Zum Hauptinhalt springen

Der Kitsch und die Kinder

Die 64. Berlinale geht zu Ende. Die Wirklichkeit in den Wettbewerbsfilmen war oft mörderisch. Doch wenigstens Richard Linklater zeigte in «Boyhood» ein paar ganz normale Menschen.

Es wurde an der 64. Berlinale weiterhin in starken Blutfarben gemalt. In der Erinnerung türmen sich jetzt die Toten und ihre Einzelteile schon zu Bergen; ganz besonders in den Filmen des Wettbewerbs endete die Trübsal der menschlichen Beziehungen leicht tödlich. Das Morden beispielsweise hatte etwas Sportives und moralisch Anstrengungsloses, so, als gehörte es zum guten dramatischen Ton. Die Varietät der Tötungs- und Sterbearten war ebenfalls beträchtlich, sie reichte vom einfachen Würgen oder präzisen Schuss durch Aug und Gehirn über die Häckselung eines Gleitschirmfliegers bis zur Schlachtung mittels eines Schlittschuhs. Fast entstand der Eindruck eines Angebotskatalogs, aus dem auch ein Mitglied der Jury wie Christoph Waltz, der den Tarantino gewöhnt ist, noch etwas lernen könnte.

Denn es geht auf die Verleihung der Bären zu, und man hörte schon die Ansicht, die Originalität des Umbringens und Verreckens von Mensch und Tier müsse eigentlich ein Preiskriterium sein. Hingegen reden wir hier im Ernst von einer starken Dominanz der Blutigkeit und mörderischen Weltdepression, die sich jede zivilisierte Freundlichkeit ästhetisch verboten hat. China hat sich da zweimal ausgezeichnet (im Serienkillerdrama «Black Coal, Thin Ice» von Diao Yinan und in Ning Haos giftiger Groteske «No Man’s Land»), was den Bodycount betrifft, und Griechenland einmal (in «Stratos» von Yannis Economides).

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.