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«Es bräuchte viele Polizisten und teure Gefängnisse»

Jean-Pierre Tabin präsentiert seine neue Studie über Bettler in der Schweiz. Im Interview spricht der Soziologieprofessor über Ursachen des Bettelwesens und erklärt, wieso Verbote nichts bringen.

«Es gibt keine Bettlerorganisationen»: Bettelnde Roma-Angehörige in Genf (Aufnahme vom 12. November 2007).
«Es gibt keine Bettlerorganisationen»: Bettelnde Roma-Angehörige in Genf (Aufnahme vom 12. November 2007).
Keystone
Viele Rumänen und Bulgaren zogen in den letzten Jahren in die Schweiz: Betterin in Genf (12. November 2007).
Viele Rumänen und Bulgaren zogen in den letzten Jahren in die Schweiz: Betterin in Genf (12. November 2007).
Keystone
Einheimischer: Der bekannte Berner Bettler Sixty (27. Oktober 2008).
Einheimischer: Der bekannte Berner Bettler Sixty (27. Oktober 2008).
Keystone
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Herr Tabin, wie hat sich das hiesige Bettelwesen in den letzten 10 Jahren entwickelt? Die Sichtbarkeit hat sich massiv verändert, auch in Schweizer Städten ist extreme Armut nun vermehrt präsent. Dies hat verschiedene Gründe: Immer mehr arme, in die Schweiz gezogene Menschen betteln, weil sie hier keiner Arbeit nachgehen dürfen. So etwa Rumänen oder Bulgaren, die nur dann hier arbeiten dürfen, wenn der Arbeitgeber beweisen kann, dass er auf dem lokalen Arbeitsmarkt keine passenden Leute gefunden hat. Das hält diese Menschen jedoch nicht vom Reisen ab. Eine andere Gruppe extremer Arme setzt sich aus zurückgewiesenen Asylbewerbern zusammen. Sie betteln, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt. Unsere Studie hat gezeigt, dass die meisten Bettler nicht in die Schweiz kamen, um zu betteln – sondern um zu arbeiten. Dabei ist die Situation, die sie hier in der Schweiz antreffen, nicht viel schlechter als die in ihren Heimatländern. Manchmal sogar ein bisschen besser, zum Beispiel für rumänische Roma.

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