Maden nach dem Mauerfall

Der Berliner «Tatort» taucht tief ab in die DDR-Geschichte. Und verdirbt einem dabei den Appetit.

So lieb können sie sich manchmal haben: Kommissarin Nina Rubin und Kommissar Robert Karow am Tatort. (Bild: RBB)

So lieb können sie sich manchmal haben: Kommissarin Nina Rubin und Kommissar Robert Karow am Tatort. (Bild: RBB)

Matthias Lerf@MatthiasLerf

Mahlzeit! Das ist das erste Wort, das Robert Karow (Mark Waschke) in diesem «Tatort» sagt. Die zum 30. Jahrestag des Mauerfalls konzipierte Folge ist allerdings alles andere als appetitanregend. In der Nachbarwohnung des Berliner Kommissars wird nämlich eine Leiche gefunden, die dort bereits wochenlang gelegen haben muss. Maden und Fliegen haben sich überall verbreitet. Pfui Teufel. Aber was macht Karow, dieser ewige Sonderling? Er legt sich auf den Boden, genau dorthin, wo die Leiche war. So kann er besser nachdenken.

Der Fall, den Karow mit seiner Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) zu lösen hat, ist auch gar kompliziert. Er verweist tief in die Vergangenheit der DDR, wo es bis 1987 die Todesstrafe gab. Er ist auch mit aktuellen Problemen verbunden, zum Beispiel osteuropäischen Diebesbanden und der steten Wohnungsnot in der Stadt. Der Nachbar, stellt sich heraus, ist keines natürlichen Todes gestorben, sondern erschossen worden. «Entmietung durch Genickschuss» schliessen die Kommissare deshalb als Motiv ebenfalls nicht aus.

Der Tote ist plötzlich wieder lebendig

Es sind nicht weniger als vier Handlungsstränge, die «Das Leben nach dem Tod» zu Beginn präsentiert. Und Regisseur Florian Baxmeyer, ein «Tatort»-Routinier, macht vorerst keinerlei Anstalten, die Sache zu entwirren. Im Gegenteil, beim Toten lockt er das Publikum ganz bewusst auf eine falsche Fährte. Denn der alte Mann, den man als Leiche in der Wohnung wähnte, ist plötzlich wieder quicklebendig. Und was ist mit diesem Spinner-Pärchen, das auch noch irgendwie darin verwickelt ist und sich gegenseitig ewige Liebe beteuert?

Ein blutiges Ereignis aus alten DDR-Zeiten beeinflusst auch die Gegenwart in Berlin.

Am Ende geht es dann doch irgendwie auf, aber einiges bleibt angetönt und wird wieder fallen gelassen. So viel Wirrwarr war selten im Berliner «Tatort». Dranbleiben wird man trotzdem, was mit dem Ermittlerpaar zu tun hat: Die nervöse Rubin und der undurchsichtige Karow sind einfach zu gut. Diesmal gibt es eine Szene, in der sich die krassen Einzelgänger doch tatsächlich umarmen. Ein kleiner Moment der Zärtlichkeit in einem sonst nervösen Film.

Meret Becker wird 2022 aussteigen

Diese Szene weist auch in die Zukunft: Das Ende des Duos naht, Meret Becker hat angekündigt, dass sie im Jahr 2022 aufhören will. Der langsame Ausstieg – ihr bleiben noch fünf Folgen – wird deshalb bereits jetzt vorbereitet: Die Kommissarin Rubin sieht sich offensichtlich nach einem neuen Job um, bekommt ständig Telefone. Schade, denkt nicht nur Karow.

Aber vorläufig ist sie ja noch da. Deshalb erhält sie am Ende dieser Folge ein Date mit einem kuscheligen Sozialarbeiter. Mit ihm geht sie ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: abtanzen, die ganze Nacht hindurch, bis am anderen Morgen früh. Und wir freuen uns unterdessen bereits auf das Wiedersehn.

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