Ein Gepard macht den Hund

Ein Tierbuch voller überraschender Erkenntnisse: «Maleika» von Matto Barfuss liefert den Beweis, dass Geparde regelmässig Yoga machen. Und das ist längst nicht alles.

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Maleika möchte ihr Jagdgebiet erweitern. Dazu muss sie einen Fluss überqueren. Am Ufer stehen Feigen- und Akazienbäume, die Strömung ist ganz schwach. Alles ruhig, alles friedlich. Maleika macht sich auf den Weg, Jungtier Marlo folgt der Mutter.

Die Geparde haben die Rechnung ohne die Krokodile gemacht. Die Bewegungen von ­Maleika und Marlo im Wasser haben ein ebensolches Reptil angelockt. Es schnappt nach Marlo, reisst es unter Wasser, immer und immer wieder. Marlo taucht ab und wieder auf, entkommen kann er nicht. Maleika sieht hilflos zu, wie ihr Sohn qualvoll stirbt.

In den nächsten Tagen trauert die Gepardenfamilie. Immer wieder kehren Maleika und ihre anderen Jungtiere an die Stelle am Fluss zurück. Dort scheinen sie nach dem verlorenen Bruder zu suchen und zu rufen. Volle drei Tage lang jagen sie nicht, sondern hungern und bleiben Tag und Nacht am Fluss.

Gute Geister

Das Leben als Gepard im 30 000 Quadratkilometer grossen Serengeti-Steppengebiet in Tansania und Kenia ist oft hart und manchmal auch sehr traurig. Es ist aber zum Glück an vielen Tagen auch lustig, liebevoll – und für Menschen in der Beobachterrolle wahnsinnig spannend.

Der süddeutsche Fotograf und Filmemacher Matto Barfuss, als «Gepardenmann» und Unesco-Fotopreisträger bekannt geworden, hat für sein neues Buch- und Filmprojekt eine Gepardendame und ihre Familie vier Jahre lang in der Wildnis begleitet. Das Tier nannte der 47-Jährige: Maleika. In Afrika sagt man, Maleikas ­seien Engel. Gute Geister, die vom Himmel gesandt werden, um den Menschen zu helfen.

Furiose Fotos

Das kann man auch ein bisschen über das diese Woche erschie­nene Buch von Barfuss sagen. «Maleika – Das bewegende Leben einer Gepardin in der Savanne» hilft Menschen, sich in das Raubtier Gepard hineinzuversetzen und es zu einem kleinen Teil zu verstehen. Die über hundert teilweise furiosen Fotos sind dabei das eine. Aufschlussreich sind vor allem die knapp gehaltenen ­Texte.

Darin erfährt man zum Beispiel, dass Geparde täglich Übungen machen, um ihre Sehnen und Bänder zu dehnen und die Wirbelsäule zu aktivieren. Das sieht aus wie Yoga. Und bietet dem Leser eine von vielen überraschenden Erkenntnissen: Geparde machen täglich den Hund, um als Katze in der Wildnis konkurrenzfähig zu bleiben.







Matto Barfuss:«Maleika», Riva, 144 Seiten, ca. 19 Franken. Der gleichnamige Kinofilm startet in der Schweiz voraussichtlich Anfang Februar 2018.
(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 12:46 Uhr

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