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«U ner hört»: Ernst Eggimann zum 75. Geburtstag

Zum 75. Geburtstag von Ernst Eggimann erscheint eine treffliche Auswahl seiner Gedichte. Der Band «u ner hört» zeigt, wie Mundart-Literatur keineswegs den Leuten nur nach dem Mund redet.

Schriftsteller Ernst Eggimann
Schriftsteller Ernst Eggimann
Keystone

Es muss doch einmal gesagt werden, dass auch Mundarttexte zur Weltliteratur zählen. Sie können alles sagen, nur sagen sie es mit anderen Worten. Ernst Eggimann spricht es aus: «langsam rede/ wort für wort/ e bärndütsche satz/ zmitts i d wäut».

In der Diktion des Emmentalers Eggimann beweist die Mundartliteratur seit Ende der 1960er Jahre ihre Modernität. Das heimische Idyll erhält darin einen doppelten Boden. Eggimann besingt heimatliche Klischees solange, bis sie fadenscheinig werden. Im Langgedicht «mir schwizzer» demonstriert er es.

«mir schwizzer si frei/ mir schwizzer si frei» - senkrecht und gerade und ehrlich, «und was mer nid si/ das si mer nid». Das Gedicht versammelt positive Aussagen wie aus dem Prospekt. Die hartnäckige Wiederholung des Unveränderlichen erinnert jedoch immer stärker an ein Pfeifen im Walde, auf dass keine bösen Geister über «üses liebe chline schwizzeli» kommen.

Der Reiz des Gesprochenen

Ernst Eggimann nutzt die Reize der gesprochenen Mundart mit listiger Konsequenz. Sie erlaubt sprachliche Bewegungen auf kleinstem Raum: «är hets haut/ u wiu ers het/ hets ne». Dabei geht es immer um Kommunikation - um geglückte oder um behinderte Auseiandersetzungen, die im Geflecht der Floskeln misslingen.

Worte sind oft doppeldeutig und ambivalent, im lautmalerisch Gesprochenen lässt sich dies besonders schön herausarbeiten. Ernst Eggimann ist ein Meister darin. Er versetzt gewöhnliche Redeweisen in einen poetischen Zustand und hinterfragt sie so: «u aube/ gits nume no/ aube n einisch».

Die Liebe zum Kleinen

«Was fühlte ich mich in diesen kleinen Texten zuhause!» - schreibt Beat Sterchi im Nachwort zu diesem Band. Sterchi ist nach eigenen Worten ein «Nachworter» Eggimanns, seit Jahren folgt er seinen Spuren und verdichtet weiter an dieser poetischen Tradition.

Den Texten von Ernst Eggimann wohne eine «Liebe zur Einfachheit» inne, fährt Sterchi fort, die schon früh ein Gegenprogramm entworfen habe zu einer Literatur, die stets wusste, was sie «soll und ist und darf».

Ernst Eggimann, «u ner hört. Gedichte». Der gesunde Menschenversand, Luzern 2011. 144 Seiten, 23 Franken, (edition spoken script).

SDA/tan

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