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Schmachtende Mädchen und fesche Jungs

Das «Neon» ist das Magazin der Berufsjugendlichen – die einen lieben, die andern hassen es. Fünf Pros und fünf Kontras zum 10-jährigen Jubiläum.

Vor zehn Jahren erschien die erste Ausgabe des «Neon», und schon bald entwickelte sich das monatlich erscheinende Magazin zum treuen Begleiter und Bestärker all jener, die sich vor dem 25. Lebensjahr ihrer Jugend erfreuten und danach noch lange daran festhalten wollten. «Eigentlich sollten wir erwachsen werden», lautet der Untertitel der ersten Ausgaben. Der Satz ist bis heute Programm.

Auf dem Cover schmachten Mädchen und strahlen fesche Jungs, die Titelgeschichten handeln von Freundschaft, Liebe und Sex. Der ideale Leser ist mutmasslich eine Frau, die sich auf einen Fenstersims kauert, eine grosse Tasse mit beiden Händen umschliesst und sinnend in einen winterlichen Schneeflockenwirbel schaut.

Zuverlässig sorgt das Magazin für Gesprächsstoff an WG-Partys – weil es so viele inbrünstig hassen und andere sogleich ebenso inbrünstig verteidigen. Und es gibt ja auch einige Pros und Kontras: Pro «Neon»Kontra «Neon»+ Wegen des klugen Layouts und der ästhetischen Bilder ist das «Neon» einladend wie wenige andere deutschsprachige Magazine. Die meisten der abgebildeten Menschen sehen irgendwie aus, als würden sie in einem Bio-Food-Katalog leben.+ Fast jedes Heft enthält eine Reportage, die problemlos im «Spiegel» erscheinen könnte. Es wird viel über «die Krise» gejammert. Vor konkreten Einordnungen oder Positionsbezügen schrecken die Macher aber zurück (wohl weil sie keine Leser vergrätzen wollen).+ Das Heft ist voller toller Rubriken wie der «Baum der Erkenntnis», «In was für einem Land leben wir eigentlich» oder «Unnützes Wissen». Radikale Denker sucht der Leser vergeblich – sie würden die Wohlfühlatmosphäre (zer)stören.+ Schwere Diskussionen werden leicht verpackt und so vielen nähergebracht, die sonst nichts davon mitbekämen. Das kapriziöse Getue um den richtigen Style macht das «Neon» zum Hipster des Zeitschriftenmarkts.+ Das «Neon» reflektiert die Befindlichkeiten einer ganzen Generation, und das detailliert wie keine andere deutschsprachige Publikation. Das Cover ödet nur noch an, die Masche mit den schmachtenden Mädchen und feschen Jungs ist ausgeleiert bis zum Gehtnichtmehr.

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