Zum Schreien komisch

Die letzten Filme des Regisseurs M. Night Shyamalan waren superteuer. Preise erhielten sie aber höchstens für die schlechteste Leistung des Jahres. Nun kommt «The Visit» in die Kinos.

Seine schaurigen Filme hinterliessen beim Publikum nicht nur beabsichtigte Fragen: M. Night Shyamalan.

Seine schaurigen Filme hinterliessen beim Publikum nicht nur beabsichtigte Fragen: M. Night Shyamalan. Bild: Keystone

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Er war 29 Jahre alt, als sein Film «The Sixth Sense» (mit Bruce Willis) zum weltweiten Box-Office-Hit avancierte und sechs Oscarnominierungen holte. Seither ist Übernatürliches zum Markenzeichen von Regisseur M. Night Shyamalan geworden. Böse Zungen behaupten: Es ist sein einziges Markenzeichen.

Eine solche Schablonisierung hat sich der indischstämmige Amerikaner selbst zuzuschreiben. Jedenfalls kam weder eine Zusammenarbeit mit seinem Idol Steven Spielberg zustande (für «Indiana Jones 4») noch der Spielfilm «Life of Pi» (wurde von Ang Lee übernommen). Shyamalan blieb der Mann für gepflegtes Schaudern.

Das ging gut, bis der Regisseur mit zuletzt superteuren Filmen wie «The Last Airbender» (2010) und «After Earth» (2013) in den USA scheiterte, vielleicht auch deshalb, weil ihm die Hollywoodstudios den «final cut» nicht mehr erlaubten. Wenn Shyamalan in den letzten Jahren noch Preise erhielt, dann waren es Goldene Himbeeren für die schlechteste Leistung des Jahres.

Aber jetzt kommt «The Visit», ein Low-Budget-Film, den Shyamalan fernab von Hollywood produzierte und aus eigener Tasche finanzierte. Die Geschichte ist simpel: Die 15-jährige Becca und der 13-jährige Tyler sollen wegen Abwesenheit ihrer alleinerziehenden Mutter eine Woche bei den Grosseltern verbringen, die sie noch nie gesehen haben. Doch es dauert nicht lange, bis sich die Alten gespenstisch verhalten, vor allem nach dem allabendlichen Lichterlöschen um 21.30 Uhr.

Dass «The Visit» im Found-Footage-Stil daherkommt (die Teenager nehmen zwecks «Dokumentation» alles mit ihren Kameras auf), ist keine grosse Sache. Umso mehr jedoch, dass es so viel zu lachen gibt, vor allem, wenn der ambitionierte Nachwuchsrapper Tyler die Ausfälle seiner Grossmutter nachäfft.

Da Regisseur M.Night Shyamalan in seinen Filmen regelmässig einen Storytwist einbaut, der alles Geschehene in anderem Licht erscheinen lässt, wurde er oft als «One-Trick-Pony» gescholten. Diese Kehrtwende ist auch in «The Visit» zu finden – so naheliegend, dass sie fast lächerlich wirkt. Aber erstens ist das Simple nie leicht. Und zweitens: Wenn man als Zuschauer nie weiss, ob man losprusten oder kreischen soll, hat man als Regisseur alles richtig gemacht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.09.2015, 13:28 Uhr

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