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«Berlin ist eine Beerdigung»

Schauspieler Shia LaBeouf machte gestern an der Berlinale einen seltsamen Abgang – und trat mit einem Sack auf dem Kopf auf. Es war möglicherweise der Abschluss einer wochenlangen Kunstperformance.

«Ich bin nicht mehr berühmt»: Shia LaBeoufs Auftritt auf dem roten Teppich für Lars von Triers «Nymphomaniac» an der Berlinale. (9. Februar 2014)
«Ich bin nicht mehr berühmt»: Shia LaBeoufs Auftritt auf dem roten Teppich für Lars von Triers «Nymphomaniac» an der Berlinale. (9. Februar 2014)
Keystone
Vor dem Abgang: LaBeouf an der «Nymphomaniac»-Pressekonferenz in Berlin. (9. Februar 2014)
Vor dem Abgang: LaBeouf an der «Nymphomaniac»-Pressekonferenz in Berlin. (9. Februar 2014)
Keystone
Wars das? Der letzte Satz lässt es vermuten.
Wars das? Der letzte Satz lässt es vermuten.
Twitter ShiaLaBeouf/thecampaignbook
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«Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie denken, Sardinen würden ins Meer geworfen.» So antwortete Shia LaBeouf während der gestrigen «Nymphomaniac»-Pressekonferenz an der Berlinale auf die Frage, wie es denn sei, in einem Film mit so vielen Sexszenen zu spielen. Kurz darauf schritt der Schauspieler aus dem Saal.

Nicht nur die Journalisten, auch die Crew war verblüfft: «Offensichtlich ist das Drehbuch vollgestopft mit Sardinen, eine Sardine an der anderen», versuchte Schauspielkollege Christian Slater laut «Hollywood Reporter» die Stimmung im Saal nach LaBeoufs Abgang aufzulockern.

Plagiat um Plagiat

Was auf den ersten Blick schlicht nach einem absurden Auftritt aussieht, ist in Wahrheit ein Zitat: Ursprünglich äusserte der französische Fussballer Eric Cantona den Möwensatz an einer Pressekonferenz; Regisseur Ken Loach integrierte die Szene 2009 in seinen Film «Looking for Eric».

Tatsächlich ist es nicht das erste undeklarierte Zitat, mit dem LaBeouf Schlagzeilen macht – vielmehr scheint der Schauspieler das Plagiieren zu einer Kunstform erkoren zu haben: Nachdem LaBeouf Mitte Dezember seinen Kurzfilm «Howard Cantour.com» im Internet veröffentlicht hatte und bekannt wurde, dass er zu weiten Teilen von einer nicht als Quelle genannten Buchvorlage inspiriert war, reagierte LaBeouf mit einer Reihe ebenfalls abgekupferter Entschuldigungen auf Twitter: So kopierte er etwa Tiger Woods öffentliches Statement nach seinem Fremdgehskandal («Ich habe meine Familie enttäuscht und bedauere dies von ganzem Herzen») und den früheren US-Verteidigungsminister Robert McNamara, als dieser in Bezug auf den Vietnamkrieg äusserte: «Ich habe mich geirrt, furchtbar geirrt. Zukünftigen Generationen schulde ich, zu erklären, warum.»

«Ich bin nicht mehr berühmt»

Die Entschuldigungswelle verebbte mit einem dramatischen Statement LaBeoufs: «Ich bin nicht mehr berühmt», twitterte er am 13. Januar das erste Mal. Seither wiederholt er auf seinem Account nur noch diesen Satz – das letzte Mal nach seinem gestrigen Auftritt in Berlin. «I am not famous anymore» stand auch auf dem Papiersack, den er sich für die Fotografen am roten Teppich über den Kopf gestülpt hatte.

Einen Erklärungsansatz für sein Verhalten lieferte er am 20. Januar ebenfalls auf Twitter unter dem Titel «Twitter As Art» – doch die Statements wurden kurz darauf wieder entfernt: «Mein Twitter-Account ist meta-modernistische Performancekunst. Eine öffentliche Entschuldigung ist nichts anderes als eine performative Wiedergutmachung» hiess es da etwa oder «Meine Twitternutzung löste eine breite und notwendige kulturelle Diskussion über Plagiarismus im digitalen Zeitalter und die Absurdität von Berühmtheit/sozialer Medien aus».

Wenn man seinem Schreiben Glauben schenken will, dürfte La Beoufs gestriger Auftritt in Berlin sein letzter gewesen sein – oder zumindest der letzte seines performativen Alter-Ego: «Die Beerdigung eines Performancekünstlers ist das letzte Werk eines Künstlers vor seinem Abgang. Berlin ist eine Beerdigung. –shia», schrieb er am Schluss.

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