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Im Verlies der Seele

In seinem neuen Thriller «Sechs mal zwei» schreibt der schwedische Erfolgsautor Arne Dahl die kürzlich begonnene Blom-Berger-Serie rasant fort.

Arne Dahls neustes Werk heisst «Sechs mal zwei».
Arne Dahls neustes Werk heisst «Sechs mal zwei».
Keystone

Mit seiner Mixtur aus dramaturgischer Genauigkeit und perfider Beschreibungslust von Tötungsdetails erschrieb sich der 1963 geborene Schwede Arne Dahl über die Jahre ein Millionenpublikum – und diverse Verfilmungen.

Seine Tetralogie um die er­mittelnde Opcop-Gruppe stürmte die internationalen Bestsellerlisten dabei ebenso selbstverständlich wie seine Fälle der Stock­holmer Sondereinheit A-Gruppe. Und weil Leute wie Dahl offenbar über ein unerschöpfliches Reservoir an finsteren Plots verfügen, hat der passionierte Schwarzmaler 2016 eine neue, dritte Reihe ins Leben gerufen.

Untergetaucht

In deren Zentrum steht das hochinteressante Ermittlerduo Molly Blom und Sam Berger. Zwei, die im ersten Band «Sieben minus zwei» das Verschwinden einer jungen Frau aufzuklären versuchten – und dabei unversehens auf den Radar des Inlandgeheimdienstes Säpo gerieten, der plötzlich Jagd auf sie machte. Also flohen die beiden vor den Säpo-Leuten – und tauchten unter.

Genau hier setzt der zweite Berger-Blom-Fall «Sechs mal zwei» ein: mit der Suche der Säpo-Agenten nach den Untergetauchten. «Man konzentrierte sich bei der Suche auf Schweden. Auf den entlegensten Ecken. Wo waren sie? Vielleicht irgendwo im Inneren des Landes? Im menschenleeren Inland? Nur so viel war klar: dass die Sicherheitspolizei nach ihnen suchte und sie ganz oben auf der Fahndungsliste standen.»

Langsam, wie in Zeitlupe, rollt der neue Thriller an, in dem wir erleben, wie Berger, der die atemlose Flucht vor den Geheimdienstlern mit einem Zusammenbruch bezahlt hat, langsam wieder auf die Beine kommt. Längst hat Blom die Regie in ihrem Versteckspiel übernommen – eine kühle Jane Bond, die seit dem rätselhaft Mord an einer Kollegin das Gefühl nicht los wird, von grimmigen Monstern in Polizeiuniformen umstellt zu sein. Doch als der Hilferuf einer Frau sie zwingt, ihre Deckung aufzugeben, beginnt ein David-gegen-Goliath-Kampf, in dessen Verlauf es Berger auf schmerzhafte Weise in die eigene Ermittlervergangenheit zurückwirft.

Wenig heimelig

Wer in Dahls Roman nach der heimeligen Wärme eines Kurt-Wallander-Krimis sucht, landet ebenso schnell auf dem Holzweg wie all jene, die sich von Dahl die historisierende Langsamkeit einer Camilla Läckberg erhoffen. Wer allerdings bereit ist, mit jedem gelesenen Satz einen Schritt tiefer in die furchterregenden Verliese der menschlichen Seele hinabzusteigen, der kommt bei Dahl voll auf seine Kosten.

Arne Dahl:«Sechs mal zwei», Piper, 400 Seiten.

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