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«Simeliberg» ist ein Blues

Mit Auszügen aus «Simeliberg» gewann Michael Fehr beim Bachmann-Wettlesen den zweiten Preis. Nun liegt der Text als Buch vor. Wer ist der junge Berner, der diese eigenartigen, kraftvollen Klangstücke schafft? Eine Begegnung.

Plötzlich steht er da, im Eingang des Cafés, gross gewachsen, schmal, eine in sich ruhende Präsenz. Mit ruhigen, eine Spur verzögerten, aber präzisen Bewegungen setzt er sich an den Tisch. Ob man sich beim Vornamen nenne könne, fragt er. Das Gespräch werde ja vielleicht sehr persönlich. Ja, man will ja wissen: In was für einer Welt lebt dieser Mann, der diese eigenartigen, kraftvollen und seltsam körperhaften Wortklangstücke schafft? Diese Texte, denen das Publikum beim Vortragen mäuschenstill lauscht und die auch die Jury in Klagenfurt beim letztjährigen Bachmann-Preis in ihren Bann schlugen?

Michael Fehr nimmt seine Umgebung in Farben und Formen wahr, Texturen sieht er nicht. Menschen erkennt er an Bewegungsmustern. Der 32-Jährige leidet an einer starken Sehschwäche. «Aber Gras ist zum Beispiel nicht einfach grün», sagt er, «es ist grasgrün. Und der Boden hier ist holzbraun.» Kardinalsrot, Militärgrün, Marineblau: Die sparsam gesetzten, bildgesättigten Farbtupfer in seinem Erstling klingen im Kopf an. Aber Michael Fehr betont: Die Sehschwäche sei für ihn klar eine Behinderung. «Wer sieht, erfasst die Welt viel schneller. Die Langsamkeit kann da nicht mithalten. Es kostet mich grosse Anstrengung, mir die Fähigkeit zu erhalten, mich selbstständig zu bewegen. Und mit etwas anderem als mit meiner Kunst könnte ich in der heutigen Welt nicht arbeiten.»

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