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Gendern auf Englisch

Bei uns will der Sprachfeminismus das Geschlecht markieren. Für Engländer ist gerade das sexistisch, erfahren wir aus einem neuen Buch.

Wie die Engländer ist auch Martin Ebel nicht sonderlich angetan vom Gendern. (Video: Anthony Ackermann, Sacha Schwarz)

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Herzlich willkommen zum guten Deutsch in aller Kürze. Die Sprachsprechstunde geht auf ihr Ende zu, und da will ich noch einmal eins meiner Steckenpferde reiten. Sie wissen, dass ich dem sogenannten Gendern mit Skepsis gegenüberstehe, also der Vorgabe, bei jeder sprachlichen Äusserung akribisch darauf zu achten, Männer wie Frauen explizit und gesondert zu benennen, unter der für mich irrigen Annahme, sie fühlten sich sonst nicht mitgemeint.

Ich will meine Argumente dafür nicht mehr wiederholen, es ist längst eine Glaubensfrage geworden, oder mit anderen Worten: Ideologie. Ein Buch der deutschen Autorin Nele Pollatschek hat mir kürzlich einen anderen Zugang zum Thema eröffnet. Sie erzählt darin von ihren Erfahrungen auf englischen Elite-Universitäten, es heisst deshalb auch «Dear Oxbridge». Ein Kapitel behandelt den Umgang der Engländer mit dem Genderthema. Und kommt zu überraschenden Befunden.

Während man hier das Geschlecht in Berufsbezeichnungen markiert – die Bäckerin, die Schauspielerin –, empfänden Engländer das als sexistisch. «Actor» sei eine umfassende, «actress» eine abgeleitete, fast minderwertige Bezeichnung. Die berühmte amerikanische Schauspielerin Whoopie Goldberg wird zitiert mit dem Satz: «An actress can only play women, I am an actor, I can play anything». Und natürlich waren Margaret Thatcher und Theresa May «Prime Minister», nicht «Ministress».

Ausserdem, so fragte die Autorin ein englischer Professor, wenn man die Geschlechtszugehörigkeit markieren müsse, warum dann nicht auch Rasse, Alter, Gewicht? Ein bedenkenswerter Ansatz, finde ich, der in die entgegengesetzte Richtung geht wie der immer engere, immer zwängendere Genderzwang.

Den kann auch die Sprachsprechstunde nicht aufhalten. Aber denken Sie mal darüber nach. Sprache ist schliesslich unser Schatz, hüten und pflegen wir sie!

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