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Michel Bozikovic agierte glücklos

Die Schweizer Literatur spielt an der Preisverleihung beim Klagenfurter Wettlesen um den Bachmann-Preis wohl keine Rolle. Im Gegensatz zu letztem Jahr, als Dorothee Elmiger den zweiten Rang erreichte.

Präsentierte eine Kriegsgeschichte und fiel durch: Michel Bozikovic.
Präsentierte eine Kriegsgeschichte und fiel durch: Michel Bozikovic.
Keystone

Der Zürcher Michel Bozikovic, der am Samstag als zweitletzter der 14 Kandidaten las, erntete ernüchternde Kritiken. Seinem Text «Wespe» - ein Auszug aus seinem demnächst erscheinenden Roman «Drift» - wurde zwar ein gewisser sprachlicher «Drive» attestiert; die Absicht des Protagonisten, eines Schweizers mit Migrationshintergrund, der in den Jugoslawien-Krieg zieht, werde aber nicht klar.

Zufällig hatte tags zuvor auch der andere Schweizer Kandidat, der Aargauer Linus Reichlin, eine Kriegsgeschichte präsentiert - diesmal über deutsche Soldaten in Afghanistan. Die Themenwahl wurde zwar als mutig gelobt, allein in der Ausgestaltung der Geschichte gebe der Autor dem Leser zu viel preis, wurde von der Jury bemängelt.

Obstkorb und Pornoforschung

Soviel Lob wie am Freitag die Österreicherin Maja Haderlap und die Deutsche Nina Bussmann erntete am Samstag keiner der Kandidaten. Der Deutsche Leif Randt empfahl sich immerhin für einen der fünf Preise, wenn auch nicht für den Hauptpreis, den mit 25'000 Euro dotierten Bachmannpreis.

Sein Text «Schimmernder Dunst über Cobycounty» spielt in einer fiktiven Schickimicki-Stadt in den USA kurz vor einer Katastrophe. Es sei eine Art literarisierte «Truman Show» und eine gelungene Satire auf die «Generation Obstkorb».

Noch mehr zu lachen als bei Randt gab es beim letzten angetretenen Kandidaten, dem Deutschen Thomas Klupp. In seinem Text «9to5 Hardcore» erforscht ein frisch promovierter Kulturwissenschaftler mit karrieristisch motiviertem Eifer «Inszenierungsstrategien des Expliziten in Onlineangeboten westlicher Mainstreampornographie».

Auch diese Satire gefiel der Jury ziemlich gut. Allerdings stellten mehrere Juroren beim Lesen eine gewisse Abstumpfung gegenüber dem Humor fest.

67'000 Franken

Am morgigen Sonntagmittag geben die Juroren - unter ihnen die Zürcher Germanistin Hildegard E. Keller und der Basler Autor Alain Claude Sulzer - ihren Entscheid bekannt. Die Verleihung wird ab 11 Uhr 30 von 3sat live übertragen.

Vergeben werden fünf Preise im Gesamtwert von umgerechnet fast 67'000 Franken: Neben dem Bachmannpreis der Kelag-Preis mit 10'000 Euro, der 3sat-Preis mit 7500 Euro und der Ernst-Willner-Preis und der Publikumspreis mit je 7000 Euro. Für letzteren kann das Publikum noch bis Samstagabend abstimmen.

SDA/pbe

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