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Das Maskottchen der Atomindustrie

Nach Hiroshima und Nagasaki taten sich die Japaner schwer mit Kernkraft - die Comicfigur Tetsuwan Atomu sollte Atomenergie populär machen.

«Astro Boy» ist eines der bekanntesten und ältesten Mangas in Japan. Im Original heisst die vom legendären Zeichner Osamu Tezuka entworfene Figur Tetsuwan Atomu (Eisenarm Atom). Inzwischen wurde das Manga, das zwischen 1952 bis 1968 erschien, mehrfach als Film, Anime und Videospiel umgesetzt.

Die Handlung: Ein Junge stirbt bei einem Verkehrsunfall. Sein Vater, ein Wissenschaftler, erschafft aus Verzweiflung über den Tod des einzigen Sohnes einen atomkraftbetriebenen Roboter, der diesem ähnlich sieht. Zu den Anfangsklängen von Beethovens Fünfter erweckt er ihn zum Leben.

«Astro Boy» ist im Zusammenhang mit Japans Haltung gegenüber Nukleartechnologie ein aufschlussreiches Studienobjekt. Zwar wird im Manga nie konkret erwähnt, dass Astroboy atomkraftbetrieben ist. Doch Hinweise gibt es in den Geschichten zuhauf. Osamu Tezuka mochte dazu nie offiziell Stellung nehmen. Nach den verheerenden Folgen der beiden Atombomben, die die Amerikaner über Japan abgeworfen hatten, war Atomkraft im Land umstritten.

Schwester-Roboter namens Uran

Bloss: Um die Energiebedürfnisse des Landes zu stillen, setzte man auch in Japan auf AKW. «Astro Boy», so nimmt man heute an, hatte im Japan der Nachkriegsjahre eine wichtige Maskottchen-Funktion für die Atomwirtschaft inne. Die PR-Massnahme für die friedliche und saubere Nutzung von Atomenergie ging gar soweit, dass Zeichner Tezuka den Schwester-Roboter von Tetsuwan Atomu auf den Namen Uran taufte.

Gleichzeitig machte sich Tezuka gegen den missbräuchlichen Einsatz von Atomwaffen stark. In seinem 1955 erschienen Manga «Age of the Deluge» präsentierte er Japan als Nuklearmacht, das eine atomare Katastrophe erleidet. In seiner Darstellung von Atomenergiemissbrauch reiht sich «Age of the Deluge» in die berühmten «Godzilla»-Filme ein. Dort steht das Monster Godzilla für eine schiefgelaufene Nuklearspaltung: Godzilla verseucht das Wasser, erzeugt Mutationen und zerstört ganze Städte. Dass dazu auch die vermeintlich friedliche Atomenergie in der Lage ist, musste Tezuka nicht mehr erleben: Der Zeichner starb 1989.

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