«Hundekiller» kommt in die Bundesstadt

«Manche Hunde müssen sterben» heisst der erste Langspielfilm des Bieler Regisseurs Laurent Wyss. Donnerstag und Montag läuft er in der Cinématte in Bern.

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Martin Bürki@tinubuerki27

Ein Mann – schlecht rasiert, mit einer Lederjacke, mehr weiss man über ihn nicht – schreitet langsam den Flur eines Hochhauses entlang. Er zögert, klopft aber schliesslich an eine Tür. Ein anderer Mann öffnet sie. Nachdem der Unbekannte gemerkt hat, dass er sich in der Wohnungsnummer geirrt hat, zückt er grimmig eine Pistole und macht kurzen Prozess.

Schon die Anfangsszene hinterlässt den Zuschauer ziemlich rat- und hilflos. Wer ist der Mann, der nur gebrochen deutsch spricht? Wen hat er gerade kaltblütig ermordet? Aus welchem Grund? Und überhaupt: Warum dieser Filmtitel? Nicht auf alle Fragen erhält man im Laufe des düsteren, in schwarz-weiss gehaltenen Thrillers eine Antwort.

Noch dazu hat sich der Killer im Anschluss an die Aktion verletzt – wie? Man weiss es nicht. Mit einem blutüberströmten Bein schleppt er sich durch die Strassen, legt sich unter eine Brücke. Zufällig entdeckt ihn ein Arzt auf dem Weg zur Arbeit. Sein Pflichtbewusstsein gebietet ihm, sich um den Verletzten zu kümmern. Weil dieser wünscht, nicht ins Spital zu gehen und ebenso wenig mit der Polizei zu sprechen, bringt ihn der Arzt in sein Ferienhäuschen.

In der Folge entwickelt sich zwischen dem Arzt, der auf den Namen Fürchtegott hört, und dem Killer eine spezielle Freundschaft. Fürchtegott ist seinen eintönigen Alltag leid, findet den mysteriösen Fremden faszinierend. Seine Frau hingegen traut dem ungebetenen Gast nicht über den Weg. Plötzlich sterben noch mehr Menschen, und das Leben des Doktors, das doch so an Spannung gewonnen hatte, bricht zusammen wie ein Kartenhaus...

Im Interview erzählt der Regisseur Laurent Wyss (siehe Kasten), woher die Idee für den Film stammt, von dem Teile auch in Bern gedreht worden sind, und was er mit seinem ersten Langspielfilm noch erreichen möchte.

Laurent Wyss, wie sind Sie auf diese düstere Geschichte gekommen?
Laurent Wyss: Ich sass am Tisch mit der Familie meiner Partnerin. Ihr Vater erzählte die Geschichte, die er wiederum in Polen hatte erzählt bekommen. Auch wenn ich keine Ahnung habe, ob sie wahr ist, wusste ich sofort, dass sich daraus ein spannender Film machen liesse. Mich fasziniert die absurde Wendung.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Hauptdarsteller ausgewählt? Der Killer, der nur gebrochen deutsch spricht, wird ausgerechnet von Thomas Loosli gespielt, einem Romand...
(Grinst) Ja, das ist tatsächlich interessant. Thomas Loosli arbeitet wie ich bei TeleBielingue, ist dort Moderator. Einmal hat ihn Patrick Fluri (Leiter Technik bei TeleBielingue und Co-Produzent des Films, die Red.) draussen gesehen, mit seiner Pilotenbrille, wie er eine Zigarette raucht. Genau so cool stellte ich mir meinen Killer vor. In einer Art Casting hat er mich dann endgültig überzeugt. Mit Olivier Tilleux, der den Arzt Basil Fürchtegott spielt, habe ich bereits zuvor zusammengearbeitet. Er und Isabelle Freymond, die den Part von Aline Fürchtegott übernimmt, sind auch im richtigen Leben ein Paar. Ich wollte, dass ihre Darstellung plausibel rüberkommt.

Biels Ruf als Hochburg der Sozialfälle ist zweifelhaft. Welches Bild von Biel wollten Sie vermitteln?
Biel liefert die ideale Kulisse: Mit seinen versprayten Wänden und den Hochhäusern steht es für eine finstere Stadt. Gleichzeitig gibt es auch gutbürgerliche Einfamilienhäuser. Aus dieser Schicht stammt der Arzt. So treffen zwei Welten aufeinander. Und den Bielersee sehe ich als Symbol: Er wirkt ruhig, doch unter seiner Oberfläche schlummert Finsternis, genau wie auch in Doktor Fürchtegott.

Der Film spielt aber nicht nur im Seeland...
Nein, tatsächlich nicht. Für die Dreharbeiten auf dem Bahngleis gingen wir nach Huttwil, wo es einen stillgelegten Streckenabschnitt gibt. Allerdings habe ich die Szene fast komplett rausgekürzt. Hätte ich das vorher gewusst, hätten wir wohl nicht den ganzen Weg auf uns genommen (lacht). Und zur Hochhaus-Szene: Das Gebäude steht zwar in Biel, doch für die Passagen im Flur mussten wir nach Bern ausweichen, weil wir in Biel keine Drehgenehmigungen erhalten haben...

Warum das?
Die Liegenschaftsbesitzer hatten wohl Angst, ihre Mieter würden sich durch unsere Arbeit belästigt fühlen.

Dennoch gilt der Film als Bieler Werk. Und er hat ja auch vor allem in der Region Erfolg gehabt. Angefangen mit der Premiere am Festival du Film Français d'Helvétie (FFFH).
Allerdings! Das war das erste Mal, dass ein regionaler Film gezeigt wurde. Zumal er nicht einmal nur französisch ist, sondern bilingue. Auch sonst ist der Film in einigen Kinos in der Umgebung ins Programm aufgenommen worden: Biel, La Neuveville, Tramelan... Vor allem die Welschen scheinen ihn zu mögen. Und ich habe fast ausschliesslich positives Feedback erhalten.

Nun kriegt ihn also das Publikum in der Stadt Bern zu Gesicht: Am Donnerstag und Montag läuft er in der Cinématte.
Für uns ist das ein Glücksfall. Und natürlich erhoffe ich mir, dass der Film dadurch vielleicht noch weitere Kreise zieht.

Sie hatten sich mit «Manche Hunde müssen sterben» auch bei den Solothurner Filmtagen beworben...
Leider haben sie uns abgelehnt. Das hat mich masslos enttäuscht, ich hatte mir wirklich gute Chancen ausgerechnet. Ich würde zu gerne die Begründung kennen. Ob sich jemand den Film wirklich angeschaut hat, oder ob wir einfach zu unbekannt sind. Wir sind ja fast wie aus dem Nichts gekommen, ohne grosse Namen, ohne Verleih im Rücken.

Versuchen Sie es trotzdem noch bei anderen Filmfestivals?
Nach dem FFFH wäre Solothurn der nächste logische Schritt gewesen. Die anderen Filmfestivals in der Schweiz scheinen mir fast schon zu gross. Aber wir werden sehen. Auf jeden Fall probieren wir weiter, verschiedene Kinos davon zu überzeugen, den Film zu zeigen.

Andere Filmprojekte?
Ich werde sicher wieder einmal einen Film drehen, das kann ich nicht sein lassen. Ich habe da auch schon einige Ideen. Aber es ist noch zu früh, mehr zu verraten.


Quelle: Youtube

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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