E.T. wirbt jetzt fürs Internet

Die Kultfigur von Steven Spielberg ist als Werbeträger in der Gegenwart angekommen. Man kann das dem Regisseur übel nehmen.

E.T. und der 10-jährige Elliott (Henry Thomas) in Steven Spielbergs Film von 1982. Foto: Alamy Stock Photo

E.T. und der 10-jährige Elliott (Henry Thomas) in Steven Spielbergs Film von 1982. Foto: Alamy Stock Photo

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Nerviger Advent gefällig? Dann reicht ein kurzer Blick auf E.T., der jetzt in einem vierminütigen Spot für den amerikanischen Internet- und Kabelfernsehanbieter Xfinity als vorweihnächtliche Werbefigur auftritt. Das ist keine Fortsetzung oder Neujustierung wie bei anderen Achtzigerjahre-Klassikern («Ghostbusters»). Steven Spielbergs Filmfigur von 1982 erfährt eine produktorientierte Mini-Fortsetzung und ein Mini-Best-of zugleich.

Und das sieht dann so aus: Nach anfänglichem Angstgeschrei zweier Vorstadtkinder (der hinter einem Schneemann hervorlugende E.T. stimmt kurz mit ein) kommts zur Umarmung mit dem inzwischen erwachsenen Elliott, der erneut von Henry Thomas gespielt wird. «My son, ah, my family» stammelt der Familienvater und zeigt, was sich um ihn geschart hat. Aber es dauert nicht lange, bis die Kids mit ihren BMX-Rädern wieder vor dem Mond durchradeln, wo E.T. dann abermals im Körbchen sitzt. So werden legendäre Filmszenen zur professionell aufbereiteten Bedeutungslosigkeit heruntergedimmt.

«Reconnect for the Holidays» heisst übrigens der Werbeslogan, wobei der Knabe dem Ausserirdischen das Internet erklären soll. Die Handbewegung, mit der er das tut, erinnert freilich mehr an einen Kopfschuss als an Überwältigung. Und nach einem Weihnachtsessen, das nur aus Salat und Süssigkeiten besteht, wird dem bedauernswerten E.T. auch noch eine Virtual-Reality-Brille übergestülpt, worauf ihn ein aggressives «Jurassic Park»-Viech anröhrt.

E.T. und das Product-Placement

Aber, aber, Herr Spielberg! Hatten Sie nicht mal versprochen, dass Sie Ihre eigenen Filmschöpfungen nicht in anderen Werken wiedersehen wollten, weshalb Sie dies vertraglich festhielten? Blöd ist dann halt, wenn das Hollywoodstudio Universal, das damals «E.T.» produzierte, und der werbetreibende Internet- und Kabelanbieter Xfinity inzwischen zum selben Megakonzern (Comcast) gehören. Entsprechende Synergien – sagt man dem noch so? – waren da für die Weihnachts-Werbestrategen zu verlockend. Und zudem soll Spielberg fürs Drehbuch und die visuellen Effekte tatsächlich Inputs gegeben haben.

Nun mag man einwenden, dass das Filmmärchen von 1982 ja auch nicht die Unschuld vom Land, Pardon von der Vorstadt war. Wir erinnern uns: Punkto Product-Placement wirkte «E.T.» wegweisend, um nicht zu sagen penetrant – angefangen von den BMX-Rädern bis zu den Reese's-Pieces-Bonbons. So könnte man festhalten, dass der schrumplige Fremde bei seiner sinnfreien Wiederkehr zwar nicht die Unschuld verloren hat. Das Wesen mit dem Glühfinger ist nun allerdings Teil eines der dreistesten Mash-ups geworden, seit es Weihnachten gibt.

Der Werbeclip mit E.T. Quelle: Xfinity

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