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Vergewaltigungen und Verbrennungen am Laufmeter

Die zwei beliebtesten TV-Serien der Gegenwart, «Game of Thrones» und «The Walking Dead», werden immer brutaler. Nun regt sich bei Zuschauern und Kommentatoren Widerstand.

Zu brutal? Umstrittene Szenen in «Game of Thrones» und «The Walking Dead».

+++ Spoiler-Warnung: Dieser Artikel enthält Plot-Beschreibungen aus der aktuellsten US-Austrahlungen von Folgen der Serien «Game of Thrones» und «The Walking Dead» +++

Die US-Serie «Game of Thrones» ist das TV-Ereignis schlechthin. Weltweit verfolgen Millionen jede Woche die neuste Folge der Machtkämpfe im fiktiven Königreich von Westeros. Das Erfolgsgeheimnis von «Game of Thrones» sind eine komplexe Handlung, ein hochkarätiges Schauspieler-Ensemble und überraschende Wendungen sowie politische Bezüge zur Gegenwart. Ein weiterer Grund für die Popularität sind explizite Darstellungen von Sex, Gewalt oder eine Mischung dieser Elemente. Für viele Zuschauer ist nun allerdings die Grenze des Zumutbaren erreicht. In der letzten Folge, die am Montagabend auch in der Schweiz ausgestrahlt worden ist, wurde ein Mädchen lebendig verbrannt, von seinen eigenen Eltern:

Die Szene reiht sich in eine Folge von grenzwertigen Gewaltdarstellungen ein, die in den letzten Monaten in amerikanischen TV-Serien zu sehen waren. Eben erst vor zwei Wochen kam es in «Game of Thrones» zu einer Vergewaltigungsszene:

Nun regt sich Widerstand, weltweit empören sich Kommentatoren und Zuschauer in Blogs, bei Facebook und Twitter darüber. Sie warnen, dass die gezeigte Brutalität – vor allem gegen Frauen – die Zuschauer abstumpfen lasse. In der Kritik stehen vor allem die Serien «Game of Thrones» und «The Walking Dead», deren neuste Folgen weltweit von jeweils 50 Millionen Menschen gesehen werden.

Nun ist die Gewalt-Debatte im Film an sich nichts Neues. Horrorfilme, Gangsterfilme oder gar das südkoreanische Drama «Pietà», das in Venedig einen Goldenen Löwen gewann, zeigen brutale, sadistische Gewalt. Bloss handelt es sich dabei um Genre-Filme – besagte TV-Serien sind ein Mainstream-Vergnügen. Ob die Szenen dramaturgisch gerechtfertigt sind, darüber lässt sich streiten (siehe unten). Sicher ist, dass sie durch das Wegfallen von Zensurauflagen möglich sind, weil die Produzenten von «Game of Thrones» oder «Walking Dead» private Bezahlsender sind.

Und so verwandeln sich in «The Walking Dead» Kinder in Untote, Menschen werden zu Kannibalen. Auch nach vier Staffeln fallen den Machern immer wieder neue Varianten ein, wie und wo Zombies Menschen attackieren können: in Liftschächten, unter Wasser, in Toiletten. Jüngst musste eine Episode für die Ausstrahlung im deutschen Sprachraum geschnitten werden. Die Originalfassung sei «schwer jugendgefährdend». Gezeigt wurde, wie eine eigentlich sympathische Hauptfigur ein psychisch verwirrtes Mädchen hinrichtete, weil dieses «eine Gefahr für die Gesellschaft darstellte».

In «Game of Thrones» wiederum war zu sehen, wie mehrere Männer in einer einsamen Schutzhütte in Gruppen junge Frauen vergewaltigen. Noch mehr Anstoss erregte vor einem Jahr eine Episode, in der ein Geschwisterpaar am Totenbett ihres inzestuösen Kindes Geschlechtsverkehr hat. Dabei drängt der Bruder die Schwester trotz mehrfachen Protestes ihrerseits zum Sex. Solche Szenen, sagen die Kritiker, lasse Gewalt immer mehr zu einem «Hintergrundrauschen» verkommen.

Robert Kirkman, der Zeichner der «Walking Dead»-Comicvorlage, bestreitet dies gar nicht erst. «Die Zombies sind bloss Hintergrundmusik», sagt er in einem Interview. «Sie geben dem Drama Spannung, aber wichtig ist, was mit den Menschen und ihren Beziehungen zueinander im Angesicht des Grauens passiert.»

Auch George R. R. Martin, Autor von «Game of Thrones», verteidigt die Gewaltszenen. Gegenüber der «New York Times» sagte er, dass es «Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt in jedem Krieg der Geschichte gab, von den alten Sumerern bis zum heutigen Tag». Er fühle sich berufen, Geschichte und die menschliche Natur wahrheitsgemäss wiederzugeben, so Martin. «Diese Aspekte bei einer Geschichte über Krieg und Macht auszulassen, wäre falsch und unehrlich», so Martin. «Es hätte ein zentrales Thema des Buches missachtet: dass das wahre Grauen in der Menschheitsgeschichte nicht von Orks und dunklen Herrschern herrührt, sondern von uns selbst.»

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