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«Und dann verpisst euch»

Zuletzt durfte Ricky Gervais die Golden Globes nicht moderieren, zu böse waren seine Witze. Nun tat er es wieder – und wie!

Pascal Blum
Darf man ja mal sagen: Ricky Gervais moderierte zum fünften Mal die Globes. Foto: Getty Images
Darf man ja mal sagen: Ricky Gervais moderierte zum fünften Mal die Globes. Foto: Getty Images

Wo der britische Komiker Ricky Gervais auftritt, macht er Scherze im zweistufigen Verfahren. In der ersten Phase kommt eine Variation über das Recht auf freie Meinungsäusserung, das die meisten Leute ja sowieso nur vertreten würden, bis sie etwas hörten, das ihnen nicht gefällt.

Damit ist die Grundlage für die zweite Stufe gelegt, in der Gervais sein Grinsen einschaltet und einen besonders bösen Witz bringt, ohne irgendeine Randgruppe zu schonen. So erwischt er sie alle: Wollt ihr etwa sagen, man könne nicht alles sagen?!

Auch seine Moderation der Verleihung der Golden Globes am Sonntag folgte diesem Muster. Immer wieder betonte der Schöpfer von «The Office», dass er die Filmpreisgala in Los Angeles nun zum fünften und letzten Mal moderiere und deswegen ja wohl sämtliche Freiheiten geniessen dürfe. Was darauf folgte, war ein «roast», in dessen Rahmen die ganze Schauspiel- und Regieelite von Hollywood ihr Fett abkriegte.

«Falls ihr heute einen Preis gewinnt, nutzt diese Bühne nicht dazu, über Politik zu reden», sagte Gervais gegen Ende seines Eröffnungsmonologs. «Ihr seid nicht in der Lage, die Öffentlichkeit über irgendetwas zu belehren. Über die Welt da draussen wisst ihr nichts. Die meisten von euch haben weniger Zeit in der Schule verbracht als Greta Thunberg.»

Betretenes Gelächter und Betongesichter. Aber es ging noch weiter: «Wenn ihr also gewinnt, kommt auf die Bühne, nehmt euren kleinen Preis entgegen, dankt eurem Agenten und eurem Gott, und dann verpisst euch, in Ordnung?»

Zu diesem Zeitpunkt hatte Gervais’ Stimme etwas Bebendes bekommen. War ja sein letztes Mal, also konnte er sich noch einmal richtig als Ankläger im Komikergewand gebärden. Als Humorapostel mag Gervais eine Nervensäge sein, seine besten Witze entlarven aber doch eine Unterhaltungsindustrie, die sich in den Widersprüchen scheinbar progressiven Handelns verstrickt. «Wir wollten einen Einspieler zum Gedenken an die Verstorbenen machen», sagte Gervais. «Aber dann sah ich die Liste der Leute, die letztes Jahr gestorben sind, sie war nicht vielfältig genug. Es waren fast alles Weisse.»

