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In der Familie

Tag 4: Der Dokumentarfilm «Immer und ewig» und der Spielfilm «Sohn meines Vaters» schöpfen aus dem Privaten.

Dani Levy und Dimitri Stapfer im Spielfilm «Sohn meines Vaters».
Dani Levy und Dimitri Stapfer im Spielfilm «Sohn meines Vaters».
zvg

Nicht selten entdeckt man im Schweizer Film das Allgemeine im Privaten, und wer nach solchen Einblicken in Solothurn sucht, wird dieser Tage in den Kinosälen fündig. Zum Beispiel bei Fanny Bräuning, die sich im Dokumentarfilm «Immer und ewig» ihren Eltern widmet – oder was davon übrig geblieben ist.

Ihre an Multipler Sklerose leidende Mutter fiel vor 20 Jahren ins Koma und ist seither vom Hals an abwärts gelähmt. In einer ihrer frühen Zeichnungsserien sieht man eine Frau, der mit jedem neuen Bild mehr vom eigenen Körper weggefallen ist. Was ihr denn am meisten fehle, wird sie einmal gefragt. «Meine Hände.»

Doch die Mutter lebt nicht etwa im Heim, sondern zuhause, umsorgt von zahlreichen Pflegekräften, Haushaltshilfen und Therapeuten. Und da ist der Vater, der seinen Beruf als Fotograf aufgegeben hat, um sich um seine Frau zu kümmern. Er hat einen Kleinbus behindertengerecht umgebaut, damit man wie früher gemeinsam auf Reisen gehen kann. Und wo dann auch er wieder zum Fotografieren kommt.

Es ist eine permanente psychische und physische Herausforderung, welche die beiden auszuhalten haben. Und einmal, da sagt der Vater auch, dass er den Lebenswillen für zwei aufbringen müsse, sonst ginge das alles nicht. Es sind solche Momente, die den Film aus dem Privaten herausheben. Man könnte höchstens bedauern, dass diese Augenblicke nicht noch öfter aufscheinen.

Unverständnis oder Chaos

In und von privaten Sphären lebt auch der Spielfilm «Sohn meines Vaters» von Jeshua Dreyfus. Es geht da um den jungen Comiczeichner Simon (Dimitri Stapfer), der in einer Identitäts- und Schaffenskrise steckt. Er möchte sich von seinem Übervater Karl (Dani Levy), einem Psychiater und angeblichen Experten in Liebesdingen, lösen und ihm endlich seine Freundin (Miriam Joya Strübel) vorstellen. Doch mit jedem Schritt, den der Junior tut, beschwört er entweder Unverständnis oder Chaos herauf – am meisten dann, als er mit Karls Sekretärin und Geliebter (Katja Kolm) ein Verhältnis beginnt, während sein Vater in den FKK-Ferien weilt.

Dreyfus, der für diesen Film auch aus biografischem Material schöpfte, gelingt mit «Sohn meines Vaters» eine Komödie in gut-jüdischer Tradition. Einige Holprigkeiten abgerechnet steht der Film für eine Altersgruppe, die sich halb naiv, halb gutmütig gegen die Generation Mansplaining aufzulehnen versucht. Aus dieser Konstellation hat der Regisseur für seinen Zweitling eine schöne Portion unterhaltsame Verwirrung gezogen.

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