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Ein Oscar für ein Festessen

Seinen grössten Erfolg feierte der nun verstorbene dänische Filmregisseur Gabriel Axel als 70-Jähriger im Jahr 1988: Damals bekam er für «Babettes Fest» den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film.

Der Film, zu dem Axel auch das Drehbuch geschrieben hatte, war eine Delikatesse, im doppelten Sinn des Wortes: Selten wurde auf der Leinwand so ergriffen gegessen wie hier in einem jütländischen Fischerdorf, wo eine Köchin ihren ganzen Lottogewinn verkochte, um der streng pietistischen, allen leiblichen Genüssen abgeneigten Dorfgesellschaft ein Festessen zu bereiten. Gleichzeitig war dieses kulinarische Fest auch filmisch höchst delikat angerichtet: mit feiner Ironie, mit einer ruhigen, unaufdringlichen Bildsprache, die nicht die Opulenz des Essens, sondern das dabei empfundene Glück ins Zentrum stellte – und mit Stéphane Audran als grandioser Hauptdarstellerin.

Gabriel Axel, geboren 1918 als Gabriel Axel Morch in Aarhus, wuchs in Frankreich auf und kehrte als Erwachsener nach Dänemark zurück. Am Königlichen Theater in Kopenhagen liess er sich zunächst zum Schauspieler ausbilden. Ab 1955 etablierte er sich in Frankreich wie in Dänemark als TV-, Film- und Bühnenregisseur.

Seine frühen Filme sind heute kaum noch bekannt, und auch mit seinen späteren konnte er nicht mehr an den Erfolg von «Babettes Fest» anknüpfen. «Christian» etwa, ein Film über einen Jugendlichen, der aus tristen dänischen Verhältnissen nach Marokko flieht, wurde ein Jahr nach dem Oscar in Venedig gezeigt – und als Enttäuschung abgebucht. Das letzte Mal tauchte Gabriel Axels Name auf, als er 1995 neben Regisseuren wie Claude Lelouch und David Lynch am Kurzfilmprojekt «Lumière et compagnie» teilnahm. Nun ist er 95-jährig gestorben. (suk)

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