Stefan Kurt brilliert als arroganter Klinikleiter

Das Schweizer Fernsehen präsentiert am Sonntagabend den neuen Schweizer Film «Aus dem Schatten – Eine Zeit der Hoffnung». Dieser zeigt in beklemmenden Szenen, wie Ärzte in den 1970er-Jahren psychisch Kranke behandelten.

Professor Sennhauser (Stefan Kurt) spricht in seiner Klinik mit einem Patienten. Foto: SRF / Sava Hlavacek

Professor Sennhauser (Stefan Kurt) spricht in seiner Klinik mit einem Patienten. Foto: SRF / Sava Hlavacek

Mirjam Comtesse

Der neue Schweizer Film «Aus dem Schatten – Eine Zeit der Hoffnung» beruht auf historischen Tatsachen: Er handelt vom Schweizer Psychiatriewesen in den 1970er-Jahren. Der fiktive Professor Sennhauser, Leiter einer Klinik auf dem Land, macht vor, wie man damals mit Patientinnen und Patienten umging.

Der gebürtige Berner Stefan Kurt spielt diesen Klinikleiter grandios: Er changiert zwischen Charme und Machtgebahren, ist mal einfühlsam, mal erschreckend arrogant. Bis zum Schluss weiss man nicht, inwieweit Sennhauser tatsächlich glaubt, im Sinne der Patienten zu handeln, wenn er diese mit Medikamenten ruhigstellt. Gedreht wurde der Film diesen Frühling an mehreren Orten in den Kantonen Zürich und Solothurn.

Spannend wie ein Krimi

Teilweise mutet «Aus dem Schatten» fast wie ein Thriller an. Die Sozialpädagogin Christa Liniger (Anna Schinz), die neu in der Klinik anfängt, ist voller Idealismus. Ebenso ihr Freund Marc Bundi (Matthias Britschgi), der bereits als Assistenzarzt unter Senn­hauser arbeitet. Doch schon bald sind sich die beiden nicht mehr so einig. Werden sie vom Klinikleiter manipuliert? Sind Sennhausers Zugeständnisse an Christa nur der Versuch, das Paar auseinanderzubringen, wie Marc vermutet? Marc findet Christa naiv, diese glaubt, ihr Freund sei paranoid. Gebannt verfolgt man das Schicksal des Paars, das sich zu verlieren droht.

Doch dann rückt ein anderes Drama in den Mittelpunkt, bei dem Christa erkennt, dass Sennhausers Methoden vielleicht auch ihr Gutes haben. Zumindest garantieren sie Sicherheit. Die Stärke des Films liegt in dieser Differenziertheit: Keiner der Protagonisten handelt nur richtig, alle begehen Fehler.

Radiosendung bewegte viele

Gern hätte man länger bei der Frage verweilt, wie viel Freiheit der Sicherheit geopfert werden soll. Doch leider macht Regisseur Marcel Gisler plötzlich einen harten Schnitt und erzählt, was wenige Jahre später passiert.

Nun geht es um reale historische Ereignisse: Die Schweizer Stiftung Pro Mente Sana und Radio DRS produzierten gemeinsam die Sendung «Wie weiter? – Patienten auf dem Weg zurück», die 1980/1981 ausgestrahlt wurde. Der Film zeigt, wie diese Berichte von psychisch Kranken auf riesige Resonanz stiessen und so die Reform des Schweizer Psychiatriewesens vorantrieben. Heute wäre ein Patriarch wie Sennhauser als Klinikleiter nicht mehr denkbar.

«Aus dem Schatten – Eine Zeit der Hoffnung»: Sonntag, 13.10.,20.05 Uhr, SRF 1.

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