Fotos – Die 77. Golden Globes

Renée Zellweger freut sich über ihren Golden Globe als Beste Schauspielerin im Drama «Judy». (05. Januar 2020)
Renée Zellweger freut sich über ihren Golden Globe als Beste Schauspielerin im Drama «Judy». (05. Januar 2020)
Rachel Luna, AFP
Erster Auftritt mit Babybauch: Schauspielerin Michelle Williams gewann einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin einer Miniserie. (05. Januar 2020)
Erster Auftritt mit Babybauch: Schauspielerin Michelle Williams gewann einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin einer Miniserie. (05. Januar 2020)
Kevin Winter, AFP
Regisseur Quentin Tarantinos Film «Once Upon a Time in Hollywood» wird als beste Filmkomödie ausgezeichnet. (05. Januar 2020)
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Paul Drinkwater, Keystone
Tom Hanks gewinnt einen Award für sein Lebenswerk und sorgt für den emotionalsten Moment des Abends. (05. Januar 2020)
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Chris Pizzello, Keystone
Brad Pitt wird als bester Nebendarsteller in «Once Upon a Time in Hollywood» ausgezeichnet. (05. Januar 2020)
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Paul Drinkwater, Keystone
Er blieb Zuhause: Für seine Rolle als Fox-Produzent ausgezeichnet: Russel Crowe als Roger Ailes. (05. Januar 2020)
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JoJo Whilden, Keystone
Die amerikanische Schauspielerin Laura Dern holt die fünfte Golden-Globe-Trophäe in ihrer Laufbahn. (05. Januar 2020)
Die amerikanische Schauspielerin Laura Dern holt die fünfte Golden-Globe-Trophäe in ihrer Laufbahn. (05. Januar 2020)
Paul Drinkwater, Keystone
Überrascht auf dem roten Teppich in Beverly Hills als Geschenk mit Schlaufe: Jennifer Lopez. (5. Januar 2020)
Überrascht auf dem roten Teppich in Beverly Hills als Geschenk mit Schlaufe: Jennifer Lopez. (5. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Jennifer Aniston entschied sich für einen klassischen Look. (05. Januar 2020)
Jennifer Aniston entschied sich für einen klassischen Look. (05. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Die amerikanische Schauspielerin Tiffany Haddish frischte ihr Make-Up auf dem roten Teppich auf. (05. Januar 2020)
Die amerikanische Schauspielerin Tiffany Haddish frischte ihr Make-Up auf dem roten Teppich auf. (05. Januar 2020)
Christopher Polk, AFP
Schauspielerin Salma Hayek erschien in einem figurbetonten Kleid von Gucci. (05. Januar 2020)
Schauspielerin Salma Hayek erschien in einem figurbetonten Kleid von Gucci. (05. Januar 2020)
Kevork Djansezian, AFP
Nicole Kidman flaniert dafür knallrot und schulterfrei über den Teppich. Sie wurde von ihrem Ehemann und Sänger Keith Urban begleitet. (05. Januar 2020)
Nicole Kidman flaniert dafür knallrot und schulterfrei über den Teppich. Sie wurde von ihrem Ehemann und Sänger Keith Urban begleitet. (05. Januar 2020)
Axelle/Bauer-Griffin, AFP
Die Farbe des Abends: Scarlett Johansson erschien ebenfalls in rot und zeigte sich mit Colin Jost vor den Fotografen sehr verliebt. (05. Januar 2020)
Die Farbe des Abends: Scarlett Johansson erschien ebenfalls in rot und zeigte sich mit Colin Jost vor den Fotografen sehr verliebt. (05. Januar 2020)
Axelle/Bauer-Griffin, AFP
Helen Mirren entschied sich für ein bordeauxrotes Kleid. (05. Januar 2020)
Helen Mirren entschied sich für ein bordeauxrotes Kleid. (05. Januar 2020)
Jordan Strauss, Keystone
Ebenfalls in einem dunkleren Ton erschien Schauspielerin Sofia Vergara mit ihrem Ehemann Joe Manganiello. (05. Januar 2020)
Ebenfalls in einem dunkleren Ton erschien Schauspielerin Sofia Vergara mit ihrem Ehemann Joe Manganiello. (05. Januar 2020)
Daniele Venturelli, AFP
Bekannt für seine extravaganten Looks: Die Schleppe des amerikanischen Performer Billy Porter ziert Tausend weisse Federn. (05. Januar 2020)
Bekannt für seine extravaganten Looks: Die Schleppe des amerikanischen Performer Billy Porter ziert Tausend weisse Federn. (05. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Jodie Comer kommt in einem opulenten Kleid aus grünem Satain. (05. Januar 2020)
Jodie Comer kommt in einem opulenten Kleid aus grünem Satain. (05. Januar 2020)
Jordan Strauss, Keystone
Als «Musikerin des Jahrzehnts» durfte auch Taylor Swift bei der Awardshow nicht fehlen. (05. Januar 2020)
Als «Musikerin des Jahrzehnts» durfte auch Taylor Swift bei der Awardshow nicht fehlen. (05. Januar 2020)
Jordan Strauss, Keystone
Schaupieler Ansel Elgort krönte seinen klassischen Anzug mit glitzerndem Eyeshadow. (05. Januar 2020)
Schaupieler Ansel Elgort krönte seinen klassischen Anzug mit glitzerndem Eyeshadow. (05. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Schauspielerin Joey King präsentierte sich in einem Kleid mit schwindelerregendem Muster. (05. Januar 2020)
Schauspielerin Joey King präsentierte sich in einem Kleid mit schwindelerregendem Muster. (05. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Model Winnie Harlow präsentiert ihre langen Beine als sie mit LaQuan Smith über den roten Teppich geht. (05. Januar 2020)
Model Winnie Harlow präsentiert ihre langen Beine als sie mit LaQuan Smith über den roten Teppich geht. (05. Januar 2020)
George Pimentel, AFP
Lucy Boynton und Rami Malek lernten sich bei den Dreharbeiten zum Queen-Film «Bohemian Rhapsody» kennen und lieben. (05. Januar 2020)
Lucy Boynton und Rami Malek lernten sich bei den Dreharbeiten zum Queen-Film «Bohemian Rhapsody» kennen und lieben. (05. Januar 2020)
Jordan Strauss, Keystone
Zoe Kravitz überzeugte mit einem minimalistischen Look. (05. Januar 2020)
Zoe Kravitz überzeugte mit einem minimalistischen Look. (05. Januar 2020)
Jordan Strauss, Keystone
Pierce Brosnan erscheint mit seinen Söhnen Dylan (links) und Paris. (05. Januar 2020)
Pierce Brosnan erscheint mit seinen Söhnen Dylan (links) und Paris. (05. Januar 2020)
Paul Drinkwater, Keystone
Elton John (links) und sein Texter Bernie Taupin erhielten einen Golden Globe für den besten Filmsong. (05. Januar 2020)
Elton John (links) und sein Texter Bernie Taupin erhielten einen Golden Globe für den besten Filmsong. (05. Januar 2020)
Paul Drinkwater, AFP
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Unangenehm wurde der Monolog für Apple-Chef Tim Cook, der sich erst noch freute, dass Gervais die Serie «The Morning Show» auf dem neuen Streamingdienst TV+ erwähnte. Da wollten ein paar Leute schon applaudieren, aber Gervais schnitt sie ab: «Ja, ein ausgezeichnetes Drama, das vom Stellenwert der Würde handelt und gedreht wurde von einer Firma, die Sweatshops in China betreibt.»

