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Sie fordert einen Test für die Oscar-Jury

Schauen Akademiemitglieder wirklich jeden Film? Schauspielerin Carey Mulligan verlangt dafür Beweise.

Misstraut der Oscar-Akademie: Die britische Schauspielerin Carey Mulligan. Fotos: Keystone
Misstraut der Oscar-Akademie: Die britische Schauspielerin Carey Mulligan. Fotos: Keystone

«Dieses Jahr gab es etwa 60 Filme mit Oscarpotenzial, aber es besteht keine Möglichkeit, zu prüfen, ob jedes Akademiemitglied auch alle Filme gesehen hat.» Das schrieb der Bestsellerautor Stephen King am Montag in der «Washington Post». King lancierte damit eine alte Diskussion neu: Nehmen die Akademiemitglieder, die ehrenhalber arbeiten, ihre Aufgabe so ernst, wie sie sollten?

Noch einen Schritt weiter geht jetzt die englische Schauspielerin Carey Mulligan, deren jüngster Film «Promising Young Woman» gerade in Sundance Premiere feiert: «Ich frage mich, ob ein System funktioniert, indem man einfach 100 Screener erhält. Vielleicht sollte man nicht wählen dürfen, solange man nicht beweisen kann, dass man jeden einzelnen Film davon gesehen hat. Es sollte dafür einen Test geben.»

Bestsellerautor Stephen King: «Es besteht keine Möglichkeit, zu prüfen, ob jedes Akademiemitglied auch alle Filme gesehen hat.»
Bestsellerautor Stephen King: «Es besteht keine Möglichkeit, zu prüfen, ob jedes Akademiemitglied auch alle Filme gesehen hat.»

Mulligan nennt den Grund für ihren Unmut: «Einige Filme, die dieses Jahr übergangen wurden, sind zweifellos brillant. Zum Beispiel ‹Hustlers›, ‹Little Women› oder ‹The Farewell›.» Zwar hat die Literaturadaption «Little Women» sechs Oscarnominationen erhalten – unter anderem als Bester Film –, Greta Gerwig wurde jedoch in der Kategorie «Beste Regie» übergangen. Die beiden anderen Filme, ebenfalls von Frauen geschrieben und inszeniert, gingen leer aus.

Keine Zeit, um mehr als eine Handvoll Filme zu sichten

Die Diskussion über nachlässige Akademiemitglieder flammte bereits 2014 auf. Damals erzählten zwei Akademiemitglieder der «Los Angeles Times» anonym, dass sie den Oscarsieger «12 Years a Slave» nicht gesehen, aber trotzdem für diesen Film gestimmt hätten. Ein Jahr später publizierte «The Hollywood Reporter» eine Studie, wonach fast 6 Prozent der Akademiemitglieder die nominierten Werke in der Kategorie «Bester Film» nicht gesehen hätten. Laut «Variety» sei von Oscarverantwortlichen hinter vorgehaltener Hand zudem oft zu hören, dass die knapp 10'000 Akademiemitglieder schlicht keine Zeit hätten, um mehr als eine Handvoll Filme zu sichten.

Nun mag die Forderung Mulligans nach einem Oscartest berechtigt erscheinen. Aufgrund der hohen Anzahl an Akademiemitgliedern scheint eine Überprüfung jedoch schwierig, wenn nicht unmöglich. Die Mitglieder haben aktuell noch bis am 4. Februar Zeit, ihre Stimmen abzugeben. Die 92. Oscarverleihung findet am 9. Februar statt.

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