Wenn Geigen tändeln und tänzeln

Das Gaia-Festival lud am Freitag zum Konzertprogramm «Origin» ins Parkhotel Gunten. Violinistin Gwendolyn Masin vereinte darin unterschiedliche Musikkulturen.

Gwendolyn Masin in ihrem Element: Die Soloviolinistin überzeugte mit ihrem Auftritt.

Gwendolyn Masin in ihrem Element: Die Soloviolinistin überzeugte mit ihrem Auftritt. Bild: Christina Burghagen

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Zur Geisterstunde springen Skelette aus den Särgen, führen Veitstänze auf und klappern frech mit den Knochen. Camille Saint-Saëns’ «Danse macabre» beschwört Fantasien im Kopf, die wohliges Schauern erzeugen. Schon die ersten Stücke fesselten die Klassikfans im Saal des Parkhotels. «Nigun» aus «Baal Shem» – drei Bilder aus dem chassidischen Leben – des Schweizers Ernest Bloch lebt von der ekstatischen Melodieführung der jüdischen Melodik, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts mittels geistiger Werte die Seele aus dem Körper befreien soll.

Zu den besten Cimbalom-Spie­lern Ungarns zählt Miklós Lukács, der auf seinem imposanten Ins­trument, einem Hackbrett ähnlich, seine «Bartók-Impressionen» beeindruckend uraufführte. Bei den «Rumänischen Volkstänzen Sz. 68» von Béla Bartók brillierte Festivalgründerin Gwendolyn Masin mit Flageolettspiel in sieben Tänzen, die im Allegro vivace ihren Gipfel finden.

Schweizer Erstaufführung

Wie vortrefflich sich Cimbalom und Streichinstrumente ergänzen, kam bei Maurice Ravels «Tzigane» zum Tragen, mit Alexina Barbe, Priyanka Ravanelli und Léa Valentin an den Violinen. Eine zeitgenössische und bewegte Komposition von Rebecca Clark (1886–1979) für Viola (mit Martin Moriarty) und Cello (Patrick Moriarty) erlebte das Publikum in der Schweizer Erstaufführung von «Grotesque». Der Kontrabassist Massimo Pinca (Jahrgang 1978) präsentierte ebenfalls als Premiere «The Fates» für Streichquartett und Cimbalom – er zeigte mit seinem imposanten Instrument virtuos, welche Soloqualität ein Bass aufweist.

Der österreichische Komponist Fritz Kreisler (1875–1962) verfügte über ein etwas labiles Selbstbewusstsein, schmunzelte Soloviolinistin Masin. Er habe seine Werke oftmals als die berühmter Kollegen ausgegeben. Das gefällige wie melodiöse Werk «La Gitana» passt bestens in ein Wiener Kaffeehaus.

Das Konzertprogramm «Origin» gipfelte in den «Zigeunerweisen», op. 20, von Pablo de Sarasate, die im Moderato über Lento, Un poco più lento bis hin zum Allegro molto vivace von der Hühnerhaut bis hin zu Begeisterungstränen nichts an Wirkungskraft eingebüsst haben, auch wenn der spanische Violinist bei seiner Reise nach Ungarn 1877 das Lied «Nur ein schönes Mädchen gibt es auf der Welt» ungefragt bei einem anderen Komponisten ausgeliehen hatte. Das Werk ist effektvoll, ergreifend, elektrisierend. Und höllisch schwer – aber nicht für Gwendolyn Masin. Das begeisterte Publikum erklatschte sich zwei berührende Zugaben. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.05.2017, 09:55 Uhr

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