Spielberg blitzt bei Oscar-Akademie ab

Netflix & Co. können aufatmen: Die Filme von Streamingplattformen bleiben auch 2020 für die Oscars wählbar.

Hat das Kräftemessen gegen Netflix verloren: Steven Spielberg.

Hat das Kräftemessen gegen Netflix verloren: Steven Spielberg.

(Bild: Tony Avelar (Keystone))

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Die Regel ist simpel: Ein Film muss eine Woche lang mit drei täglichen Vorstellungen in einem Kino von Los Angeles gelaufen sein. Wenn er diese Voraussetzungen erfüllt, dann ist er für die Akademiemitglieder wählbar und kann den Oscar für den besten Film gewinnen. Bei der jüngsten Verleihung im Februar holte dann aber die Netflix-Produktion «Roma» von Alfonso Cuaron zehn Nominationen und gewann drei Auszeichnungen.

Dieser Umstand stiess insbesondere dem Hollywood-Doyen Steven Spielberg sauer auf. Der Regisseur, der im Board of Governors der Akademie sitzt, pochte auf eine Regelverschärfung für Filme, die hauptsächlich auf Streamingplattformen zu sehen sind. «Filme, die symbolisch qualifiziert sind, weil sie kurze Zeit in Kinos liefen, sollten nicht für die Oscars zugelassen werden», sagte Spielberg.

Das Board of Governors hat sich nun aber gegen eine Regeländerung entschieden, was die Oscar-Qualifizierungsphase für 2020 betrifft. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil die amerikanische Justizbehörde davor gewarnt hatte, systematisch bestimmte Marktteilnehmer auszuschliessen. Damit bleibt vermeintlich alles beim Alten. Doch in Wahrheit zeigt dieser Entscheid auch, dass Spielberg den Einfluss von Netflix massiv unterschätzt hat. Der Streamingdienst ist in den letzten Jahren zu einem valablen Arbeitgeber in Hollywood geworden. Viele Mitglieder des Board of Governors haben bereits für Netflix gearbeitet oder sind in aktuelle Netflix-Projekte involviert.

Akademie-Präsident John Bailey betont zwar, dass man «die Veränderungen in unserer Branche genau verfolgen und über den Aspekt der Wählbarkeit auch weiter Diskussionen» führen werde. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass der Einfluss von Streamingdiensten in Zukunft abnehmen wird.

Kleinere Veränderungen hat das Board of Governors in zwei anderen Oscarkategorien beschlossen: Die Kategorie «bester ausländischer Film» wird künftig «bester internationaler Film» heissen und die jeweilige Shortlist von neun auf zehn Werke aufgestockt. Bei der Kategorie «Make-up und Hairstyling» wird es zudem künftig fünf (statt drei) Nominationen geben.

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