Damit zielte der Komiker gegen Schauspieler und Regisseure, die sich neuerdings «woke» geben, aber alle für Riesenkonzerne wie Disney oder Apple arbeiten. Wenn der Islamische Staat einen Streamingservice lancieren würde, würden alle im Saal sofort ihre Agenten anrufen, spottete Gervais, der Mitte Januar mit seinem Stand-up-Programm «Supernature» nach Zürich kommt.

Witze über DiCaprios Liebesleben

Andere Gags richteten sich gegen die anwesenden Schauspielstars im Saal. «‹Once Upon a Time in Hollywood› dauerte fast drei Stunden. Leonardo DiCaprio besuchte die Premiere, und als der Film vorbei war, war sein Date zu alt für ihn.» Lustig fand «Irishman»-Regisseur Martin Scorsese diesen Witz über seine Körpergrösse: «Scorsese hatte gesagt, die Marvel-Filme würde ihn an Vergnügungsparks erinnern. Keine Ahnung, warum er in Vergnügungsparks rumhängt. Er ist ja nicht gross genug, um auf die Bahnen zu gehen.»

Viele Gewinner hielten sich nicht an Gervais’ Mahnung, keine politischen Reden zu halten. Joaquin Phoenix, der als bester Schauspieler im Superhelden-Psychodrama «Joker» geehrt wurde, lobte den Veranstalter für das ausschliesslich vegane Menü, das am Anlass serviert wurde.

Russell Crowe gab aus Australien ein Statement durch, wo er geblieben war, um seine Familie während der Buschbrände nicht allein zu lassen. «Die Tragödie in Australien beruht auf dem Klimawandel», liess Crowe verlesen. Er wurde als bester Hauptdarsteller im Fernseh-Mehrteiler «The Loudest Voice» ausgezeichnet.

Nur zwei Preise für Netflix

In den TV-Kategorien (Film-Gewinner siehe Box) war Netflix mit 34 Nominierungen gestartet, gewann aber nur zwei. Laura Dern wurde als beste Nebendarstellerin im Drama «Marriage Story» geehrt, wo sie eine Scheidungsanwältin spielt, und beste Schauspielerin wurde Olivia Colman als Queen Elizabeth II in der Serie «The Crown».

Die grossartige Serie «Succession» über einen alternden Fernsehmogul und seine ambitionierten Nachkommen wurde als beste Dramaserie ausgezeichnet; Brian Cox wurde zudem bester Darsteller. Beste Komödienserie wurde «Fleabag», zur besten Miniserie wurde «Chernobyl» gekürt. Den Preis als beste Hauptdarstellerin einer Miniserie gewann Michelle Williams («Fosse/Verdon»), und Patricia Arquette wurde für «The Act» zur besten Nebendarstellerin ernannt.

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