Silikon im Busen, Schmetterlinge im Bauch

Die Zürcher Fitness-Influencerin Andrina Santoro sucht als neue Bachelorette die Liebe ihres Lebens.

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Michèle Binswanger@mbinswanger

Sie hat künstliche Wimpern, tätowierte Augenbrauen, operierte Brüste und kein Problem damit. So gehört sich das heute für eine richtige Influencerin, denn das höchste Glücksgebot der Stunde lautet, mit sich und seinen Lebensentscheidungen im Reinen zu sein. Das scheint Santoro gelungen zu sein. Unzählige Stunden harte Arbeit hat sie in ihren Fitnesskörper investiert, lässt sie ihre Fans auf ihrer Homepage wissen, stolz präsentiert sie ihn auf Instagram vor immer neuen Hintergründen in immer gleichen Posen. Damit ist die 26-Jährige auch bestens für das TV-Spektakel gewappnet, das in den kommenden Wochen die Schlagzeilen der Boulevardpresse beherrschen wird: 21 muskelgestählte Recken werden jeweils montagabends um ihre Gunst buhlen, bis nur einer übrig bleibt.

Doch es ist noch nicht lange her, da hätte der Traum vom perfekten Körper Santoro beinahe das Leben gekostet. 2015 nämlich war sie noch eine ehrgeizige Bodybuilderin. Während der Vorbereitung auf eine Fitnessmesse hatte sie plötzlich Atemprobleme und ging zur Kontrolle ins Spital. Die Ärzte diagnostizierten eine Lungenentzündung und verschrieben verschiedene Medikamente, die aber einfach nicht anschlagen wollten – vermutlich eine Folge der Steroide, welche Santoro damals auf Anraten ihres Freundes schluckte. Als zum Lungeninfekt auch noch eine Entzündung des Herzbeutels und Darmprobleme hinzukamen, wurde sie ins künstliche Koma versetzt und erst nach zwei Wochen zurückgeholt.

Nach diesem Erlebnis beschloss die junge Frau ihr Leben zu ändern, machte mit ihrem damaligen Freund und den Steroiden Schluss und verlegte sich von Bodybuilding auf Fitness und Facebook – der Anfang ihrer Influencer-Karriere. Heute setzt sie voll auf «Gesundheit» und «Selbstliebe» – und dabei scheint das Geschäft so gut zu laufen, dass sie ihren KV-Job in einem Zürcher Grossraumbüro aufgeben und sich selbstständig machen konnte.

Die üblichen Plattitüden

Auch wenn ihr Engagement als neue Bachelorette vornehmlich als Marketingmassnahme für die Influencer-Karriere zu verstehen sein dürfte, versorgt sie die Presse mit treuherzigen Statements zur Sendung. Die Dreharbeiten in Südafrika seien «mega aufregend» gewesen, mit «prickelnden Dates in luftiger Höhe» und «intensiven Gesprächen an wunderschönen Stränden». Und ja, sie sei verliebt, berichtete die Bachelorette, nur wer der Glückliche ist, weiss die Welt natürlich noch nicht. Dazu muss man sich erst ein paar Wochen durch den Bachelorette-Wahnsinn kämpfen, um zu sehen, welcher «bodenständige Typ», der «mit beiden Beinen im Leben» steht, das Herz der Schönen erobern konnte.

Ansonsten sind von ihr die üblichen Plattitüden zu erfahren. Dass sie immer «frische Lebensmittel» im Kühlschrank habe etwa, dass «gesunde Ernährung» ihr wichtig sei, sie aber auch mal einen Teller Pasta «geniesse» und dass Lebensqualität doch das Allerwichtigste sei. Sie sei nämlich ein «Stehaufmännchen und habe gelernt, mit Niederschlägen umzugehen und daran zu wachsen», wie sie auf ihrer Homepage schreibt. Auch wenn es in Südafrika eher weniger Niederschläge gegeben haben dürfte, würden wir doch raten, als Nächstes in einen Lektor zu investieren.

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