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«Lego ist die Fantasie ausgegangen»

3599 Teile umfasst der neue Lego-Bugatti. Zu viel? Sind Lego überhaupt noch zum Spielen da? Wir haben mit einem Enthusiasten gesprochen.

Lego bringt dieser Tage ein Bugatti-Modell mit 3600 Teilen heraus. Letztes Jahr gab es den Millennium-Falken mit 7500 Teilen. Ist mehr gleich besser?

Mehr Teilchen erlauben mehr Detailgetreue und länger Spass am Bauen. Ob ein Set mit vielen Teilen unbedingt besser ist, sei dahingestellt. Diese Modelle sind nicht dafür gedacht, dass man mit ihnen spielt.

Dabei ging es bei Lego eigentlich ums Spielen: Wir bauten aus bestehenden Bausätzen den Lastwagen von der Strasse oder das Haus aus dem Film. Machen das Kinder heute noch?

Meiner Erfahrung nach spielen Kinder nach wie vor gerne so mit Lego.

Lego setzte in den letzten Jahren stark auf Film-Franchises und Prestige-Bausätze. Wie stehen Sie dazu?

Lego brachte früher Burgen und Piraten und eine eigene Raumfahrtserie heraus. Heute legt die Firma in meinen Augen zu viel Wert auf die Franchises.

Vielleicht interessieren sich die Kinder derzeit einfach nicht für Ritter.

Das Problem ist, dass sich diese Franchise-Sets wiederholen. Lego brachte schon mehrere Male einen Millennium-Falken heraus. Das mag für das Unternehmen funktionieren: Es ist viel einfacher, eine Szenerie aus «Star Wars» nachzubauen, als einen Entwickler etwas gänzlich Neues austüfteln zu lassen. Ich als Sammler und Fan wünsche mir einfach etwas anderes.

Nämlich?

Wieder mehr Vielfalt, mehr eigene Geschichten. Ich habe das Gefühl, dass Lego selber etwas die Fantasie ausgegangen ist.

Aber Lego bringt immer wieder Neues heraus: eine Polizeistation, ein Forschungsschiff.

Lego legt dieses Jahr die Arctic-Serie neu auf. Die gab es vor circa drei Jahren in ähnlicher Form schon einmal. Wie wäre es mit einem Zoo?

Lego-Enthusiasten monieren, Lego baue in den Sets immer mehr Teile ein, die zu spezifisch seien. Wie stehen Sie als Lego-Tüftler dazu?

Tatsächlich sind grosse Bausteine eher verpönt, die explizit für ein bestimmtes Modell entwickelt wurden. Ein Beispiel sind die grossflächigen Verkleidungen für das Porsche-Modell oder den neuen Bugatti. Die können nur selten umfunktioniert werden; ausser vielleicht, man besitzt sie in grosser Anzahl. Was ich an Lego jedoch schätze: Sie bringen immer auch neue kleinere Bausteine auf den Markt, die einem einfachere, filigranere oder stabilere Konstruktionen erlauben.

Nehmen wir also an, ich möchte den Landwasser-Viadukt mit einem RhB-Zug drauf nachbauen. Wie gehe ich da vor?

Sie haben eine Idee, das ist gut. Als Nächstes fertigen Sie eine Zeichnung oder sogar einen Prototyp an. Sie werden dann bald merken, wo sie eventuell auf Schwierigkeiten stossen. Hier ist es nie schlecht, wenn man sich bei solchen Entwicklungsschritten Ratschläge holen kann. Bei uns im Verein tauschen wir uns aus – jemand hat Erfahrung mit dem Brückenbau, jemand besitzt Tipps für den Nachbau einer Lokomotive.

Und irgendwann ist man Routinier.

Je mehr Bausteine man kennt, desto eher hat man irgendwann den Blick dafür, aus welchen Elementen man ein bestimmtes Objekt bauen könnte.

Um was geht es Ihnen: Fantasie oder Detailtreue?

Fantasie. Ich empfinde es als Freiheit, mich nicht zwingend an eine Vorlage halten zu müssen. Aber natürlich hat der detailgetreue Nachbau eines Gebäudes oder Fahrzeugs seinen Reiz: Der Erbauer muss sich genau überlegen, wie und mit welchen Teilen er ein bestimmtes Detail hinkriegt.

Ist das die Essenz von Lego?

Mit wenigen Steinen kann man alles bauen, was man will. Das bietet eine unendliche Freiheit.

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