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Wenn ein Gangster Polizeichef wird

Krimi der Woche: «Dead Man’s Badge» ist eine brillant erzählte, brutale Geschichte aus dem Drogenkrieg an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Robert E. Dunn wurde in einem Kombi geboren, der wegen eines Sturms auf einer Strasse stecken geblieben war. Foto: PD
Robert E. Dunn wurde in einem Kombi geboren, der wegen eines Sturms auf einer Strasse stecken geblieben war. Foto: PD

Der erste Satz

Nichts ist leicht – nicht einmal das Sterben.

Das Buch

Es beginnt damit, dass der Icherzähler sein eigenes Grab schaufeln muss. «Die Hoffnung – diese Schlampe. Sie lässt einen weitergraben, sie ist der einzige Grund.» Die Hoffnung trügt nicht: Longview Moody, amerikanischer Geldkurier für ein mexikanisches Drogenkartell, kommt tatsächlich davon. Er kann die Männer von einem rivalisierenden Kartell austricksen und fliehen.

«Dead Man’s Badge» fängt brutal und düster an, und so geht der Roman von Robert E. Dunn in rasantem Tempo weiter. Moody fährt zurück nach Juarez, erschiesst ein paar Gangster und holt sich den grossen Packen Geld zurück, den er abgeliefert hatte. Zu Hause in den USA findet er seinen Halbbruder, der Polizist ist, ermordet auf. Paris Tindall sollte einen neuen Job als Polizeichef in einer texanischen Grenzstadt am Rio Grande übernehmen. Jetzt schlüpft Moody in diese Rolle.

Lansdale heisst die fiktive Kleinstadt, offensichtlich eine Reverenz an den grossen texanischen Horror-, Western- und Krimiautor Joe R. Lansdale. Und so beinhart wie zuweilen Lansdale geht auch Dunn zur Sache. Seine Geschichte ist ein «moderner Western»: Moody kommt quasi als Lonesome Rider in eine von einer korrupten Bande beherrschte Stadt und mischt den Laden gehörig auf – ohne sich selbst an Gesetz und Ordnung zu halten, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.

Schon bald merkt er, dass er es hier mit der gleichen Bande zu tun hat, die ihn in Mexiko sein Grab schaufeln liess. Diese arbeitet offenbar mit einem Sonderkommando der amerikanischen Drogenpolizei DEA zusammen. Und da geht es letztlich um Politik, denn der Krieg gegen die Drogen ist zu einem Geschäft geworden: «Das ist eine Industrie, die Milliarden generiert. Anwälte, Waffenhändler, Munitionshersteller, schusssichere Westen, Handschellen, gepanzerte Fahrzeuge – alles bis hin zu Kampfstiefeln», sagt der DEA-Mann in Lansdale. «Wir können es uns nicht leisten, den Krieg gegen die Drogen zu gewinnen. Das Beste, was wir tun können, ist, ihn zu managen.»

«Dead Man’s Badge» ist eine spannende, atemberaubende Actionstory, die an Filme wie «From Dusk Till Dawn» erinnert. Sie ist aber eingebettet in politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, und sie behandelt Themen wie Rache und Erlösung. Nicht zuletzt ist sie brillant erzählt. Dass ein Gangster mit seinen Methoden den Polizeichef markiert, führt auch zu komischen Momenten. «Du bist keinen Deut besser als wir», sagt einer der Drogenbosse, irritiert ob der Vorgehensweise. «Ich bin genau wie ihr», erwidert der Gangster mit der Polizeichefmarke. «Deswegen passiert das auf diese Weise.»

Die Wertung

Der Autor

Robert E. Dunn, geboren 1960 in einem auf einer Strasse zum Armeestützpunkt Fort Rucker im US-Bundesstaat Alabama wegen eines Sturms stecken gebliebenen Kombi, wuchs in Nixa, Missouri, auf. Er schloss mit einem Bachelor in Kommunikation/Film am Drury College in Springfield, Missouri, ab, wo er im zweiten Hauptfach Philosophie und im Nebenfach Religion studiert hatte. Als mehrfach ausgezeichneter Film- und Video-Produzent hat er zahlreiche Drehbücher geschrieben und Regie geführt bei Produktionen, von lokalen 30-Sekunden-Werbespots bis hin zu langen Dokumentarfilmen und Reisedokumentationen.

Als Schriftsteller veröffentlichte er seit 2013 zehn Romane, darunter mehrere im Horrorgenre sowie eine bisher vier Bände umfassende Serie um Katrina Williams, eine Detektivin bei einem Sheriffs-Departement in den Ozarks von Missouri. Robert E. Dunn lebt in Kansas City.

Robert E. Dunn: «Dead Man’s Badge. Sterben in Lansdale» (Original: «Dead Man’s Badge», Brash Books, Leawood, Kansas 2017). Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer-Verlag, Borgdorf-Seedorf 2019. 357 S., ca. 23 Fr.
Robert E. Dunn: «Dead Man’s Badge. Sterben in Lansdale» (Original: «Dead Man’s Badge», Brash Books, Leawood, Kansas 2017). Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer-Verlag, Borgdorf-Seedorf 2019. 357 S., ca. 23 Fr.

Alle weiteren Besprechungen finden Sie in der Collection «Krimi der Woche».

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