«Da hätte es bestimmt böse Kommentare gehagelt»

SP-Frau Sarah Akanji fordert mehr Frauenfussball auf SRF – und versteht nicht, dass drei Männer ein Frauenspiel kommentieren.

SP-Kantonsrätin und Fussballerin Sarah Akanji kann nicht verstehen, wieso Frauenfussball für SRF ein politisches Anliegen ist. Foto: Heinz Diener

SP-Kantonsrätin und Fussballerin Sarah Akanji kann nicht verstehen, wieso Frauenfussball für SRF ein politisches Anliegen ist. Foto: Heinz Diener

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Aktuell läuft die Fifa-Fussball-WM der Frauen. SRF übertrage diese nur unzureichend. Das findet SP-Kantonsrätin und Fussballerin Sarah Akanji. Deshalb hat sie zusammen mit Cédric Wermuth und Mattea Meyer (beide ebenfalls SP) eine nationale Onlinepetition lanciert. Sie fordern: SRF soll mindestens jedes Spiel online live streamen und die gesamte Endrunde live im TV zeigen. Bei der Fussball-WM der Männer sei es selbstverständlich, dass SRF jedes einzelne Spiel live übertrage.

Letzten Freitag hat SRF das Eröffnungsspiel der Frauen-WM gezeigt, mit Kommentar. Noch gezeigt werden die Halbfinals und der Final. Über die SRF-Sport-App und online werden weitere Spiele unkommentiert gestreamt. SRF hat für alle der insgesamt 52 Spiele die Rechte erworben. Das Unternehmen schreibt, dass SRF 25 der Partien live zeigen werde. «Liebes SRF, das reicht einfach nicht. Gleichstellung geht anders!», schreiben Akanji und ihre Verbündeten der SP auf der Onlineplattform der Petition, die über 3000 Personen bereits unterzeichnet haben. Wenn Frauen auf dem Platz nicht sichtbar seien, werde auch das Interesse für Frauenfussball nicht geweckt und gestärkt.

«Auf die Onlinepetition werden wir nicht eingehen», schreibt SRF in einer Mitteilung. Es stelle sein Programm unabhängig von politischen Interessen zusammen.

Sarah Akanji, was sagen Sie zu dieser Antwort?
Das kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem nicht die Argumentation, dass es sich um eine politische Beeinflussung handle, wenn Menschen sich dafür einsetzten, dass eine WM unabhängig vom Geschlecht gezeigt werde. Männerfussball wird nie infrage gestellt. Jedes Spiel der Fussball-WM der Männer wird im TV gezeigt – und es ist auch kein politisches Problem.

SRF argumentiert auch damit, dass jene WM-Spiele, die SRF, RTS und RSI nicht live übertrügen, online zugänglich gemacht würden, von der European Broadcasting Union via Onlineplattform. Wieso reicht Ihnen das nicht?
Wenn die WM im Fernsehen ausgestrahlt wird, besteht die Möglichkeit, dass Zuschauende per Zufall hängen bleiben. Auch jene, die sich sonst nicht für Frauenfussball interessieren. Von einigen habe ich gehört, wie begeistert sie danach waren. Der Livestream erreicht kaum neues Publikum und vermag die Aufmerksamkeit nicht so gezielt wie das Fernsehen auf den Frauenfussball zu lenken.

Trotz der Absage von SRF, sind Sie zufrieden mit dem Stand ihrer Petition?
Ja sehr! Innerhalb der ersten 24 Stunden haben sie rund 2000 Personen unterzeichnet. Das zeigt, wie viele unser Anliegen wichtig finden, sei es wegen des Fussballs oder wegen der Gleichberechtigung.

«Bei Fussballerinnen weiss man, dass sie es aus Leidenschaft machen – es ist ja kein Geld da.»

Das Eröffnungsspiel hat SRF live übertragen. Drei Männer haben die Partie kommentiert. Was halten Sie davon?
Ich finde das unverständlich. Gerade jetzt, da die Schweizerinnen in der Qualifikation ausgeschieden sind, hätte man Spielerinnen als Expertinnen anfragen können. Und auch sonst gibt es genügend Expertinnen für Frauenfussball. Stellen Sie sich vor, es wäre umgekehrt. Drei Frauen, die ein Männer-WM-Spiel kommentieren. Da hätte es bestimmt böse Kommentare gehagelt.

Mit Ihrer Petition möchten Sie nicht nur mehr Frauenfussball auf SRF. Was wollen Sie darüber hinaus anstossen?
Mehr Sichtbarkeit von Sportlerinnen und Frauen in der Öffentlichkeit. Es muss gezeigt werden, dass Frauen gleich viel wert sind wie Männer. Auch Sportlerinnen haben es verdient, an die Öffentlichkeit zu kommen und ihre Leistungen und Fortschritte zu zeigen. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema.

Das Fifa-Museum in Zürich zeigt aktuell eine Ausstellung zum Frauenfussball. Ein Schritt in die richtige Richtung?
Definitiv. Jede Art von Öffentlichkeit ist wichtig. Nächstes Jahr wird der FCZ eine Ausstellung zu Frauenfussball in der Schweiz zeigen. Auch das wird ein wichtiger Event. Jedoch haben Medien eine ganz andere – grössere – Reichweite.

Was braucht der Frauenfussball, damit er dem Männerfussball in Zukunft gleichgestellt ist?
Es braucht die Medien, die Schweizer Fussballerinnen mehr Platz geben in ihrer Berichterstattung. Es braucht den Verband, der mehr in Frauenfussball investiert. Es braucht einzelne Clubs, die Frauen Platz geben im wörtlichen Sinne. Spielerinnen brauchen wie auch Spieler eine entsprechende Infrastruktur, damit sie spielen können.

Vielleicht eine ketzerische Frage von jemandem, der mit Fussball generell wenig am Hut hat. Wieso sollte ich Frauenfussball schauen?
Frauenfussball ist echt. Es geht ums Gewinnen, ums Sportmachen. Da ist kein Theater dabei wie im Männerfussball. Bei Fussballerinnen weiss man, dass sie es aus Leidenschaft machen – es ist ja kein Geld da. Da herrscht automatisch eine andere Stimmung als bei den Männern. Dass Frauen die schlechtere Technik hätten als Männer, dieses Argument lasse ich nicht gelten. Da hat sich viel getan in den letzten Jahren, dank besserer Trainerinnen und Trainer. Das zeigt: Gute Technik hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern eher damit, wie viel darin investiert wird.

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