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«Ich werde oft gefragt, wieso ich als Frau beim ‹Playboy› arbeite...»

Myriam Karsch und Florian Boitin, die neuen Eigentümer des deutschen «Playboy», sprechen über Frauen, Nacktheit und Tabus.

Myriam Karsch und Florian Boitin arbeiteten bereits vor der Übernahme der Lizenz beim «Playboy», sie als Verlagsleiterin, er als Chefredaktor. Fotos: Burda/ Bernhard Huber
Myriam Karsch und Florian Boitin arbeiteten bereits vor der Übernahme der Lizenz beim «Playboy», sie als Verlagsleiterin, er als Chefredaktor. Fotos: Burda/ Bernhard Huber

Frau Karsch, Herr Boitin, wozu braucht man den Playboy noch?

Florian Boitin: Natürlich braucht kein Mensch den Playboy. Unsere Leser wollen ihn. Was ich damit meine: Er weckt nach wie vor grosse Begehrlichkeit. Als er 1953 von Hugh Hefner gegründet wurde, war er von Anfang an mehr als nur ein Magazin, sondern ein Lebensgefühl.

Myriam Karsch: Der Playboy hat nichts von seiner Faszination verloren, er ist eine der grössten Medienmarken. Wir glauben, dass das ein gutes Geschäft ist.

Sie sagen immer, Ihre Leser lieben es, ein Mann zu sein. Was soll das heissen?

Boitin: Dass sie eben keine Frau sind. Im Ernst: Unsere Leser vereint beispielsweise das Interesse an den schönen Dingen.

Frauen?

Boitin: Es ist natürlich die Liebe zur Schönheit der Frau, die alle Leser verbindet. Und die Begeisterung für Luxus: ob nun für kostbare Zigarren, guten Stil oder feines Essen.

Klingt zeitlos. Dabei wird die Rolle des Mannes doch seit Jahren hart verhandelt.

Boitin: Die neue Rolle des Mannes wird auch beim Playboy mitverhandelt, alles andere wäre ja auch absurd. Wir nehmen den Mann ernst, ohne ihn umerziehen zu wollen. Zuletzt hatten wir etwa einen augenzwinkernden Artikel: ‹So sind Sie ein guter Vater›.

Für Playboy-Papas?

Boitin: Wenn der Playboy ein Männerbild zeichnen würde, das es gar nicht mehr gibt, dann gäbe es auch das Magazin sehr schnell nicht mehr.

Playboy-Cover aus dem Jahr 1972. Foto: Cover Playboy
Playboy-Cover aus dem Jahr 1972. Foto: Cover Playboy

Also: Wer will heute noch den Playboy?

Boitin: In erster Linie richten wir uns natürlich an Männer, kultivierte Männer jeden Alters. Das ist der pensionierte Chefarzt genauso wie der Maschinenbau-Student. Karsch: Der Leser wird auch im Schnitt nicht älter, er bleibt im Schnitt immer um die 38, wir gewinnen immer wieder junge Leser. Wir erreichen sehr viele, und es werden auch stetig mehr.

Moment, die verkaufte Auflage geht seit Langem deutlich zurück, seit 2010 hat sie sich sogar halbiert. Heute verkaufen Sie nur noch um die 122'000 Hefte pro Ausgabe.

Boitin: Gegenfrage: Bei welchem Printprodukt geht heute die Gesamtauflage nicht zurück? Dem Trend können auch wir uns nicht entziehen. Aber bei uns steigen die Abozahlen seit vier Jahren kontinuierlich, und das jetzt zum 16. Mal in Folge. Im vergangenen Quartal stieg die Zahl der Playboy-Abonnenten sogar auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000.

Karsch: Und das gegen den Trend, auch bei unseren direkten Wettbewerbern, also bei anderen Männermagazinen, die alle Abonnenten verlieren.

Woran liegt das?

Boitin: Wenn man mich als Chefredaktor fragt: Natürlich nur an der journalistischen Qualität des Produktes.

Und wenn man die Geschäftsführerin fragt?

Karsch: Wir erwirtschaften immer noch 75 Prozent unserer Erlöse mit dem gedruckten Magazin. Der Rest sind digitale und sonstige Erlöse: Sponsoring, Kooperationen, Events, zum Beispiel das ‹Gentlemans Weekend›, bei dem ausgewählte Leser mit Florian auf Genussreise gehen. Das Ganze wächst stetig.

