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Gesucht: Die nächste Veronica Schaller

Franziska Burkhardt wäre die naheliegende Wahl als Nachfolgerin der städtischen Kultursekretärin Veronica Schaller. Doch die Konkurrenz ist stark. Steigt die Kulturchefin Basellands aufs Kandidatinnenkarussell?

«Ich möchte mich nicht äussern. Das überlasse ich gerne anderen.» Franziska Burkhardt, Leiterin Atelierhaus Progr.
«Ich möchte mich nicht äussern. Das überlasse ich gerne anderen.» Franziska Burkhardt, Leiterin Atelierhaus Progr.
Valérie Chatelat
«Ich fände die Aufgabe reizvoll. Aber hier steht noch viel Arbeit an.» Esther Roth, Leiterin Kulturabteilung des Kantons Baselland.
«Ich fände die Aufgabe reizvoll. Aber hier steht noch viel Arbeit an.» Esther Roth, Leiterin Kulturabteilung des Kantons Baselland.
zvg
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Will sie oder will sie nicht? Ende April kündigte Progr-Chefin Franziska Burkhardt ihren Job als Leiterin des Berner Kulturzentrums Progr. Schafft sie sich Raum für die nächste Aufgabe als neue Leiterin von Kultur Stadt Bern und als Nachfolgerin von Veronica Schaller, die am 31. Januar 2019 in Pension geht? Der Fall scheint klar.

«Damit man sich für diese ­Stelle interessieren kann, müsste sie erst einmal ausgeschrieben sein», sagte Burkhardt damals. Wenige Tage später publizierte die Stadt das Stelleninserat. Seither äussert sich Burkhardt gar nicht mehr. «Das überlasse ich gerne anderen», schreibt sie auf Anfrage.

Massgeschneidert

Das Inserat tönt wie auf Burkhardt massgeschneidert. Die Stadt Bern sucht «eine sozialkompetente Führungspersönlichkeit mit Fingerspitzengefühl für anspruchsvolle Verhandlungen, hoher Integrationsfähigkeit und offener Kommunikation». Als erstgenannter Aufgabenbereich wird aufgeführt: «Strategien und Konzepte für die städtische Kulturpolitik entwickeln».

Darin kennt sich Burkhardt bestens aus: Sie hat im Auftrag der Stadt die Berner Kulturstrategie 2017–2028 entwickelt – ein Geschäft, um das sich die scheidende Kultursekretärin Veronica Schaller zuvor jahrelang gedrückt hat. Pikant ist, dass an ­erster Stelle gefordert ist, was Schaller oft vermissen liess: Fingerspitzengefühl, Integrationsfähigkeit und eine offene Kommunikation.

Direktbeteiligte berichten davon, dass Schaller ­wiederholt überhart in die Verhandlungen etwa mit dem kantonalen Kulturamt gestiegen ist. Kommunikativ hat Schaller zuletzt rund um die umstrittene, 26 000 Franken teure «Beamtenparty» eine schlechte Figur ab­gegeben. Und von wegen Integration: Für viele Beobachter der Kulturszene hat die Baslerin gar lange gebraucht, um in Bern anzukommen.

Konkurrenz aus Basel?

Franziska Burkhardt scheint also als eine Art Gegenentwurf zu Veronica Schaller ins Rennen zu gehen. Gegen sie spricht, dass sie selbst Teil des Berner Kulturkuchens ist und die städtische Szene fast zu gut kennt, also kaum ­frischen Wind verspricht. Andererseits ist sie nicht die Einzige, die sich für die Aufgabe eignen würde.

Die härteste Konkurrenz kommt, ausgerechnet, wieder aus Basel. Besser gesagt aus Liestal. Dort arbeitet Esther Roth (37) als Leiterin der Kulturabteilung des Kantons Baselland. Als sie vor zwei Jahren in den bürgerlich geprägten Halbkanton kam, musste sie als Erstes 800'000 Franken einsparen in der Kulturförderung.

Wer Abstriche verkünden muss, macht sich unbeliebt – in der Regel. Doch Roth hat von links bis rechts Akzeptanz geschaffen für die Anliegen der Kulturschaffenden und der Kulturveranstalter des Landkantons.

Vor ihrer Tätigkeit hat sich Esther Roth bereits als Networkerin und Kulturförderin in der Szene einen Namen gemacht. Etwa als Präsidentin des Kleinkunst-Branchenverbands KTV und Leiterin für politische Geschäfte des Musikerinnen-Fördervereins Helvetiarockt.

Auf Anfrage verhehlt Roth nicht, dass sie das Berner Kultursekretariat «grundsätzlich reizvoll» finde. Allerdings stehe bei den Verhandlungen um die gemeinsame Kulturfinanzierung beider Basel dieses Jahr noch sehr viel Arbeit an. Ein Nein ist das nicht.

Oder doch von Greyerz

Schon seit längerem wird Nicola von Greyerz (44), SP-Grossrätin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bern, als mögliche Nachfolgerin gehandelt. Die Berner Kultur kennt sie gut: Als Präsidentin des Vereins Dampfzentrale Bern mit diversen weiteren Mandaten kennt sie die Kulturpolitik.

Wie bei Franziska Burkhardt könnte ihre Verwurzelung im Kulturkuchen auch negativ ausgelegt werden. Auf Anfrage klingt Nicola von Greyerz aber durchaus interessiert am Posten an der Spitze von Kultur Stadt Bern und schliesst eine Bewerbung nicht aus. «Ich überlege es mir», sagt sie.

Ebenfalls eine valable Kandidatin wäre Marianne Flubacher (52). Seit knapp sechs Jahren leitet sie die Thuner Kulturabteilung. In Thun wird sie als aktive und umsichtige Kulturförderin und erfolgreiche Vermittlerin wahrgenommen. Wäre Bern nicht ein verlockender Schritt? «Dazu möchte ich mich nicht äussern», sagt sie auf Anfrage.

Kretz will nicht

Unmissverständlich äussert sich nur eine, die immer wieder als potenzielle Kandidatin gehandelt wurde. Sie will nicht. Nicolette Kretz (40), Chefin des Theaterfestivals Auawirleben. «Ich würde mir die Aufgabe zutrauen. Aber im Moment ist das Festival zu spannend», sagte sie kürzlich gegenüber dieser Zeitung.

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