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Der grosse Belletrist ist tot

Diogenes-Verleger Daniel Keel ist heute Morgen gestorben. Der Schweizer entdeckte unzählige berühmte Schriftsteller und schuf den grössten Literatur-Verlag Europas.

Es gibt wohl kaum einen Bücherfreund, der nicht mindestens ein Diogenes-Buch verschlungen hat. Denn eine ausgezeichnete Nase für Bestsellerautoren mit Niveau zeichnet den Verlag und dessen nun verstorbenen Chef aus – sei es Martin Suter, Patrick Süskind oder Patricia Highsmith. Ganz zu schweigen von den Cartoonbüchern von Tomi Ungerer, Loriot oder Sempé. Keels Gebot war, dass Literatur auch immer unterhaltend sein sollte. Ein anderes, nur solche Autoren zu verlegen, die zum Haus passen.

Daniel Keel hatte Diogenes 1952 gegründet und leitete ihn mit seinem Geschäftspartner Rudolf C. Bettschart bis zuletzt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnete die Verleger im Juni dieses Jahres «für ihr grosses Engagement» mit der Friedrich-Perthes-Medaille aus. Daniel Keel wurde zudem kürzlich zum Chevalier dans l'Ordre des Arts et des Lettres ernannt. Diogenes ist heute nach eigenen Angaben der grösste rein belletristische Verlag Europas. In einer Gesamtauflage von fast 190 Millionen Exemplaren sind bisher über 5800 Titel erschienen.

Freund der Autoren

Keel wurde am 10. Oktober 1930 in Einsiedeln geboren. Nach dem Besuch der Klosterschule brach er mit 14 das Gymnasium ab und absolvierte in Zürich eine Buchhändlerlehre. Er versuchte sich als Maler, Schauspieler und Schriftsteller und sammelte als Buchhändler Erfahrungen. 1952 fielen ihm die Zeichnungen des Cartoonisten Ronald Searle in die Hände, die er unter dem Titel «Weil noch das Lämpchen glüht» als sein erstes Buch publizierte. Das Vorwort schrieb Friedrich Dürrenmatt, dessen Werke alle im Diogenes Verlag erschienen.

Auch mit dem kürzlich verstorbenen Vicco von Bülow alias Loriot machte Keel eine seiner früheren Entdeckungen. Es waren Künstler solchen Ranges, die an Keel zweierlei schätzten: dass er ihnen das Schreiben ermöglichte und dass er sie unermüdlich ermunterte. Doris Dörrie etwa hat diese beständige Ermutigung als die eigentliche Qualität Daniel Keels dargestellt.

Daniel Keel, der heute in seinem Wohnsitz in Zürich gestorben ist, hinterlässt zwei Söhne – sowie unzählige traurige, aber dankbare Leser.

SDA/phz

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