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Endzeitkino, das unter die Haut geht

Es steht nicht gut um die Menschheit: Ein Virus hat in Mathieu Kassovitz’ Science-Fiction-Film «Babylon A.D.» die halbe Welt in ein apokalyptisches Chaos gestürzt.

Das Durcheinander regiert. Und nur die USA, die von einer zwielichtigen Sekte regiert werden, sind bislang von der Seuche verschont geblieben. Entsprechend rigide schotten sich die Vereinigten Staaten von ihren Nachbarn ab. Eine illegale Einreise ist praktisch unmöglich.

Doch genau die soll der Söldner Toorop (Vin Diesel) bewerkstelligen. Vom Unterweltboss Gorsky (köstlich: Gérard Depardieu) erhält er den Auftrag, eine junge Frau namens Aurora (Mélanie Thierry) aus einem Kloster in Kasachstan nach New York zu schaffen. Nicht ganz überraschend erweist sich die «Klientin» als eine hübsche Blondine. Begleitet wird sie von der resoluten Ordensschwester Rebeka (Michelle Yeoh). Unterwegs hetzt das Trio von einer Gefahr zur nächsten. Dabei stellt sich bald heraus, dass Aurora über aussergewöhnliche Fähigkeiten verfügt.

Futuristische Atmosphäre

Muskelmann Vin Diesel («The Fast and the Furious») und die Martial-Arts-erprobte Michelle Yeoh («Tiger&Dragon») verheissen reichlich Action. Regisseur Kassovitz («Die purpurnen Flüsse»), der in Frankreich zur zweiten Generation des sinnesfreudigen «Cinema du look» zählt, und Besson-Kameramann Thierry Arbogast («Das fünfte Element») versprechen visuelle Opulenz. Tatsächlich aber genügen in «Babylon A.D.» einige wenige Sci-Fi-Elemente – ein als Chip implantierter Reisepass und eine scheinbar gewöhnliche Landkarte, deren Papier sich als digitale Oberfläche entpuppt –, um eine stimmige futuristische Atmosphäre zu kreieren. Mit extrem rasantem Schnitt, aber ruhiger Kameraführung treibt der Film das Geschehen voran, das seinen besonderen Reiz weniger aus den tipptopp inszenierten Kampfszenen und Verfolgungsjagden schöpft als aus der geheimnisvollen Ausstrahlung, die Aurora umgibt.

Ordentlich gespielt, setzt «Babylon A.D.» vor allem in den Nebenrollen mit Depardieu und Charlotte Rampling, die als zynische Sektenchefin auftritt, darstellerische Akzente. Vom gehobenen Durchschnitt geradliniger Hollywood-Action trennt die französisch-amerikanische Co-Produktion kaum noch etwas. Das spricht sowohl für als auch gegen den Film. Es spricht gegen ihn, weil es ihm an individuellem Charme, einer künstlerischen Handschrift mangelt. Und es spricht für ihn, weil er hervorragend getimte Unterhaltung bietet.

Rauer Realismus

An «Das fünfte Element» oder gar «Blade Runner», von denen sich Kassovitz und Maurice Dantec, der die Romanvorlage «Babylon Babies» verfasste, offensichtlich inspirieren liessen, reicht «Babylon A.D.» nie heran. Und doch gibt es Szenen, die unter die Haut gehen. Wenn Dutzende Flüchtlinge, für die der Platz nicht mehr ausreicht, vom rettenden U-Boot in die Tiefe gerissen werden und Aurora im Innern des Bootes ausser sich gerät, weil sie «fühlt», wie sie sterben, durchbricht der Film für einen Moment die übliche Actionroutine. Den lyrischen Visionen seiner Vorbilder setzt «Babylon A.D.» einen rauen Realismus entgegen, der zwar nicht für die Kinoewigkeit taugt, aber dennoch seine Spuren hinterlässt.

Der Film «Babylon A.D.» läuft ab Donnerstag im Kino.

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