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Das Ende der Originalfassungen

Bald könnten in der Deutschschweiz nur noch synchronisierte Filme zu sehen sein. Dabei hat eine EU-Studie gezeigt, dass untertitelte Filme positiv zur Mehrsprachigkeit beitragen.

Sein Name ist Bond – James Bond (Daniel Craig). Und bald spricht er in den Kinos nur noch Deutsch.
Sein Name ist Bond – James Bond (Daniel Craig). Und bald spricht er in den Kinos nur noch Deutsch.

In Deutschland und Österreich ist es bereits Realität: Kinofilme sind mehrheitlich nur noch in synchronisierter Fassung zu sehen. In der Schweiz gab es lange Zeit ein breites Angebot von Filmen in Originalsprache, versehen mit Untertiteln. Doch diese Zeiten könnten schneller als vermutet vorbei sein, wie das «Migros-Magazin» in seiner heutigen Ausgabe meldet.

Je jünger, desto ausgeprägter die Präferenz für Untertitel

Noch rund 43 Prozent der Schweizer Kinogänger sehen sich Filme in Originalfassung an – 2003 waren es noch 55. Den Grund für diese Tendenz sieht Leo Baumgartner, Geschäftsführer des Filmverleihs Warner Schweiz im jüngeren Publikum mit Migrationshintergrund. Dieses ziehe die Synchronfassung dem Original mit Untertitel vor, weil Lesen ihr Kinoerlebnis trübe, so Baumgartner. Dieser Aussage widerspricht allerdings eine von der EU in Auftrag gegebene Studie zur Bedeutung untertitelter Filme beim Erwerb von Fremdsprachenkenntnisse. Gemäss dieser Studie ist das Gegenteil der Fall: Je jünger die Bevölkerung ist, desto mehr verschiedene Sprachen spreche sie und desto stärker sei die Präferenz für die Untertitelung gegenüber der Synchronisation ausgeprägt.

Tatsache ist jedoch, dass die grossen Kinobetreiber immer mehr Tickets für synchronisierte Kinofassungen verkaufen und damit die Tendenz zum voll synchronisierten Kinoprogramm beschleunigen. Leidtragende sind die Untertitelungs-Firmen. Wie Ronald Ducrest von der in Genf domizilierten Untertitel-Firma Titra bekannt gab, ist der Markt in den letzten fünf Monaten um 50 Prozent eingebrochen. Dafür ist zwar nicht allein die sinkende Nachfrage nach untertitelten Filmen verantwortlich, sondern auch der Trend zur Digitalisierung, der die Untertitelung einfacher gemacht hat. Das hat bei den beiden grössten Schweizer Untertitelungs-Firmen, Cinetyp in Luzern und eben Titra, zu einem empfindlichen Stellenabbau geführt. Cinetyp beschäftigte in den Siebzigerjahren noch 35 Leute, 1999 waren es noch vierzehn, momentan nur noch fünf. Nun rechnet Cinetyp-Chef René Erni laut «Migros-Magazin» damit, dass seine Firma in den nächsten Monaten vor dem Bankrott stehen könnte.

Mehrkosten von 15'000 Franken

Während die kleinen Independent-Kinos an Filmen in Originalsprache festhalten, ist dies für die grossen Kinobetreiber und Verleiher weniger profitabel, als von vornherein die synchronisierte Fassung einzukaufen. Zwar ist die Untertitelung mit der Digitalisierung viel einfacher geworden. Dennoch ist es unter dem Strich immer noch billiger, nur Synchronfassungen anzubieten. 10'000 bis 15'000 Franken spare er pro Filmstart mit einer synchronisierten Fassung, sagt Leo Baumgartner, Geschäftsführer des Filmverleihs Warner Schweiz gegenüber dem «Migros-Magazin». Zwar lässt auch Warner immer noch untertiteln, aber gewisse Filme spielten nicht einmal mehr die Kosten der Untertitelung ein, so Baumgartner. Und je öfter das passiert, desto grösser wird der Druck, auch bei anderen Filmen zu sparen, weshalb die grossen Kinobetreiber immer öfter auf Untertitelung verzichten.

Dabei hat die EU-Studie festgestellt, dass untertitelte Filme einen wesentlichen Beitrag leisten für das «informelle Sprachenlernen». Namentlich entwickeln laut der Studie jene, die mit der Praxis der Untertitelung vertraut sind, schneller Lernstrategien als Lernende, die nur die Synchronisation kennen. Zudem könnten Untertitelungen laut der Studie auch einen integrierenden Effekt auf Menschen mit Migrationshintergrund zeitigen.

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