«Ich bin ein Waschlappen»

Bastiaan Ragas (46) war in den Neunzigerjahren Leadsänger der holländischen Boygroup Caught in the Act. Heute ist er Bestsellerautor: In «Kinderkacke» beschreibt er seine Erfahrungen als vierfacher Vater.

Vom Popstar zum Bestsellerautor: Bastiaan Ragas

Vom Popstar zum Bestsellerautor: Bastiaan Ragas Bild: Getty Images

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Herr Ragas, was ist anstrengender: Popstar zu sein oder Vater zu werden?
Bastiaan Ragas: Gut ist, dass nicht beides gleichzeitig kam. Beides ist anstrengend. Wissen Sie, ich bin ein Romantiker. Ich stelle mir die Dinge immer schöner vor, als sie dann tatsächlich sind. Das war beim Popstarleben der Fall und beim Vaterwerden ebenso. Wenn ich dann in der Realität angekommen bin, weiss ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Weil eben nicht alles rosa ist.

Was hat Sie dazu bewegt, dieses Buch zu schreiben?
Bevor ich Vater wurde, hat mir kein Mann gesagt, wie die Babyphase tatsächlich sein würde. Ich bin da völlig unvorbereitet reingeschlittert. Mit dem Buch leiste ich Aufklärung und will den Männern da draussen sagen: Ihr seid nicht allein. Und: Das erste Jahr ist das schlimmste. Danach wird es besser. Die Wahrheit muss ans Licht (lacht).

Was ist denn genau die ­Wahrheit?
Dass sich alles verändert, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Dein Leben ändert sich, deine Frau ändert sich. Die ganze Aufmerksamkeit gehört nur noch der Frau und dem Baby. Es gibt keine Gemütlichkeit mehr, keinen Schlaf, keine Zweisamkeit. Das Liebesleben ist wie der Gotthardtunnel: Dunkel, langweilig, und man weiss nicht, wann er enden wird.

Was hat geholfen?
Humor. Wenn man darüber lachen kann und alles nicht ganz so ernst nimmt. Ich will zeigen, dass das Leben auch für Promis kein Facebook-Happy-Meal ist. Das hat doch was Tröstendes, wenn man realisiert: Der Ragas war zwar mal bei Caught in the Act, aber auch er hatte Ringe unter den Augen und Babykacke an den Fingern. Diesen Popstarstatus zu demontieren, macht unglaublich viel Spass.

Wie haben Sie die Geburten Ihrer Kinder erlebt?
Ich hatte jedes Mal höllische ­Rückenschmerzen.

Sie hatten Rückenschmerzen?
Ja, ich bin ein Waschlappen. Ich habe mit meiner Frau jedes Mal so mitgelitten, es war schlimm, ihr nicht helfen zu können. Da habe ich so starke Rückenschmerzen bekommen, dass ich nicht mehr stehen konnte. Stellen Sie sich das mal vor: Die Frau leidet Höllenqualen und der Mann liegt daneben am Boden, weil er Rückenschmerzen hat.

Wird es denn nicht mit jeder Geburt einfacher, weil man schon Erfahrung hat?
Nein, es war jedes Mal gleich schlimm. Auch das erste Babyjahr war immer gleich. Aber es wird jedes Mal besser. Und damit das auch noch gesagt ist: Ich liebe meine Frau und meine Kinder über alles. Aber der Anfang ist hart, nicht nur für Frauen.

Welches ist der wichtigste Tipp für einen jungen Vater?
Sich zu verbiegen wie ein ­Bambus.

Wie meinen Sie das?
Die Frau ist der Wind, der Mann der Bambus. Die Frau hat das Sagen und immer recht. Das gilt in der Schwangerschaft und besonders im ersten Jahr nach der Geburt. Wenn die Frau um drei Uhr nachts Schokolade möchte, geh und kauf ihr Schokolade. Wenn sie das Kinderzimmer rosa haben will, streich es rosa. Wenn sie eine Woche später doch grün bevorzugt, streich es grün um. Wenn sie Nein sagt, heisst das Nein. Wenn sie sagt, du bist an allem Schuld, dann ist das so.

Okay . . . Und wie muss man sich Ihre Lesungen vorstellen? Ist das lustig?
Ich hoffe doch! Es sind eigentlich mehr Shows als Lesungen. Stand-up-Comedy. Ich habe jeweils eine grobe Idee, was ich erzählen will, lasse mich aber vom Publikum leiten und reagiere auch mal spontan. Da die Wahrheit, die ich erzähle, hart und schockierend ist, baue ich während der Lesung als Kontrast immer mal wieder einen romantischen Song ein, etwa von Michael Bublé oder Elvis. Moment, meine Frau hat gerade meine Kreditkarte geklaut (spricht auf Holländisch auf seine Frau ein). Entschuldigen Sie. Meine Frau hat gerade ein Hotel in Peking gebucht, mit meiner Kreditkarte. Sehen Sie, ich habe wirklich nichts zu melden.

Oje! Sie sind Sänger, Schauspieler, Moderator und Schriftsteller – haben Sie überhaupt Zeit für Ihre Kinder?
Ja. Im Mai gehen wir als Familie vier Monate lang auf Weltreise. Ich arbeite zwar viel, dafür habe ich keine Hobbys, gehe nie auf Partys, nie an Fussballspiele und habe nur fünf Freunde. Wenn ich nicht arbeite, bin ich nur für meine Familie da.

Mit welchen Gefühlen denken Sie heute an die goldenen Zeiten Ihrer Boygroup Caught in the Act zurück?
Es war die Erfüllung eines Jugendtraums, und ich bin stolz, dass ich ihn leben konnte. Aber es war eine hektische Zeit, wir spürten den Erfolgsdruck enorm, und es war kein Platz für eine eigene Entwicklung. Wir existierten nur als Band. Heute geben wir zu dritt wieder regelmässig Konzerte und feiern die Vergangenheit. Es macht viel mehr Spass als früher, weil wir nichts mehr müssen.

Ein neues Album ist nicht geplant?
Nein, wir haben alle unsere eigenen Karrieren. Ich habe Solo­alben veröffentlicht, in Musicals gesungen und arbeite auch als Schauspieler.

Sie spielen in einer TV-Serie.
Ja, sie wird auf Nickelodeon Holland gesendet. Ich spiele den Vater einer grossen Familie. Es passiert darin ziemlich viel, das ich regeln muss. Ich bin sozusagen der Indiana Jones Hollands.

Was halten Ihre Kinder von Ihrer Boygroup-Phase?
Sie finden sie lustig, lächerlich, sind aber auch stolz, dass ihr Vater mal ein Popstar war. Sie sagen dann: «Warum hast du Klamotten für Mädchen getragen? Warum hattest du Öl auf dem Oberkörper?» und «Was sollte das mit den zwei Ohrringen?»

Was antworten Sie dann?
Ich streite alles ab.


Lesung: Freitag, 20. April, 20 Uhr, Kreuzkellerbühne, Herzogenbuchsee. Buch: Bastiaan Ragas, «Kinderkacke – die Papa-Versteher-Bibel», Heel-Verlag, 204 S. Infos und Vorverkauf: www.kinderkackedasbuch.de. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.04.2018, 11:55 Uhr

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