und Mäzenen gibt es oft keine Verträge. Hier muss jedes Jahr wieder angefragt werden, ob sie das Festival wieder unterstützen. Die Unterstützung durch das Schönrieder Hotel Ermitage ist für uns sehr wichtig», hält Kropf fest. «Sonst wollen die Sponsoren und Mäzene frei sein, um sich kurzfristig anderweitig einsetzen zu können. Es gibt schon auch Mäzene, welche über mehrere Jahre jeweils ein Konzert mitfinanzieren. Aber man weiss nie, ob sie im nächsten Jahr wieder dabei sind.

Ein Gesetz machts schwerer

Erschwerend für Veranstalter wirkt sich das Antikorruptions­gesetz aus, das es Firmen ver­bietet, geladene Kundschaft mit Geschenken zu kaufen oder einzulullen. Schmieren in irgendeiner Form geht also nicht. «Da merken wir auch, dass Firmen sich zurückhaltend geben, wenn es darum geht, Kunden an Konzerte mit allem Drum und Dran einzuladen», sagt Aldo Kropf. Der Trend laufe heute eher in die Richtung, gezielt ein Konzert zu unterstützen. Oder eine der fünf Akademien (Meisterkurse). «Auch für die Musikvermittlung oder unser neues Digital Festival geben Stiftungen und Privatsponsoren gern Geld aus.»

Bei neuen Projekten hilft auch eine Anschubfinanzierung durch die öffentliche Hand. «Aber die Berner Wirtschaft Beco spricht oft nur zeitlich befristete, höchstens über wenige Jahre währende Beiträge. Dann müssen wir die Finanzierung anderweitig stemmen können.» Aldo Kropf wird es also nicht an Knacknüssen ­fehlen. Dazu braucht er Ideen und Inspirationsquellen. Diese wird er sich als kreativer Apothekergeschäftsmann, Trommler und Dozent bestimmt zu holen wissen.

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