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Erich Schmids Max Bill

Der Filmemacher Erich Schmid ist mit der zweiten Frau von Max Bill verheiratet. Nun hat er dem Künstler eine filmische Hommage gewidmet.

Die Biografie des 1908 in Winterthur geborenen und 1994 in Berlin verstorbenen Max Bill ist so reich wie sein Schaffen; als Künstler, Architekt und Designer hat er Massgebliches geleistet. Am einflussreichsten war er wohl als Leiter der berühmten Ulmer Schule, die nach dem Zweiten Weltkrieg eine Elite von Gestaltern hervorbrachte.

Der Filmemacher Erich Schmid kam nicht von ungefähr auf die Idee, Bill eine Hommage zu widmen; Schmid ist seit 1998 mit der zweiten Frau und Witwe von Max Bill verheiratet. Angela Schmid Thomas war über zwanzig Jahre mit Bill verbunden; das Paar heiratete Ende 1991. Der Preis für Schmids privilegierten Zugang zu bisher unbekanntem Material ist mangelnde Distanz: Im Film übernimmt Angela Schmid Thomas die dominante Rolle einer Erzählerin. Sie präsentiert Dokumente, Erinnerungen, das nun von ihr und Schmid bewohnte Haus in Zumikon und andere biografisch wichtige Orte. Aufschlussreich Anekdotisches hat ebenso Platz wie Beobachtungen zu Bills Schaffen. Aber das alles bleibt am Ende doch merkwürdig blass und nicht frei von Peinlichkeiten. Diese gipfeln darin, dass Bills Witwe Sonnenblumen an seinem Sterbeort am Flughafen Berlin-Tegel niederlegt und davon berichtet, wie sie illegal seine Asche bei seiner Pavillon-Skulptur in der Zürcher Bahnhofstrasse ausstreute. Die Lebensstationen Bills werden hauptsächlich mit Archivmaterial eingespielt. Nicht alle Zeitzeugen sind so träf wie der Künstler Gottfried Honegger (*1917): «Max Bill ist ein Schöner gewesen, hat das Leben von der vergnügten Seite genommen.» Honegger spricht auch am prägnantesten über Bills Selbstverständnis.

Fragwürdiger Schluss

In Widerspruch zu Bills seinerzeit kämpferischer Modernität steht die vergleichsweise konventionelle Machart des Films. Am schwersten wiegt dabei, dass er sich die Chance vergibt, das Eckige, im guten Sinne Streitbare der starken Figur Bills hervorzutreiben. Stattdessen wird der Künstler schon im Titel «Bill das absolute Augenmass» zu Überlebensgrösse aufgeblasen und mit seinen in vielen Varianten produzierten Endlosschlaufen zum grössten Bildhauer des 20.Jahrhunderts stilisiert, worüber man füglich streiten kann. Dabei wäre der Film sicher lebendiger geworden, wenn nicht nur Bills Parteigänger zu Wort gekommen wären. Besonders fragwürdig erscheint der Schluss, der Bill als moralisierende Instanz gegen das postmoderne Chaos stilisiert. Das reflektiert zu wenig den historischen Kontext seines Wirkens. Bill hätte einen frecheren, kontroverseren Zugang gut vertragen, und der Film hätte davon profitiert.

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