«Vor dem Fondue sind wir alle gleich»

Müslüm erhält beim SRF ab April eine eigene Sendung. Sein Schöpfer Semih Yavsaner erklärt im Interview, warum die Schweiz «Müslüm Television» braucht. Und weshalb die Show nicht für Schweizer, sondern für Menschen ist.

Er kam, sah und liebte: Müslüm wird ab April beim SRF seine eigene Sendung haben.

Er kam, sah und liebte: Müslüm wird ab April beim SRF seine eigene Sendung haben.

(Bild: Keystone)

Christian Häderli@ChriguHaederli

Ab April werden Sie mit «Müslüm Television» beim SRF eine eigene Show erhalten. Was erwartet den Zuschauer?
Das, was entsteht, wenn man keine Erwartungen hat. Sein in seiner schönsten Form. Grosszügig, aber kompromisslos.

Um was geht es inhaltlich?
Müslüm erhält ein Mandat, für Menschen in der Schweiz Fernsehen zu machen. Er lebt sich in die Medienwelt ein. Mit aller Naivität stürzt er sich ins Unterfangen, Leute zusammenzubringen. Es wird kein Pointen-Festival geben, sondern ein total neues Format. Müslüm will erleben, wie es ist, wenn er seine eigene TV-Station über den Staatssender verbreiten kann. ‹Er kam, sah und liebte› würde Müslüms Agieren in seiner Sendung am ehesten auf den Punkt bringen.

Warum sollte man sich «Müslüm Television» unbedingt anschauen?
In der Serie trifft der Zuschauer das an, was er wegen seines iPhones im Leben verpasst.

Was verpasst er denn?
Würden die Leute schauen, was um sie herum passiert, würden sie nicht immer nur das eigene Ego streicheln, sondern die Realität erleben.

Wird Politik in der Show ein Thema sein?
Politik ist auszuschliessen, «Müslüm Television» ist alles andere als Politik. Politik ist ein Verwässern von individuellen Gedanken. Sie ist einer Norm unterworfen, einer Sprachkultur. Müslüm hingegen will einfach echt sein. Er will eine unkonventionelle Art von Unterhaltung bieten.

«Giacobbo/Müller» wird Ende 2016 abgesetzt. Kann Müslüm einen würdigen Ersatz bieten?
Ich bin nicht Giacobbo und nicht Borat. Eigentlich wird die Absicht, Mensch zu sein, heute schon als witztig empfunden. Darum fällt es Müslüm auch so leicht, zu sein. Müslüm will einfach Teil der Schweiz sein, eine Selbstverständlichkeit an den Tag legen. Ich möchte nicht auf aktuelle Tagesthemen eingehen und diese recyclen.

Wird Müslüm im Fernsehen auch singen?
Vorläufig noch nicht. In späteren Staffeln könnte dies aber durchaus der Fall sein.

Wer ist das Zielpublikum Ihrer Sendung?
Menschen. Ich unterscheide nicht zwischen Schweizern und Ausländern. Ich habe selber einen C-Ausweis. Ein Baum, der irgendwo wächst, muss sich nicht erklären. Vor dem Fondue sind wir alle gleich.

Welches Alter möchten Sie denn ansprechen?
Ich sehe das jeweils an meinen Konzerten: Mein Publikum ist ein demographisches Weltwunder. Vorne an der Bühne stehen vierjährige Kids, irgendwo in der Mitte sind die Hipster und die Hippies, hinten links stehen der Chefarzt vom Inselspital und der Banker. Kurz gefasst: Ich arbeite nicht auf ein klares Zielpublikum hin.

Haben Sie vom SRF inhaltlich Vorgaben erhalten?
Nein. Das SRF hat mich für diese Sendung angefragt im Wissen darum, was für eine Art von Humor die Figur Müslüm hat. Zu den ersten Folgen habe ich bis jetzt durchwegs positive Rückmeldungen erhalten.

«Müslüm Television» ist eine von drei neuen Comedy-Formaten, die bei SRF im kommenden April auf Sendung gehen. Nebst dem Berner Comedian werden auch der Luzerner Unterhalter Dominic Deville sowie die Komiker Anet Corti und Michel Gammenthaler eine eigene Sendung erhalten. Sendeplatz der neuen Shows ist Freitagabend, 23.45 Uhr.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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