Februarausgabe des Playboy mit Laura Müller. Foto: Playboy Cover
Februarausgabe des Playboy mit Laura Müller. Foto: Playboy Cover

Zum Start hatten Sie Laura Müller nackt auf dem Titel, die als Freundin von Schlagersänger Michael Wendler bekannt wurde. Die Zahlen sagen: eine gute Entscheidung. Stand die bei Ihnen vor der Tür?

Boitin: Klar, die Titelstars stehen alle vor unserer Tür Schlange. Nein, im Ernst: Um Laura haben wir uns natürlich bemüht. Und es hat sich gelohnt. Das mediale Echo war gewaltig, der PR-Wert für uns geht vermutlich in die Millionen. Wir haben doppelt so viele Hefte verkauft wie vor einem Jahr und hatten fünf Mal mehr Traffic auf unserer Onlineseite. Wir stellen übrigens fest, dass sich in dem aktuellen Fall auch mehr Frauen als üblich für den Playboy interessieren.

Nackt sein im Playboy heisst ja etwas anderes, als keine Klamotten anzuhaben. Die Anmutung ist eher plastikbrav und photoshopclean. Hätten Sie nicht Lust, mal wieder Tabus zu brechen?

Boitin: Wir setzen seit jeher Standards im Bereich der erotischen Fotografie. Immer schon haben grosse Fotografen für den Playboy gearbeitet, weibliche wie männliche, daran hat sich nichts geändert. Keine Titelproduktion gleicht der anderen. Wir inszenieren ein Shooting immer gemeinsam mit der Person, die wir fotografieren. Dazu können auch Tabubrüche gehören: Vor zwei Jahren hatten wir beispielsweise Giuliana Farfalla auf dem Titel, eine Frau, die als Junge zur Welt gekommen ist. Das gab es weltweit beim Playboy bis dahin nicht. Vergleichbares werden wir sicher auch in Zukunft machen.

In seiner Geschichte wurde dem Playboy schon nachgesagt, er sei feministisch, weil er die Geschlechterrollen der Fünfziger- und Sechzigerjahre umkrempelte, aber auch, das Gegenteil, dass er Frauen nur zu Lustobjekten degradiere. Wo auf dieser Skala sehen Sie ihn heute?

Karsch: Ich werde natürlich oft gefragt, wieso ich als Frau gerade beim Playboy arbeite...

... jetzt gehört er Ihnen sogar.

Karsch: Der Verlag, der die Lizenz erworben hat, gehört mir zu 50 Prozent, die anderen 50 Prozent hat Florian. Für mich ist der Playboy sehr feministisch. Wir stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit. Wir zeigen Frauen, die über ihren Körper selbst entscheiden.

Solange sie sich ausziehen.

Karsch: Sie können selbst bestimmen, wie sie fotografiert und dargestellt werden.

Solange sie sich ausziehen. Wenn alles so gut läuft, warum hat Burda den Playboy dann überhaupt abgegeben?

Karsch: Diese Frage müssen Sie Burda stellen. Aber wir sind ja weiter eng verbunden, Burda macht für uns auch künftig die Vermarktung, den Druck und den Vertrieb.

Playboy-Cover mit der als Junge geborenen Giuliana Farfalla. Foto: Playboy Cover
Playboy-Cover mit der als Junge geborenen Giuliana Farfalla. Foto: Playboy Cover

Welche Veränderungen planen Sie?

Boitin: Im Magazin gibt es eine von Lesern gelernte Heftstruktur, daran halten wir fest. Aber wir wollen natürlich auch Neues bieten und die Leser nicht langweilen. Wir haben ja schon bei Burda das Heft redaktionell eigenständig weiterentwickelt, uns ist inhaltlich nie reingeredet worden.

Wenn im Heft erst mal alles beim Alten bleibt: Wollen Sie expandieren, weitere Magazine herausbringen?

Karsch: Wir müssen das jetzt erst einmal ins Laufen bringen. Aber wir können uns vieles vorstellen, wir könnten redaktionelle Inhalte an Dritte liefern, wir sprechen mit anderen Verlagen. Und wir denken auch über andere Lizenzmarken nach.

Wird es zuerst einen weiblichen James Bond oder zuerst einen nackten Mann im Playboy geben?

Boitin: Beides ist relativ unwahrscheinlich, würde ich sagen. Die Frage ist doch, warum sollte das passieren? Es gibt ja bereits andere weibliche Superhelden, und um nackte Männer dürfen sich andere Hefte bemühen.

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